Frauen in der Pflegefalle

Versicherungen von Gloria Ballhause

17 Millionen Menschen in Deutschland rechnen in den nächsten zehn Jahren mit einem Pflegefall in der Familie. Eine Studie belegt: Frauen sind vom Pflegerisiko doppelt betroffen.

Derzeit haben rund zehn Millionen Menschen einen Pflegefall in der Familie. Weitere 17 Millionen rechnen in den nächsten fünf bis zehn Jahren damit, dass ein Familienmitglied gepflegt werden muss. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach in Zusammenarbeit mit der R+V Versicherung.
Hinter diesen Zahlen verbergen sich aktuell 2,4 Millionen Pflegebedürftige. Bis 2030 rechnet das Statistische Bundesamt mit einem Anstieg auf rund 3,4 Millionen Pflegefälle. „Durch die demografische Entwicklung wird Pflege zu einer immer größeren Herausforderung für das soziale Sicherungssystem“, sagt Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach. Dies gelte auch für die Familien und alle, die sich um eine kompetente und menschliche Pflege bemühen würden, so Köcher weiter. Tillman Lukosch, Vorstandsmitglied der R+V Versicherung, drückt es dagegen drastischer aus: „Unsere Gesellschaft rast im Eiltempo in die Pflegefalle“, sagt Lukosch. Für die Studie wurden rund 1.500 Bürger ab 16 Jahren befragt sowie 539 Frauen, die bereits einen Angehörigen pflegen oder in den nächsten Jahren damit rechnen.

Frauen doppelt betroffen
Der Studie zufolge sitzen besonders Frauen in der Falle: Sie sind es, die überwiegend die Pflege der Angehörigen übernehmen. Die „typische Pflegende“ ist demnach 61 Jahre alt, verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und ist nicht berufstätig. Weniger als die Hälfte (42 Prozent) der pflegenden Frauen übt neben der Pflege einen Beruf aus. Dies habe jedoch entsprechende Konsequenzen für die eigene Altersversorgung der Frauen, heißt es in der Studie. Gleichzeitig bestehe ein höheres Risiko, selbst zum Pflegefall zu werden. Ursache dafür sei die höhere Lebenserwartung von Frauen gegenüber Männern.

Die Mehrheit der Deutschen (78 Prozent) fordert daher ein Eingreifen der Politik: Etwa 60 Prozent der Befragten wünschen sich eine bessere Vereinbarkeit von Pflege und Beruf. Vor zwei Jahren sagten dies nur 41 Prozent. Auf der Wunschliste der pflegenden Frauen steht an erster Stelle die bessere Unterstützung für Menschen, die Angehörige zu Hause pflegen (88 Prozent), gefolgt von der qualitativen Überprüfung von Pflegeheimen sowie der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf (74 Prozent). 

Verwechslung von privater und gesetzlicher Vorsorge
Beim Thema Pflegevorsorge sehen die Studienmacher hingegen Aufklärungsbedarf. Denn: 23 Prozent der Bürger sind davon überzeugt, dass sie eine private Zusatzversicherung abgeschlossen haben. Laut den aktuellen Zahlen des Verbands der privaten Krankenversicherung haben aber nur 2 Prozent der Bürger eine private Pflegezusatzversicherung abgeschlossen. Die Studienmacher gehen daher davon aus, dass die Bürger teilweise private und gesetzliche Pflegeversicherung miteinander verwechseln.

Foto: © Peter Maszlen - Fotolia.com

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