Infinus: 25.000 Anleger „betroffen“

| Top News | Berater von Robert Krüger-Kassissa

Die Staatsanwaltschaft spricht von 400 Millionen Anlagevolumen und 25.000 „betroffenen“ Kunden. Nicht nur in Dresden; auch in fünf weiteren Städten hat die Staatsanwaltschaft Räume von Infinus durchsucht und berichtet von sechs Festnahmen.

Am Dienstag haben nach Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) Sachsen mehr als 400 Beamte Durchsuchungen bei Infinus durchgeführt. Genannt werden die Orte Dresden, Stuttgart, im Raum Köln, Frankfurt, Traunstein und im österreichischen Salzburg durchgeführt. Ermittelt werde gegen sechs Beschuldigte aus Deutschland und Österreich im Alter von 44 bis 52 Jahre. Diese seien festgenommen worden. Namen nennen die Ermittlungsbehörden nicht.

Laut LKA sollen „ca. 25.000 Personen“ und ein „Anlagevolumen von insgesamt 400.000.000 Euro betroffen sein“. Die beschuldigten Personen sollen bei der Ausgabe von Orderschuldverschreibungen „unrichtige Angaben zur Vermögens- und Ertragslage von Emittenten gemacht haben“, formuliert es das LKA. Die Strafermittler erwarten offenbar eine Welle von Kundenreaktionen und bitten „potenziell geschädigte Anleger“ sich schriftlich an die Staatsanwaltschaft zu wenden.

Infinus reagierte noch am Dienstag mit einer Pressemitteilung: „Wir stehen diesen angeblichen Vorwürfen ratlos gegenüber“, wird deren Vorstand Kewan Kadkhodai zitiert. Man werde mit den Behörden „aufs Engste“ zusammenarbeiten, dies beziehe sich auch auf die BaFin. Die Durchsuchungsaktion sei „in ihrer Dramatik kaum noch zu steigern“.

Auswirkungen größer als bei S&K
Sollten sich die derzeit kursierenden Vorwürfe bewahrheiten, werden die Auswirkungen deutlich größer als beim S&K-Skandal Anfang des Jahres. Denn Infinus hatte nicht nur selbst ein großes Firmengeflecht, sondern beteiligte sich unter anderem an der Brenneisen Capital AG und bei Hans John Versicherungsmakler. „Uns erreichen verständlicherweise zahlreiche Anfragen und Anrufe von Kunden, hinsichtlich möglicher Auswirkungen auf Grund der zur Zeit laufenden Untersuchung bei der Infinus-Gruppe auf die Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung“, erläutert Torsten Rehfeldt von Hans John in einer Presseerklärung. „Wir stellen daher klar, dass wir ausschließlich rechtlich selbständige Verträge vermittelt haben und die Vertragsbeziehung zwischen dem Versicherungsnehmer auf der einen und dem Versicherer auf der anderen Seite nicht berührt wird.“ Es entstehe, so Rehfeldt weiter, weder eine Deckungslücke, noch werde der rechtlich selbständige Vertrag eines Vermittlers mit dem Versicherer aufgehoben, gekündigt oder sonst verändert. Wirtschaftliche Auswirkungen auf die Hans John Versicherungsmakler GmbH könne man aber nicht ausschließen.

Infinus reißt viele Unternehmen der Branche mit den in den Strudel, zumindest hinsichtlich der Reputation. Beispielsweise die DJE Kapital AG, diese hat nämlich im März des Jahres die Verwaltung der Investmentfonds-Produkte INFINUS Relaxed Fund, des INFINUS Balanced Fund und des INFINUS Dynamic übernommen. Wirtschaftlich wird die Großrazzia natürlich keine Auswirkungen für DJE haben. Schließlich handelt es sich wie bei den Investmentfonds gesetzlich vorgeschrieben um Sondervermögen. Hinzukommt die Tatsache, dass es sich bei den Infinus-Fonds nur um 0,7 Prozent des Asset under Management der DJE-Gruppe handelt. Die Vertragsbeziehungen bestanden auch nicht direkt zwischen DJE und Infinus, sondern mit Axxion, der KAG der in Luxemburg beheimateten Investmentfonds. Produktgeber war oder genauer gesagt ist nicht Infinus, sondern es stecken nur Gelder von Infinus-Kunden in diesen Produkten. Auch Infinus´ „Haus- und Hof-Verkaufstrainer“ Bernd W. Klöckner erscheint derzeit in einem schlechten Licht.

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Foto: ein Firmengebäude der Infinus in Dresden, procontra

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