Der GDV-Kodex und die Praxis

| Versicherungen | Berater | Top News von Markus Rieksmeier

Die Versicherer fordern den GDV-Verhaltenskodex inzwischen von Versicherungsmaklern vertraglich ein. Zugleich können Zusatzvergütungen der Versicherer und ihr eigenes Verhalten mit diesem Kodex kollidieren, wie ein Beispiel zeigt.

In den vergangenen Wochen erhielten viele Versicherungsmakler von Ihrem Versicherungspartner einen Nachtrag zur bestehenden Courtagevereinbarung, mit welcher der Versicherer den Makler auf den GDV-Verhaltenskodex für den Vertrieb verpflichtet wissen will. Auf diesen Kodex ist der GDV-Verband sehr stolz und lobte kürzlich dessen „Vorbildcharakter für die deutsche Wirtschaft". Der Berliner Versicherungsmakler Matthias Glesel hat sich den GDV-Kodex vorgenommen und sagt gegenüber procontra, dieser sei „ausschließlich an die Versicherer gerichtet“.

Dennoch finde der Kodex „mittlerweile Einzug in die Courtagezusagen der Versicherer, und das mit dabei angedrohten Konsequenzen“. Glesel, zugleich Vorsitzender des IGVM Maklerverbands, spricht von „enteignungsgleichen Eingriffen“ in die Gewerbebetriebe der Makler. Diese müssten „nötigenfalls gesetzlich“ unterbunden werden. Der Kodex sei „pikanterweise“ von der „Allianz Lebensversicherung mit einformuliert, die just wegen Intransparenz“ ihrer Riester-Bedingungen verurteilt wurde, fügt Makler Glesel an. Aber auch die Barmenia fordere inzwischen den Kodex von ihm ein.

Klare und transparente Produkte
Im GDV-Kodex ist unter Punkt 1 geregelt: „Klare und transparente Produkte“. Das genaue Gegenteil zu Ihrem Produkt Riester-Rente hat das Oberlandesgericht Stuttgart der Allianz Leben in der vergangenen Woche letztinstanzlich bescheinigt. Wegen Intransparenz der Allianz-Bedingungen wurden einige Ihrer Riester-Klauseln „vernichtet“, wie Versicherungsombudsmann Prof. Günther Hirsch solche Rechtsvorgänge im vergangenen Jahr in einem GDV-Interview bezeichnete. Ganz anders liest sich das Allianz-Schreiben an die Versicherungsmakler, das procontra vorliegt.

Dort heißt es zum Kodex: „Die Allianz Lebensversicherungs-AG identifiziert sich mit diesen Qualitätsansprüchen“. Bei Versicherungsmakler Matthias Helberg aus Osnabrück ging ein solcher Brief ebenfalls ein - ausgerechnet am Tage des OLG Urteils. Für Ihn „gipfelt“ das Schreiben in dem Satz der Allianz: „Zusätzlich möchten wir darauf aufmerksam machen, dass wir im Falle von Kundenbeschwerden die Beachtung der Regeln des Kodex in der täglichen Vertriebspraxis überprüfen werden“. In seinem Blog schreibt Helberg: „Die Allianz gefällt sich scheinbar in der Rolle eines Sheriffs“.

Zusatzvergütungen dürfen die Unabhängigkeit nicht beeinträchtigen
Dieses Vorgehen bezeichnet Makler Helberg als „Versuch der Bevormundung“ und präsentiert in Wort und Bild die Vertriebspraxis, eine aktuelle E-Mail der Allianz. Dort steht: „IfGP: Sonderförderung 2014 für Risiko- und kapitalmarktnahe Produktgruppen“ werden „einmalig in 2014 mit 4 Promille gefördert“. Klar und transparent? Den Begriff „kapitalmarktnahe Produktgruppen“ findet Googles Suchmaschine nicht. Zumindest scheint klar, dass „Sonderförderung“ einen Umsatzbonus meint.

Allerdings bedingt die Zusatzvergütung einen Mindestumsatz von 500.000 Euro Bewertungssumme, ist in der gezeigten Allianz-Mail weiter zu lesen. Für Makler Helberg klingt das „nach umsatzbezogener Zusatzvergütung“. Man möge ihm mit Blick auf den Kodex „scheinheilige Worthülsen“ ersparen, schreibt er: Dort steht nämlich unter Punkt 9 (sinngemäß gekürzt): „Zusatzvergütungen dürfen die Unabhängigkeit des Maklers und das Kundeninteresse nicht beeinträchtigen“. Schon eine einfache Berechnung zeigt, dass umsatzbezogene Zusatzvergütungen die Unabhängigkeit des Maklers gefährden können.

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Foto: © Iurii Sokolov - Fotolia.com

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