„Versicherer müssen mehr tun“

Versicherungen von Christian Hilmes

Versicherungsbedingungen zu verstehen gleicht einer Wissenschaft. Prof. Dr. Günther Zimmermann folgt dieser Wissenschaft, berät den GDV und nennt die Stellschrauben in den Bedingungswerken, mit deren Betätigung sich Anbieter selbst einen Gefallen täten.

procontra: Sie haben sich als Sprachwissenschaftler mit den Versicherungsbedingungen der deutschen Assekuranz beschäftigt. Was störte Sie besonders?

Prof. Dr. Günther Zimmermann: Viele der verwendeten Fachbegriffe setzen ein Wissen voraus, über das viele Versicherungslaien nicht verfügen. Besonders gefährlich daran ist, dass manche verständlich wirkende deutsche Wörter den Leser auf die falsche Spur führen.

procontra: Nennen Sie bitte Beispiele.

Zimmermann: Das Wort „unverzüglich“ meint nicht „sofort“, sondern „ohne schuldhaftes Zögern“. Und eine „Obliegenheit“ eines Versicherten ist für einen Juristen nicht einfach mit „Pflicht“ zu übersetzen. Solche Fachkenntnisse kann man nicht einmal bei einem Akademiker voraussetzen, es sei denn, er hat Versicherungswirtschaft studiert.

procontra: Das trifft auch auf viele Makler zu. Müsste ein Makler aber nicht eigentlich alle Versicherungsbedingungen allein schon aus Haftungsgründen verstehen?

Zimmermann: Ja. Gut formulierte Vertragsbedingungen sind auch für den Makler wichtig. Denn er sollte deren Inhalte ohne Probleme verstehen, um seine Produktempfehlungen gut begründen zu können. Unverständliche Texte können für ihn dagegen höchst problematisch werden: Im Fall des Rechtsstreits muss er sich gegen den Vorwurf wehren, seinen Kunden nicht adäquat beraten zu haben.

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Foto: lingua@MEDIA

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