bAV: Aktuare wollen Arbeitgeberhaftung reduzieren

Versicherungen von Stefan Terliesner

Pensionskassen geraten zunehmend unter Druck. Bei Leistungskürzungen sollen automatisch auch die Zusagen der Unternehmen sinken. Die Zinszusatzreserve wächst zu schnell.

Dr. Friedemann Lucius

Dr. Friedemann Lucius Bild: Heubeck AG

Die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) ruft nach dem Gesetzgeber. Die Pensionskassen gerieten im Niedrigzinsumfeld immer stärker unter Druck. Um sie zu entlasten, müssten die Rahmenbedingungen geändert werden. Einem Bericht der Börsen-Zeitung zufolge plädieren die Versicherungsmathematiker dafür, „dass sich die Leistungskürzungen der Pensionskassen automatisch in der arbeitsrechtlichen Zusage abbilden.“ Dies soll DAV-Betriebsrentenexperte Friedemann Lucius vor Journalisten in Köln gesagt haben. Im Juni hatte der BVV Versicherungsverein des Bankgewerbes als erste Pensionskasse in Deutschland den Rechnungszins für zukünftige Rentenleistungen um fast ein Viertel gekürzt. Mit der Neue Leben Pensionskasse ist seitdem mindestens eine Altersvorsorgeeinrichtung hinzugekommen.

Sozialpolitischer Sprengstoff

Der DAV warnt vor steigenden Lasten für Unternehmen, die geringere künftige Leistungen der Kassen aus eigenen Mitteln ausgleichen müssen. Dem Zeitungsbericht zufolge schlugen die Aktuare nun vor, diese Arbeitgeberhaftung einzuschränken. Dafür müsse der Gesetzgeber tätig werden. Die Versicherungsmathematiker wissen, dass sie damit für sozialpolitischen Sprengstoff sorgen. Doch sonst gerate das gesamte System in Schieflage, so ihre Argumentation. Wenn die Arbeitgeber die volle Haftung für alle Zukunft egal in welchem Zinsumfeld behielten, würden sie für junge Arbeitnehmer bald überhaupt nichts mehr anbieten, gibt die Zeitung Äußerungen des DAV-Vorsitzenden Wilhelm Schneemeier wider. Bereits eingezahlte Beiträge und darauf basierende Zusagen seien von dem Vorschlag nicht betroffen. Hier soll die Einstandspflicht des Arbeitgebers unverändert bleiben.

Dem Bericht zufolge kritisieren die Aktuare auch den ihrer Meinung nach zu raschen Aufbau der Zinszusatzreserve in der Lebensversicherung. Hier müsse die Berechnungsmethode geändert werden. Einen entsprechenden Vorschlag hat gerade erst die Ratingagentur Assekurata wiederholt.

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