Reformstau bei gesetzlicher Rentenversicherung

Berater von Robert Krüger-Kassissa

Der Bundesverband der Rentenberater hat die Rentenmodelle der Parteien analysiert und bemängelt, dass alle Volksparteien die Lösung der Probleme auf später verschieben.

Nach Ansicht des Bundesverbands der Rentenberater, der rund 700 zugelassene Rentenberater in Deutschland vertritt, enthalten die geplanten Maßnahmen der verschiedenen Parteien für die Rente keine tragfähigen Reformen und gehen an der Lebensrealität der Menschen vorbei. Der Bundesverband stellte die Ergebnisse seines aktuellen Vergleichs heute in Berlin vor. Zwar sind in der „Lebensleistungsrente“ (CDU), „Solidarrente“ (SPD) oder „Garantierente“ (Bündnis 90, die Grünen) immerhin Mindestrentenmodule verankert, die Kernfrage aber wie künftig die „normalen“ Renten finanziert werden sollen, bleibt unbeantwortet. „Oft wird überhaupt kein Anspruch auf eine Zuschussrente bestehen, da diese langjährige Zusatzvorsorge und 40 Versicherungsjahre in der gesetzlichen Rentenversicherung voraussetzen. Dass wir das für eine Mogelpackung halten, haben wir ja schon mehrfach gesagt“, sagt Martin Reißig, der Präsident des Bundesverbands der Rentenberater. Mehr private Vorsorge ist aber nach Ansicht von Reißig auch nicht der richtige Weg. Die Finanzmarkt- und Schuldenkrise habe zu einer grundsätzlichen Skepsis gegenüber kapitalgedeckten Altersvorsorgesystem geführt.

Stärkung der bAV

Auch die Pläne der SPD die betriebliche Altersvorsorge, die derzeit in den meisten Fällen als Direktversicherung abgeschlossen wird, obligatorisch werden zu lassen und staatlich zu bezuschussen, hält Reißig derzeit für falsch. Alle Versicherungsprodukte haben das Problem der darin enthaltenden Kosten und rechnet vor: „Um auf einen Netto-Rentenbetrag von 90 Euro zu kommen, müssen Versicherungskunden bei vielen Produkten 112 Euro einzahlen. In der gesetzlichen Rentenversicherung reichen 100 Euro Beitrag, um auf 90 Euro Netto-Rentenbetrag zu kommen.“ Die Politik habe über Jahre das Rentenniveau abgesenkt und mit Einführung von Riester- und Rürup-Renten, des Nachhaltigkeitsfaktors, dem Herausnehmen von Schul- und Studienzeiten den Fokus immer mehr auf die private Vorsorge gelegt. Überrascht habe die Politik dann festgestellt, dass die Auswirkungen stark waren und mehr Menschen als gedacht in die Grundsicherung gerutscht sind. Nun steuert die Politik dagegen und versucht zum Beispiel mit der Anrechnung von Kindererziehungszeiten dieser Entwicklung wieder entgegenzuwirken.

Renditen können sich sehen lassen

In derzeitigen Niedrigzinsumfeld seien die Renditen (im übertragenen Sinne) der gesetzlichen Rentenversicherung nicht deutlich schlechter als die kapitalgedeckter Altersvorsorgeprodukte. Ebenso greife ein Vergleich der reinen Beitragssummen unter Berücksichtigung entsprechender Renditen zu kurz. „Die gesetzliche Rentenversicherung habe beispielsweise mit Hinterbliebenen- und Erwerbunfähigkeitsschutz ein größeres Leistungsspektrum als private Vorsorgeprodukte“, erklärt Reißig. Dieses Leistungsspektrum müsse bei einem umfassenden Vergleich berücksichtigt werden.

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