Zweifel an den Siegelbewahrern von Finanztest

| Berater | Top News von Markus Rieksmeier

Seit dem 1. Juli kostet die Verwendung der Finanztest-Testsiegel statt 500 bis zu 15.000 Euro. Angeblich um unlautere Werbung auszuschließen. Makler zweifeln an der Unabhängigkeit der Stiftung.

Früher bezahlten Unternehmen für die Werbung mit einem Finanztest-Siegel pauschal 500 Euro. Inzwischen erhebt die Stiftung je nach Werbereichweite laut Spiegel-Online bis zu 15.000 Euro pro Jahr und Siegel. Auch soll sich ein Siegel künftig nur noch auf ein konkretes Produkt beziehen. Viele Unternehmen hätten Produkt-Siegel früher oft auf eine „komplette Serie“ von Produkten übertragen. Nun lässt die Stiftung die Lizenzen für ihre Prüfsiegel vom gemeinnützigen RAL-Institut kontrollieren und vergeben, verbunden mit einer Lizenznummer.

Zweifel an der Unabhängigkeit

Aktuell meldet Versicherungsmakler und Autors Daniel Franke auf seiner Internetseite Zweifel an dem Logo-Lizenzsystem an. Die Stiftung Warentest erhalte jährlich 3,5 Millionen Euro vom Bundesverbraucherministerium (BMELV), damit sie unabhängig bleiben könne. Außerdem dürfe sie keine Werbung machen, auch nicht indirekt. Allerdings seien die Testlogos nicht nur für die Produktanbieter interessant, sondern auch für die Stiftung. Wegen der hohen Gebühreneinnahmen. In diese Gebührenlogik passt der letzte Finanztest-Vergleich von Berufsunfähigkeits-Versicherungen (BU), bei dem drei Viertel aller Anbieter ein „Sehr gut“ erzielten – mit dem entsprechenden Werbeanreiz für die Versicherer und dem Lizenz-Umsatzpotenzial für Finanztest.

Der BU-Vergleich wurde auch von procontra kritisiert. An die Spitze der Kritik-Bewegung hatte sich Ende Juni, kurz nach Erscheinen des Vergleichs, der Osnabrücker Versicherungsmakler Matthias Helberg gesetzt und auf seinem Blog eine aufsehenerregende Kampagne eingeleitet. Seine Kritik ist inzwischen auch im Wikipedia-Eintrag zu „Finanztest“ gelandet. Aber neben der eigentlichen Fachkritik am Test selbst, befasst sich Helberg inzwischen auch mit der Lizenzierung der Finanztest-Siegel. Er fragt auf seiner Facebook-Seite, ob ein Testsiegel Bestand behalten dürfe, wenn ein Versicherer nach dem Test seine BU-Bedingungen oder gar nur das Antragsformular ändert.

Kleine Änderung – große Siegelwirkung

Helberg meint, wenn ein Versicherer auch wegen des Antragsformulars eine gute Note erhalte, dann dürfe der Versicherer das Formular hinterher nicht mehr ändern. Oder er müsse auf die Werbung mit dem Testsiegel verzichten – oder das geänderte Produkt nachtesten lassen. Gleiches gelte verstärkt für nach dem Test geänderte Versicherungsbedingungen. Helberg fragt auf Facebook: „Ich frage mich daher gerade: Woher soll ein Verbraucher eigentlich wissen, ob das Antragsformular, das er vorliegen hat, auch das getestete ist?Und wie soll die RAL gGmbH einen Lizenzverstoß (= Produktänderung) überprüfen können, wenn denen die Info vielleicht auch gar nicht vorliegt?“.

Foto: Foto: Cover Finanztest, Ausgabe 7/13

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