Finanztest: Fachliche Mängel und falsche Anreize

| Versicherungen | Top News von Markus Rieksmeier,

Der aktuelle „Finanztest“-Vergleich von Berufsunfähigkeits-Versicherungen hat Diskussionen über die Testmethoden ausgelöst. Michael Franke hat das Testdesign untersucht: „Versicherungsmakler wären wahrscheinlich in der Haftung“.

Die Veröffentlichung des aktuellen Tests zu Berufsunfähigkeits-Versicherungen (BU) setzte einen öffentlich ausgetragenen Protest in Gang. Dieser Protest wird von einem tief gehenden fachlichen Diskurs begleitet: Es geht um die Frage, welche Testkriterien anzusetzen sind. Und auch: wie viele? „Finanztest“ hatte die Anzahl der Prüfpunkte auf zehn begrenzt. Viele Versicherungsmakler, die sich mit BU befassen, fordern mindestens 30 Prüfkriterien. Michael Franke von Franke und Bornberg hat sich die BU-Testkriterien von „Finanztest“ angesehen. procontra fasst seine Analyse zusammen.

Der Test „zeigt fachliche Mängel und setzt erneut falsche Anreize“, urteilt Franke und begründet: Angesichts „eingebrochener Überschüsse“ sei es falsch, Nettobeiträge zu bewerten; diese seien „Lockvogel Angebote“. Die Versicherbarkeit bis 67 Jahre zu prüfen, hält Franke inzwischen für wenig praxisgerecht, weil die Beiträge für viele Menschen unerschwinglich sind. Dazu kommt der Trend, dass inzwischen bis zu 24 Berufsgruppen zu einer immer weiteren Beitragsdifferenzierung führen. Für risikoarme Berufe wie den Steuerberater sinken die Beiträge. Handwerker hingegen werden immer teurer.

Problematische Ratschläge

„Finanztest“ folgt dem Ansatz, Top-Tarife zu identifizieren, in denen sich der Leser versichern soll. Um Beitrag zu sparen, sollen die Versicherten eher die Laufzeit oder die Höhe der Rente verringern. Michael Franke hält das für „kaum nachvollziehbar“ und empfiehlt Einsteigertarife, die den Verbraucher deutlich besser stellen.

Laut „Finanztest“ wird eine BU bei Selbständigen „oft erst anerkannt, wenn sie auch erwerbsunfähig sind“, daher wird auf eine Erwerbsunfähigkeits-Versicherung (EU) verwiesen. Franke hält das für einen „leichtsinnigen“ Rat: Bei Selbständigen wird eine mögliche Umorganisation des Betriebs geprüft: „Der passende Ratschlag ist eine günstigere BU-Versicherung mit abstrakter Verweisung“, sagt Franke.

Neben den wenigen Test-Kriterien sind nach Frankes Auffassung eine Vielzahl weiterer wichtiger Sachverhalte in den Bedingungswerken zu berücksichtigen. „Die Stiftung ruht sich hier offensichtlich auf die Arbeit anderer aus, da zum Beispiel in unserem Rating rund 55 Kriterien untersucht werden.“

Fazit

„Die Stiftung Warentest sollte sich nicht nur um die „Elite der noch Versicherbaren“, sondern stärker um die große Mehrheit der Nichtversicherten kümmern. Der Test zeigt deutlich, dass sowohl die fachliche Sorgfalt als auch die notwendige Tiefe der Untersuchung fehlt. Die Öffentlichkeitswirkung dieses Tests ist deutlich größer als das Testdesign rechtfertigt. Für einige der fachlichen Mängel bzw. problematischen Ratschläge der Tester stünden Versicherungsmakler wahrscheinlich in der Haftung“, erklärt Franke.

Foto: Michael Franke, Geschäftsführer von Franke und Bornberg

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