Schnipsel-Jagd bei der Debeka

Versicherungen Top News von Markus Rieksmeier

Bei der Debeka soll es jahrelang einen regen Handel mit Adressen von Beamtenanwärtern gegeben haben. Die Adressen, „Schnipsel“ genannt, enthielten zum Teil noch die Original-Bewerbernummern. Die Debeka untersucht den Fall mit Hochdruck.

Bereits in den 1980er Jahren sollen Führungskräfte der Debeka ihren Angestellten die Adressen von Beamtenanwärtern verkauft haben. „Damals für zehn Mark pro Schnipsel“, zitiert das „Handelsblatt“ (HB) in einem Bericht einen „Akteur“, der dies „an Eides statt“ bezeugt habe. Vor allem werden angebliche Vorkommnisse aus der Zeit von 1994 bis 1998 geschildert, als der heutige Debeka-Chef Uwe Laue den Debeka-Vertrieb verantwortet hat. Wörtlich schreibt das Blatt: „Hohe Debeka-Mitarbeiter hatten Behördenmitarbeiter bestochen und so die Daten besorgt“.

Gegenüber procontra hat sich Debeka-Pressesprecher Dr. Uwe Benner zu den Vorwürfen geäußert: „Wir untersuchen gerade mit Hochdruck die Hintergründe zu dem im Artikel des Handelsblatt geschilderten angeblichen Fall vor 15 Jahren. Da die Debeka selbst nie in irgendeiner Form Adresshandel betrieben hat, finden sich auch keine Aufzeichnungen im Unternehmen“. Wenn man dem Pressebericht glaubt, dann gibt es auch keine Aufzeichnungen und es gab wohl auch nicht nur einen Fall.

In einer Pressemitteilung bestätigt Debeka-Chef Uwe Laue, dass „in den 1980er- und 1990er Jahren Vertriebsmitarbeiter auf eigene Rechnung Adressen potenzieller Kunden erworben“ hätten. Die Debeka selbst habe sich nicht daran beteiligt. Weiter sagte Laue, der auch Präsident des PKV-Verbands ist, „der damaligen Führungsmannschaft fehlte die Sensibilität für diese datenschutzrechtliche Problematik. Und in diese Selbstkritik schließe ich mich ausdrücklich ein“.

Adressen im Schuhkarton

Berichtet wird von regelmäßigen Treffen, exemplarisch am Beispiel eines Vertriebsleiters mit seinen Leuten. Angeblich nicht in den Geschäftsräumen des Versicherers, sondern in einem Privathaus wurde laut HB „außerhalb des Protokolls“ mit Adressen gehandelt: „Davon lagen gerade rund 2.000 in Schuhkartons auf dem Tisch“, illustriert das Blatt Schilderungen eines namentlich nicht genannten „Teilnehmers“ und schreibt von einem „immer gleichen Muster“. Mit diesen Adressen seien Vertreter dann auf die Kunden zugegangen.

Vorher gab es scheinbar von anderer Seite noch eine Art Arbeitsvorbereitung: „Die Leute mit den Kontakten in den Behörden sagten uns Bescheid: „Jetzt geht’s los“, zitiert das HB. Offenbar haben die Führungskräfte, so ließe es sich im Zusammenhang erklären, den Verkauf der Adressen in die Behörden zurück gemeldet. „Wir durften natürlich nicht beim Kunden auftauchen, bevor der selbst die frohe Nachricht hatte“, schreibt das HB zu einer Aussage eines Insiders.

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Foto: Debeka Hauptverwaltung

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