Hilfe bei Bewertungsreserven naht

Top News Versicherungen von Stefan Terliesner

Die Assekuranz erhält Rückendeckung von der Bundesbank. Ohne eine Neuregelung der Beteiligung der Versicherungskunden an den Bewertungsreserven drohe Gefahr für die Finanzstabilität.

Es ist vermutlich nur eine Frage der Zeit, bis der Gesetzgeber die Regeln für die Beteiligung der Versicherungsnehmer an den Bewertungsreserven der Versicherer erneut ändert. Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts gilt seit dem Jahr 2008, dass Versicherungsunternehmen ihre Kunden zur Hälfte an den Bewertungsreserven beteiligen müssen, wenn sie kündigen oder der Vertrag ausläuft. Seitdem fordert die Versicherungsbranche eine Gesetzesänderung. Vor der Bundestagswahl im September 2013 kam es nicht mehr dazu. Unter der neuen Regierung dürfte die Neuregelung kommen. Unterstützung erhält die Assekuranz jetzt von der Deutschen Bundesbank.

GDV: „Notwendiger Schritt“
In ihrem aktuellen Finanzstabilitätsbericht spricht sich die Bundesbank für eine Neuregelung der Bewertungsreserven-Beteiligung von Lebensversicherungskunden aus. Erwartungsgemäß begrüßt die Versicherungswirtschaft den Vorschlag. In einer Pressemitteilung betont Alexander Erdland, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV): „Dieser Schritt ist vor dem Hintergrund der erneut gesenkten Leitzinsen notwendig.“ Im Finanzstabilitätsbericht hieße es, dass die niedrigen Zinsen zunehmend die finanziellen Puffer der Lebensversicherer aufzehrten und zu steigenden Bewertungsreserven in den Bilanzen der Versicherer führten, die diese an die Versicherten ausschütten müssten. Die Notenbank sehe daher den Gesetzgeber gefordert, die Beteiligung der Versicherungsnehmer an den Bewertungsreserven in der Lebensversicherung im Sinne der Finanzstabilität solide und nachhaltig zu regeln.

Monatlich 300 Millionen Euro ausgeschüttet
„Die aktuelle Rechtslage ist ökonomisch unsinnig. Sie zwingt die Versicherer ausgerechnet in Zeiten historisch niedriger Leitzinsen von nur noch 0,25 Prozent zu Sonderausschüttungen in bisher nie dagewesener Höhe“, sagt Erdland. Allein in diesem Jahr hätten die Lebensversicherer Monat für Monat geschätzt knapp 300 Millionen Euro an Bewertungsreserven an ihre Kunden ausgeschüttet – etwa 80 Prozent mehr als 2011. „Dadurch verlieren wir jeden Monat Substanz, die wir brauchen, um alle Versicherten gut durch die Niedrigzinsphase zu bringen“, so Erdland. Ziel der Korrektur sei ein gerechterer Ausgleich zwischen den Kunden, deren Verträge jetzt auslaufen und den Kunden, deren Verträge weiterhin bestehen.

Foto:© Rido - Fotolia.com

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