Run-off: „Wir verstehen uns als Manufaktur“

Versicherungen Top News von Markus Rieksmeier

Die Heidelberger Leben will sich künftig auf die Abwicklung von Beständen spezialisieren und wäre damit der erste deutsche Run-off-Versicherer im Leben-Bereich. Worum es dabei geht, erklärt Dr. Arndt Gossmann, Vorstandssprecher des Run-Off-Versicherers DARAG AG.

Seit die Heidelberger Leben sich zu einem so genannten Run-off Versicherer erklärt hat, ergaben sich aus Reaktionen unserer Leser Fachfragen. procontra kommt dem gerne nach. Um das Run-off-Geschäft als ein bislang eher wenig bekanntes Feld näher zu beleuchten,  sprach procontra mit Dr. Arndt Gossmann. Er ist Vorstandssprecher der DARAG Deutsche Versicherungs- und Rückversicherungs-AG in Wedel bei Hamburg. Die DARAG ist auf Run-off-Geschäft im Nichtleben spezialisiert.

procontra: Herr Dr. Gossmann, bitte ersetzen sie uns das Lexikon: Wie kann man Run-off in kurzen Worten beschreiben?

Dr. Arndt Gossmann: Run-off bezeichnet in der Vergangenheit gezeichnetes Geschäft, für das noch versicherungstechnische Rückstellungen und Verpflichtungen bestehen, aber keine Prämien mehr generiert werden. Eine Architektenhaftpflicht-Versicherung zum Beispiel muss für Planungsfehler über die gesamte Gewährleistungszeit aufkommen; unabhängig davon, ob noch ein aktueller Versicherungsvertrag besteht, wenn der Schaden erkennbar wird. In der Bilanz des Versicherers werden dafür Rückstellungen gebildet. Run-off bindet also Kapazitäten und Ressourcen. Wir verwenden auch die Begriffe inaktives Geschäft oder Legacy Geschäft.

procontra: Wie läuft eigentlich so eine Transaktion materiell, wenn Sie einen Run-off-Bestand übernehmen?

Gossmann: In der Regel gibt es keine laufenden Prämieneinnahmen mehr für Run-off-Bestände, da die Zeichnung eingestellt wurde. Es geht also ausschließlich um die Übernahme der Reserven und darum, das Leistungsversprechen gegenüber den Versicherten verantwortungsvoll fortzuführen. Im Rahmen einer Portfolioanalyse ermitteln wir den „Best Estimate“. Das ist ein Schätzwert aller künftigen Schäden und Verpflichtungen, die in diesem Portfolio anfallen können. Wichtig ist dabei, dass beide Parteien ein gemeinsames Verständnis für den Wert des Bestandes entwickeln. Zusammen mit den Best Estimate Reserven erheben wir eine Risikoprämie, also einen Aufschlag, der sich nach Volatilität und Restlaufzeit bemisst. Diese Risikoprämie ist der eigentliche Preis für die Finalität; also dafür, dass wir das Altgeschäft inklusive aller Risiken übernehmen und den abgebenden Versicherer damit in seiner Bilanz und auch im administrativen Geschäft endgültig entlasten.

procontra: Der Bestand wird also nicht  1 : 1  übernommen?

Gossmann: Doch, der Bestand wird mit allen Verträgen und Risiken übernommen. In der Regel verbleibt beim abgebenden Versicherer aber trotz Risikoprämie ein Reserve-Überschuss, denn viele Versicherer haben diese Risiken tendenziell zu hoch angesetzt. Entsprechend kann neben der Eigenkapitalentlastung und der Reduktion der Komplexität beim abgebenden Versicherer zusätzlich ein Abwicklungsgewinn verbucht werden.

procontra: Die DARAG übernimmt jetzt zwei Portfolien der Württembergischen und von HDI-Gerling Industrie. Sie nennen aber keine Zahlen. Möchten Sie jetzt etwas zum Transaktionsvolumen sagen oder müssen wir auf den Geschäftsbericht 2013 warten?

Gossmann: Zwischen den Parteien ist Stillschweigen vereinbart. Wir respektieren das.

Seite 2: Effekte auf abgebenden Versicherer

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