Götterdämmerung bei Finanztest

Versicherungen Berater Top News von Markus Rieksmeier

Auch in diesem Jahr hat „Finanztest“ Berufsunfähigkeits-Tarife verglichen und Kritik der Maklerschaft geerntet. Über diverse Social Media-Plattformen erreichen Makler derzeit eine breite Öffentlichkeit für ihre Kritik. Die Lösung des Konfliktes könnte ein „Dritter Weg“ sein.

In ihrer Juli-Ausgabe veröffentlichte die Zeitschrift „Finanztest“ einen Vergleich von 75 Berufsunfähigkeits-Tarifen und bewertet darin 58 Tarife mit „gut“ oder „sehr gut“. Laut „Finanztest“ sei letztlich die Beitragshöhe entscheidend. Am besten bewertet wurden die Premium-Bedingungen von Aachen-Münchener, Europa, Hannoversche und VHV. Als Test-Grundlage dienten der Zeitschrift zehn Leistungskriterien zur Berufsunfähigkeitsversicherung (BU).

Versicherungsmakler Matthias Helberg hat den Test in seinem Blog-Beitrag „Avanti Dilettanti“ kritisiert, vor allem die Beschränkung auf zehn BU-Testkriterien. Konkreter spricht er von nur „9 ½“ Kriterien, weil „Finanztest“ die Nachversicherungsgarantie falsch bewertet habe. Seines Erachtens seien für einen BU-Vergleich mindestens 20 weitere Prüfpunkte erforderlich, die er in seinem Beitrag detailliert beschreibt. Ferner, so Helberg, habe „Finanztest“ das BU-Endalter 67 in Musterfällen unzulässig auf 60 reduziert: Bei 1.500 Euro monatlicher BU-Rente, wie im Test, errechnet er in sieben Jahren 126.000 Euro Vermögensschaden des Versicherten – oder des Maklers, wenn dieser falsch berate. Nicht nur Makler Helberg betont, dass er für seine Beratung haftet und seine Sachkunde nachweisen muss, „Finanztest“ hingegen nicht. Helbergs Fazit zum BU-Vergleich: „unvollständige, lückenhafte, gar dilettantische Maßstäbe“.

Gutachter in eigener Sache

Versicherungsmakler Sven Hennig hat den BU-Vergleich von „Finanztest“ regelrecht seziert. Dies tut er seit 2009 regelmäßig, vor allem hinsichtlich der Prüfkriterien. Sein Fazit: „Es ist schon beeindruckend, mit welcher Hartnäckigkeit hier Halbwahrheiten, halbe Fakten und Kriterien als „Empfehlungen für Laien“ gegeben werden, die sich zudem noch um ein lebenswichtiges Thema drehen“. In einer Stellungnahme schreibt „Finanztest“: „Die relevanten der als fehlend bean­standeten Prüf­punkte wurden in der Unter­suchung ebenfalls über­prüft. Im Ergebnis gab es hierbei aber keine gravierenden Auffälligkeiten“.

Von dieseem gutachterlichen Auftritt in eigener Sache ließ sich Makler Sven Hennig nicht beirren und hakte in Form eines offenen Briefs nach: „Welche der als fehlend beanstandeten Prüfpunkte fanden den Weg in die Auswertung?“. „Finanztest“-Redaktionsmitglied Sebastian Hirsch hat auf den offenen Brief zwar geantwortet; er nannte aber keinen der konkret erfragten Prüfpunkte. Zur Haftung von „Finanztest“ schrieb Hirsch: „Wir machen keine Einzelberatung und haften daher auch nicht. Des Weiteren werden (…) Empfehlungen nicht unter einem provisionsorientierten Interesse veröffentlicht“.

Makler Helberg beurteilt die Stellungnahme der Test-Redaktion als reine „Schutzbehauptung“, vor allem im Hinblick auf das Schweigen der Redaktion zu konkret erfragten Fakten. Hierzu legte er in einem Blog-Beitrag „Avanti Dilettanti 2.0“ nach. Mit Blick auf die methodische und sprachliche Intransparenz schreibt er, dies lege „die Vermutung nahe, dass alles noch viel schlimmer ist, als von mir angenommen“.

Seite 2: Eskalation im Internet und in der Presse

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