Viel Gegenwind für Schiffsfonds

Sachwerte von Robert Krüger-Kassissa

Schiffsfonds kommen aufgrund der wirtschaftlichen Misere nicht aus der Krise. Neue Sanierungsplattformen entstehen. Doch diese sind nicht immer zum Nutzen der Anleger, wenn auch oftmals anders dargestellt.

Kürzlich hat sich das ZDF in der „Zoom“-Reportage „Angelegt und abgesoffen – das dubiose Geschäft mit den Containerschiffen“ (procontra-online berichtete) die Schiffsfondsbranche vorgenommen und schwere Vorwürfe erhoben, unter anderem war vom bösen Wort Schneeballsystem darin die Rede. „Der dort verwandte Begriff ,Schneeballsystem‘ ist nicht ganz unzutreffend. Es kann aber zumindest von einem ,faktischen Schneeballsystem‘ gesprochen werden.

Zum einen wurden noch bei Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise weitere Fonds aufgelegt, die zum Teil zur Stabilisierung auch in alte Fonds investieren sollten. Im Übrigen war auch schon vor Ausbruch der Krise aufgrund der zahlreichen Bestellungen absehbar, dass es insbesondere bei Containerschiffen zu deutlichen Überkapazitäten kommen würde“, bestätigt Rechtsanwalt Peter Hahn aus Hamburg die Aussagen des ZDF-Beitrags.

„Dass die Krise besonders Deutschland beziehungsweise deutsche Anleger betreffe, ist so nicht richtig. Wir haben es mit einer weltweiten, historisch lang andauernden  Schifffahrtskrise zu tun. Schiffskredite an ausländische Kreditnehmer sind genauso unter Wasser wie die an deutsche“, widerspricht Lloyd-Fonds-Chef Torsten Teichert einer Aussage im Film. Ein „KG-Einschiffsfonds“ gerate nur naturgemäß schneller in Schwierigkeiten. Größere Reedereien mit mehreren Schiffen hätten immer noch andere Möglichkeiten, sich zu refinanzieren.  

Sanierungsplattformen sollen helfen. Die Frachtschiff-Kontor Bahira GmbH präsen­tiert sich als Lösung. Dahinter steht der Rechtsanwalt und Ex-HSH-Prokurist Jan Duken in Zusammenarbeit mit schiffsfinanzierenden Banken und den Hamburger Reedereien F. Laeisz, Norddeutsche Reederei H. Schuldt und Rickmers Reederei. Das Kontor kauft gemeinsam mit den Banken, die zu einem teilweisen Forderungsverzicht bereit sind, finanziell angeschlagene Schiffe, um sie kurzfristig operativ zu stabilisieren und mittelfristig zu sanieren.

Mittlerweile existiert auch ein solches Kontor mit gleichem Konzept für Feederschiffe. Die Sanierungsplattform soll sogar den Eigentümern der Schiffe, sprich den Fondsanlegern, zugutekommen, denn diese werden im Falle einer Erholung mittels Besserungsschein am Gewinn beteiligt. „Die Banken wollen ihr Kreditvolumen abbauen. Bei der HSH soll von 35 Milliarden Euro die Hälfte abgebaut werden. Die Commerzbank will sogar auf null runter“, so Lloyd-Fonds-Chef Teichert. Sehr problematisch sei die Lage für die Banken in den vielen Fällen, in denen der aktuelle Schiffswert deutlich unter dem aktuellen Kredit liege. Das macht einen echten, marktgerechten Verkauf ohne erhebliche Abschreibungen nicht möglich. Bei dem Verkauf auf einer sogenannten „Banken-Plattform“ besteht nach Meinung von Teichert immer dasselbe Problem. Eine „Lösung“ könnte nur darin bestehen, dass über dem Marktwert liegende Kaufpreise abgesprochen würden. Insofern stellt sich die Frage, ob bei solchen Deals nicht einfach faule Kredite in werthaltige umgewandelt werden – innerhalb ein und derselben Bank. „Es ist aber das gleiche Schiff wie zuvor. Aber durch diese Übertragung ist es aus den Augen der Öffentlichkeit“, sagt Teichert. Die höhere mediale Aufmerksamkeit bei einem Fondsschiff als bei einem anderen notleidenden Schiff ist zahlenmäßig wegen der vielen Tausend Anleger nachvollziehbar.

Seite 2: Kein Mehrwert für Fondsanleger

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