Kollaps: Prokon ist pleite

Sachwerte Top News von Markus Rieksmeier

Das Unternehmen meldet, dass es einen Insolvenzantrag gestellt hat und bereits ein vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt wurde, der die Geschäfte vorläufig weiterführt. Eine Insolvenz muss noch nicht das Ende des Windkraft-Unternehmens sein.

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter hat das Amtsgericht Itzehoe Rechtsanwalt Dr. Dietmar Penzlin von der Kanzlei des ehemaligen Bundesjustiz-Ministers (1996 bis 1998) Edzard Schmidt-Jortzig eingesetzt. Anwalt Penzlin bestätigt dies und einen Eigenantrag der Prokon Regenerative Energien GmbH beim Amtsgericht auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens: „Gemeinsam mit einem Team aus Rechtsanwälten und Unternehmensberatern bin ich derzeit intensiv mit der Organisation der Betriebsfortführung im vorläufigen Insolvenzverfahren befasst“.

Der Geschäftsbetrieb werde in vollem Umfang fortgeführt, informiert Penzlin in einer Presseerklärung. Aber „sämtliche Verfügungen der Geschäftsführung sind ab sofort nur noch mit meiner Zustimmung wirksam“. Für die Belegschaft bereite er eine Insolvenzgeld-Vorfinanzierung vor, durch die die Löhne und Gehälter bis einschließlich April 2014 über Insolvenzgeld vorfinanziert werden könnten. Zeichnungen neuer Genussscheine seien nicht mehr möglich. Anleger sollten derzeit keine Zahlungen auf Konten der Prokon mehr vornehmen.

Insolvenzgründe werden geprüft
Das Insolvenzgericht, schreibt Penzlin, habe ihn als Sachverständigen mit der Prüfung von Insolvenzgründen beauftragt. Infrage kämen: Zahlungsunfähigkeit (§ 17 InsO), drohende Zahlungsunfähigkeit (§ 18 InsO) und Überschuldung (§ 19 InsO). Begleitend seien bereits verschiedene Rechtsgutachten zu diesen Fragen beauftragt. Der Hinweis auf Insolvenzgründe ist insofern bemerkenswert, als in den vergangenen Tagen über die eventuelle Unmöglichkeit einer Insolvenz spekuliert wurde.

Als weitere Schritte kündigt der Anwalt kurzfristig einen mit Prokon abgestimmten Rundbrief an die rund 75.000 Genussschein-Inhaber an. Und klar: „Rückzahlungen von Genussscheinkapital oder Zinsen sind insolvenzbedingt derzeit nicht möglich“. Wegen der „besonderen Bedeutung des Falls“ kündigt Penzlin kurzfristig eine Pressekonferenz an. Prokon hatte in den vergangenen Jahren etwa 1,4 Milliarden Euro in Form von Genussscheinen zur Finanzierung von Windkraftanlagen eingesammelt. Graues Kapital. Dies und mangelnde Transparenz waren immer wieder die Vorwürfe von Verbraucherschützern. 

Foto: © maksymowicz - Fotolia.com

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