Kommentar: Die Lebensversicherung steht

Versicherungen procontra-Kolumnisten von Markus Rieksmeier

Seit einiger Zeit schafft es die Lebensversicherung immer wieder auf die Titelseiten. Vordergründig geht es um die Schwierigkeiten der Branche. Hintergründig geht es heute um Auflage. Auch Anwälte ringen um Publizität.

Die gute Nachricht: Kürzlich konnte sich jeder Zeitungsleser seine Meinung darüber bilden, wie die zukünftige Rentenpolitik aussehen soll als der GDV und der DGB ihre gegensätzlichen Positionen zu Versicherung und Versorgung öffentlich in der „Welt am Sonntag“ diskutierten. Jede Stimme kam zu Wort. Die schlechte Nachricht: Ansonsten berichtet die Wirtschaftspresse zurzeit buchstäblich einstimmig über die Lebensversicherung.

Kritisiert werden hohe Kosten und niedrige Zinsen. Das „Handelsblatt“ macht sich abwechselnd „Sorgen um die Lebensversicherung“ oder erklärt sie für die „Altersvorsorge nicht geeignet“; ferner gebe es „Knatsch unter Versicherungsvertretern“, gemeint sind Diskussionen um Provisionsdeckelungen. In diesem Zusammenhang schrieb kürzlich auch die „Frankfurter Allgemeine“ erst in ihrer Sonntagszeitung und dann auch auf ihren Internetseiten von „Mogeleien der Versicherer“ Jeder Kunde zahle „ein paar tausend Euro Provision. Das solle sich jetzt ändern, gelobt die Branche“. Von einem Gelöbnis oder dessen Erfordernis, kann keine Rede sein.

Die „Sorge“ um die Lebensversicherung hat sicher mit dem flauen Zinsniveau zu tun, das die Staaten künstlich niedrig halten, um die Zinskosten für ihre neuen Staatsschulden klein zu halten. Bekanntlich sind die Staatsschulden seit der Finanzkrise immens gewachsen. Bekannt ist auch, dass die Finanzkrise eine Banken-Krise ist. Aber das wird in der Berichterstattung selten erwähnt. Kein einziger Versicherer ist in den vergangenen Krisenjahren seit 2008 in die Knie gegangen. Kein einziger Versicherer hatte umverpackten Immobilienmüll (Subprimes) im Portfolio – weder hatte er solche Portfolien gekauft, noch hat er sie verkauft. Außer: die amerikanische AIG-Versicherung, die vom Staat mit 185 Milliarden Dollar gestützt werden musste. Aber das war eine Ausnahme, weil AIG wegen Bank- und nicht wegen Versicherungsgeschäften zugrunde ging.

Versicherer zahlen für die Banken

Dennoch zahlen die Versicherer für die Bankenkrise mit. Obwohl sie die Bankenkrise nicht verursacht haben, wurden seit 2010 allein die europäischen Versicherer mit neun Milliarden Euro Kosten belastet, damit sie neue Auflagen zur Einhaltung von Kapitalvorschriften einhalten. Dies hat eine Studie der Wirtschaftsprüfer von Deloitte ergeben. Auch dies stand in vor einigen Tagen im „Handelsblatt“. Hintergrund sei, dass die Versicherer zu den „mächtigsten Investoren auf dem internationalen Kapitalmärkten“, zählten. Stimmt. Aber kein Versicherer – außer AIG in USA – hat bisher Anlegergelder seiner Kunden eliminiert. Das steht in dem Düsseldorfer Wirtschaftsblatt nicht.

Stattdessen berichtet das Blatt unter Berufung auf „Ökotest“, die Lebensversicherung sei „ nicht geeignet“ für die Altersvorsorge, weil Bundesschatzbriefe angeblich besser seien. Mit solch einem so genannten „back testing“, also dem eher beliebigen Vergleich einer Anlagestrategie der Vergangenheit mit einer beliebigen realen Anlage, blamieren sich heutzutage noch nicht einmal mehr schlechte Produktverkäufer. Zumal auch schlechtes „back-testing“ gewöhnlich mit käuflichen Anlageprodukten durchgeführt wird, aber die erwähnten Bundesschatzbriefe gibt es gar nicht mehr.

Seite 2: GDV hat einen Kodex gebrochen

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