Schadenersatz für VW-Aktionäre?

Sachwerte Top News von Prof. Dr. Klaus Bröker und Dr. Jürgen Machunsky, Rechtsanwälte

Der Skandal um VW wegen der Manipulation der Abgaswerte weitet sich aus. Der Kurs der VW-Aktie fällt und fällt. Können die Aktionäre Schadenersatz fordern?

VW scheint angeschlagen (Symbolbild). Fotolia/ ledmark31

Der Skandal um VW wegen der Manipulation der Abgaswerte weitet sich aus. Der Kurs der VW-Aktie fällt und fällt. Viele Besitzer eines dieselgetriebenen Autos aus dem VW-Konzern der Modelle Beetle, Passat, Golf und Audi überlegen, ob sie möglicherweise Schadenersatz verlangen können, da – nach Recherchen der Presse - Fahrzeuge mit Dieselmotoren vom Typ EA 189 in den Jahren von 2009 bis 2014 mit einer die Abgaswerte manipulierenden Software ausgestattet sind. Wenig beachtet wurde dabei bisher die Frage, ob auch VW-Aktionäre Schadenersatz fordern können.

Der VW-Konzern ist ein DAX-Unternehmen und unterliegt als solchem den höchsten Transparenzanforderungen, die vom Gesetz an börsennotierte Unternehmen gestellt werden. Es gibt zwei Arten von VW-Aktien, die mit Stimmrecht ausgestattete VW-Stammaktie, WKN 766 400, ISIN DE0007664005, mit einem Free Float von nur 12,27% und die VW-Vorzugsaktie ohne Stimmrecht aber mit Dividendenvorzug, WKN 766 403, ISIN DE0007664039, mit einem Free Float von 100%.

Beide Aktien haben seit ihrem Hoch im März/April 2015 von über 240 €/Aktie massiv an Wert verloren und notieren am 23.09.2015 zeitweise unter 100 €/Aktie. Der Kurzsturz ist besonders rasant seit Montag, dem 21.09.2015, dem öffentlichen Bekanntwerden des Abgasmanipulationsskandals. Seit dem 21.09.2015 verloren VW-Aktien innerhalb von nur 3 Tagen fast 40% an Wert.

Ad-Hoc-Mitteilungspflicht

Nach § 15 Abs. 1 WpHG muss ein Inlandsemittent Insiderinformationen, die ihn unmittelbar betreffen, unverzüglich veröffentlichen. Nach § 13 Abs. 1 WpHG sind Insiderinformationen solche, die zum einen konkret und zum anderen nicht öffentlich bekannt sind. Sie müssen, um als relevant eingestuft zu werden, im Falle des öffentlichen Bekanntwerdens natürlich den Emittenten betreffen und dann geeignet sein, den Börsen- oder Marktpreis erheblich zu beeinflussen.
Liegt ein solcher Fall vor, ist der Emittent verpflichtet, eine Ad-Hoc-Mitteilung über diesen Umstand zu machen.

Verletzung der Ad-Hoc-Mitteilungspflicht

Unterbleibt eine solche Mitteilung, so ist der Emittent einem Dritten, nämlich in diesem Fall demjenigen, der Aktien des Emittenten erworben hat, nach § 37 b Abs. 1 WpHG zum Schadenersatz verpflichtet, sofern der Dritte die Aktien des Emittenten nach der Unterlassung der relevanten Ad-Hoc-Mitteilung erworben hat.

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