Doppeldeutige Honorarberater-Studie

| Berater | Top News von Stefan Terliesner

Während der parlamentarischen Beratungen zum Honorarberatergesetz veröffentlicht AXA IM eine Umfrage, wonach „Verbraucher die klassische Zahlungsweise bevorzugen“. Der VDH übt Kritik an der Studie.

 „Das Interesse an einer Honorarberatung beim Kauf von Investmentfonds ist erheblich gesunken“, so lautet das Ergebnis einer gemeinsamen Studie von TNS Infratest und AXA Investment Managers (AXA IM). Nur ein Drittel der Befragten seien bereit, für die Beratung direkt an den Berater zu zahlen; 2010 habe der Anteil noch bei 50 Prozent gelegen.

Der Umfrage zufolge bevorzugen 42 Prozent der Befragten die klassische Fondsgebühr, bei der die Berater beim Verkauf eines Investmentfonds eine Provision erhalten. 14 Prozent der Deutschen könnten keine Entscheidung zwischen Fondsgebühren und der Honorarberatung treffen. „Es scheint, als würden die Deutschen weiterhin die klassische Zahlungsweise bevorzugen“, so Karin Kleinemas, Marketing-Chefin Nordeuropa bei AXA IM.

Aufklärung notwendig

Dieter Rauch, Geschäftsführer Verbund Deutscher Honorarberater, hält von solchen Umfragen nicht viel: „Ich bin kein Freund von Studien, die eine Bereitschaft zur Zahlung von Honoraren belegen oder widerlegen sollen. Denn in der Praxis funktioniert die Honorarberatung nur, wenn der Verbraucher ausführlich zu den Beratungs- und Kostenmodellen informiert wird. Das geht bei Studien nicht.“

In Umfragen würden die Befragten in der Regel nicht über die Unterschiede zwischen den Modellen aufgeklärt. Das sei aber notwendig, „da die Befragten in der Mehrheit die tatsächlichen Vorteile nur oberflächlich oder gar nicht kennen.“ Und Rauch weiter: „Wenn ich die Studie richtig verstanden habe, dann wären ein Drittel der Befragten bereit, Honorare zu bezahlen. Andere Studien zeigen, dass nur weniger als 20 Prozent etwas mit dem Begriff Honorarberatung anfangen können. Insofern ist ein Drittel ein sehr gutes Ergebnis“, so Rauch.

AXA IM hat die Umfrage während der parlamentarischen Beratungen zum „Gesetz zur Förderung und Regulierung einer Honorarberatung über Finanzinstrumente“ veröffentlich. Mitte 2013 sollen die Beratungen abgeschlossen sein. Ein Jahr später könnte das Gesetz dann in Kraft treten. Das Gesetz regelt nur die Honorarberatung von Finanzinstrumenten, also Wertpapiere und Vermögensanlagen;  die Beratung über Bausparverträge, Versicherungen, Kredite und Sparprodukte werden nicht erfasst. Die Einschränkung auf bestimmte Produkte widerspreche der Logik der Honorarberatung, sagen Kritiker des Gesetzesentwurfs. Honorarberatung solle bedarfsgerechte Lösungen entwickeln. Das könne nur gelingen, wenn grundsätzlich unabhängig von bestimmten Produkten aus beraten wird.

Zwei neue Berufsbilder

Im Gesetzentwurf werden zwei neue Berufsbilder definiert: Honorar-Anlageberater und Honorar-Finanzanlagenberater. In beiden Berufsbildern wird ein Honorarberater nur vom Kunden vergütet. In Fällen, in denen das empfohlene oder in gleicher Weise geeignetes Finanzinstrument nicht provisionsfrei am Markt erhältlich ist, ist es dem Honorarberater erlaubt, Zuwendungen von Dritten anzunehmen, wenn diese unverzüglich und ungemindert an den Kunden weitergeleitet werden. Ein Honorarberater muss einen hinreichenden Marktüberblick haben und darf sich nicht auf ihm nahestehende Anbieter beschränken.

Die Berufsbilder sollen in unterschiedlichen Rechtsvorschriften verankert werden: Die bei Banken und anderen Wertpapierdienstleistern angesiedelten Honorar-Anlageberater dürfen umfassend über Geldanlagen beraten. Für sie gilt das Wertpapierhandelsgesetz. Die Aufsicht liegt bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Die BaFin führt ein öffentliches Honorar-Anlageberaterregister über alle Wertpapierdienstleister, die Honorarberatung anbieten. Bieten Banken Honorar- und Provisionsberatung an, müssen sie beide Bereiche personell, funktional und organisatorisch trenne. Honorar-Finanzanlagenberater dürfen nur über Fonds und bestimmte Unternehmensbeteiligungen beraten. Für sie gilt die Gewerbeordnung.

Die Aufsicht obliegt den Gewerbeämtern. Voraussetzung für die Erteilung der Gewerbeerlaubnis sind Sachkundenachweis und Berufshaftpflichtversicherung. Zudem müssen sich Honorar-Finanzanlageberater in das von den Industrie- und Handelskammern geführte zentrale Register eintragen.

Foto: © AllebaziB - Fotolia.com

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