Zwei Seiten der Demografie

Versicherungen Top News von Markus Rieksmeier

Wie erklärt man die demografische Entwicklung? Der GDV versucht es aktuell in einem „Trendbrief“. procontra befragte Sozialwissenschaftler Stefan Sell zu den darin ausgeführten Argumenten. Ein Thema, zwei Seiten und zwei Sichten.

Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) widmet sich aktuell dem Thema Demografie: „Perspektive 2050 – Herausforderung demografischer Wandel“ titelt der aktuelle „Trendbrief Altersvorsorge“. Grund: In den kommenden fünf bis zehn Jahren geht die so genannte Baby-Boomer-Generation in Rente.

Ein demografisches Problem, denn seit dem so genannten „Pillenknick“ um das Jahr 1963 herum werden die jüngeren Alterskohorten in absoluten Zahlen gemessen immer kleiner. Kurz: Immer wenige Junge müssen immer mehr Rentner finanzieren. Am menschlichen Lebenszyklus nachvollzogen belastet dies die Sozialsysteme: Erst die Rentenversicherung, dann die Kranken- und zuletzt die Pflegeversicherung. Neben den gesetzlichen müssen auch die privaten Sicherungssysteme „demografiefest“ gemacht werden.

Eine Gegenüberstellung

procontra hat mit dem Sozialwissenschaftler Prof. Stefan Sell von der Hochschule Koblenz über die Aussagen des GDV zu den „Perspektiven 2050“ gesprochen. Dort äußert sich GDV-Chef Alexander Erdland zu verschiedenen Themen rund um die Demografie. Zum Alterseinkommen sagt Erdland, dazu gehöre auch ein tragfähiges Rentensystem. Was dies konkret bedeutet, definiert Erdland nicht weiter. Er ergänzt: „Stabilität bietet aber erst das Drei-Säulen-System“.

Sozialwissenschaftler Sell (Foto) hinterfragt die gegenwärtige und zukünftige Verfassung der Drei-Säulen-Theorie: „Was bringt es, wenn der Eckrentner mit seiner Rente in Richtung Grundsicherung geschoben wird, aufgrund der Absenkung des Rentenniveaus?“. Außerdem, ergänzt Sell, gebe es einen Zusammenhang von Arbeitseinkommen und Betriebsrente: „Je niedriger das Einkommen, desto seltener haben die Menschen eine Betriebsrente“. Und zur dritten Säule der Altersversorgung: Schon für Durchschnittsverdiener sei es schwer, privat vorzusorgen. Umso schwieriger sei private Vorsorge für kleine Einkommen finanzierbar. 

Seite 2: Grundsicherung und Minilöhne

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