Gold als Altersvorsorge?

Berater procontra-Kolumnisten von Peter Schmidt

Folgt man den Empfehlungen zahlreicher selbsternannter Experten, dann gibt es zum Gold oder wahlweise „Betongold“ für die private Altersvorsorge derzeit keine Alternative. Dr. Peter Schmidt von der VPV beleuchtet exklusiv für procontra dieses Thema.

„Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles. Ach, wir Armen!“ Der eine oder andere kennt diesen Stoßseufzer von Gretchen aus Goethes Faust, der mir aktuell bei vielen Publikationen und Diskussionen bei Facebook, XING & Co. durch den Kopf geht. Für die private Altersversorgung im persönlichen Sparstrumpf sei Gold unerlässlich, so die Meinung einiger Experten. Aber: Ist das, gerade für den Normalverdiener, wirklich so?

Die Zurückhaltung der Kunden bei zahlreichen Formen der versicherungsgestützen privaten Altersvorsorge ist angesichts von Finanzkrise, manch hausgemachter Schlagzeile, vielfach mangelnder Transparenz und nicht zuletzt durch medial ausgeschlachtete tendenziöse Studien unübersehbar.

Sparen für die Versorgung im Alter ist nicht (mehr) „in
Fakt ist: Die Kluft zwischen dem persönlichem Anspruch an die private Zusatzversorgung im Alter und die tatsächliche Sparleistung ist in den vergangenen Jahren größer geworden. Die Weisheit unserer Großeltern „Wenn ich wenig Geld zum Sparen habe, dann muss ich die Zeit für mich arbeiten lassen“, wird von vielen Kunden leider nicht mehr angenommen. Konsum ist in, Sparen ist out. Und wenn doch gespart wird, dann muss es schnell gehen, es darf nichts kosten, es muss viel bringen und soll sicher sein ...

Der Wunsch nach Sicherheiten
Der gewünschte Dreiklang von Sicherheit, Rendite und lebenslanger Versorgung funktioniert nicht mehr, zumindest nicht mehr so wie vor Jahren, als die Renditen sicher waren und Zinsen nur so sprudelten. Der verständliche Wunsch der Kunden nach Sicherheit macht es den „Heilsbringern“ von der Gold- und Betongold-Fraktion – darunter so mancher, der in der Vergangenheit keine solide nachhaltige Beratung bieten konnte oder dem die fachliche Qualifikation für eine Zulassung als Versicherungsmakler oder Finanzberater fehlte – leicht.

Unbestritten ist das Argument der Inflationssicherheit von Gold oder „Betongold“, wobei bei letzterem ja gerne die Kosten für Verwaltung, Sanierung und Vermietung sowie die Risiken der zukünftigen Standortbewertung und der Liquidierbarkeit schon mal ausgeblendet werden. Nicht zu vergessen: Bei Eigennutzung bleiben die gewünschten Einkünfte aus der Immobilie fürs tägliche Leben aus.

Gold kann man nicht essen, man muss es irgendwann verkaufen
Doch bleiben wir beim Gold. Was gilt es dabei zu bedenken? Angebot und Nachfrage sorgen auch bei Gold für ein Kursrisiko, es ist also „spekulativ“. Wenn also ein „statistisch durchschnittlicher Vorsorger“, der monatlich rund 200 Euro spart, diese Summe nun in Gold anlegt, der muss dieses Gold irgendwann wieder zu Geld machen. Denn Gold kann man bekanntlich nicht essen. Wie hoch ist dann der Kurs? Wer verkauft das Gold? Gibt es eine Vielzahl weiterer Verkäufer, die dann ebenfalls ihr Gold zu Geld machen wollen? Es wird schnell klar, wo die Probleme liegen: Es gibt keine Wertsicherung (Wertgarantie) zu den Zeiten, in denen sich der Goldpreis optimal  für den Besitzer entwickelt hat. Auch wegen der fehlenden Besparbarkeit sehe ich die Anlage für Kleinanleger als eher ungeeignet an  – bestenfalls als Beimischung im Anlageuniversum.

Nach welchen Kriterien sollte der Kunde seine Altersvorsorge auswählen?

Aus heutiger Sicht halte ich fünf Aspekte für wichtig:

1. Priorität sollte das Sparen „an sich“ haben. Die Höhe hängt von den Möglichkeiten des Kunden, seinen Lebensumständen, seinen Zielen und vielem mehr ab. Häufig wird eine Summe von rund 15 Prozent des Einkommens genannt.

2. Die Sparformen sollten möglichst breit gefächert werden.

3. Vom Wunsch- und Risikoprofil des Kunden abhängig sollten Vorsorgeformen gewählt werden, die seine eigenständige Risikoabsicherung (BU, Unfall, Pflege ...) ergänzen.

4. Die Vorsorgeprodukte sollten neben der wegen der vielfältigen individuellen Lebens-situationen notwendigen Flexibilität unbedingt die Zusatzrente für die immer länger werdende Altersphase bis zum Lebensende beinhalten. Eine Begrenzung der Rentenlaufzeit bis zum Alter von 85 Jahren sehe ich als kritisch an.

5. Ein optimales Versorgungsprodukt für eine lebenslange private Zusatzrente ab 67 sollte Beitragsgarantie, Chancen auf Renditeentwicklung und automatisches Garantiemanagement beinhalten. Dies bieten insbesondere fondsgebundene Versicherungen mit Garantien. Wenn dem Kunden dann noch die Fondsauswahl und das Shiften und Switchen je nach Kapital-marktlage abgenommen werden, dann ist dies sicher bequem und verbraucherfreundlich.

In dem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein sicheres und „Gold-freies“ Jahr 2013.

Autor des Beitrages ist Dr. Peter Schmidt, Vorstandsvorsitzender der VEREINIGTE POST. Die Makler AG. Dieser Textbeitrag gibt ausschließlich die Meinung des Autors und nicht der procontra-Redaktion wieder.

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