Letzter Schutzschild

Versicherungen von Stefan Terliesner

Ab 2013 brauchen Finanzanlagenvermittler Haftungsschutz. Ob ihrer ausreicht, sollten auch Versicherungsvermittler überprüfen.

Als die Eheleute Barth 1998 anfingen, Vermögensschadens-Haftpflichtversicherungen (VSH) zu vermitteln, hörten sie sogar von Vermittlern oft: „Wer braucht das denn?“ Heute steht fest: Jeder Vermittler von Versicherungsverträgen benötigt eine. Das verlangt seit 2007 Paragraf 34d der Gewerbeordnung. „Bisher haben sich rund 14.000 Vermittler über die Ralf W. Barth GmbH versichert“, sagt Ulrike Barth, Geschäftsführerin des Spezialmaklers. Es dürften noch mehr werden. Denn ab 2013 müssen auch Vermittler von Finanzanlagen den Abschluss einer VSH-Police nachweisen; Vermittler geschlossener Fonds bereits seit Juni 2012. Dies fordert die Verordnung über Finanzanlagenvermittlung (FinVermV). Für deren Umsetzung wird ein neuer Paragraf in die Gewerbeordnung eingefügt – der 34f GewO. Berufszulassung und -ausübung sind fortan streng geregelt.

Kleiner, aber komplexer Markt

Die neuen Regeln zielen auf einen verbesserten Verbraucherschutz ab. Norman Wirth, Vorstand des Berufsverbands der unabhängigen Finanzdienstleister AfW, „begrüßt grundsätzlich die Regulierung und erwartet einen Professionalisierungsschub für die Branche“. Die neuen Regeln indes sorgen auch für Verunsicherung unter Vermittlern. Eine dem AfW häufig gestellte Frage ist: „Wie muss die Berufshaftpflichtversicherung ausgestattet sein?“ „Die Antwort hängt von den individuellen Bedürfnissen des Vermittlers ab“, sagt Wirth. „Individuell“ und „Bedürfnisse“, Begriffe, die Vermittler im Umgang mit ihren Kunden gut kennen sollten. Nur sind sie es jetzt, die sich beraten lassen sollten. Das Problem: Der Markt gestaltet sich zwar übersichtlich – es gibt mit der Allianz, AXA, ERGO, HDI-Gerling, Nassau und R+V nur sechs Anbieter –, aber die Materie ist komplex und der berühmte Teufel steckt auch hier im Detail. „Wer nicht ständig mit diesem speziellen Segment zu tun hat, wird im VSH-Tarifdschungel schnell die Orientierung verlieren. Geringe Abweichungen im Wortlaut können empfindliche Deckungslücken zur Folge haben“, betont Barth.

Ähnlich sieht dies AfW-Vorstand Wirth:­ „Wir empfehlen Vermittlern, eine VSH-Police nicht selbst direkt bei einem Versicherer abzuschließen, sondern sich einen darauf spezialisierten Makler zu suchen.“ Auch einen Gruppenvertag, wie er zum Beispiel von Maklerpools angeboten wird, hält er nicht für ideal. Dieser ist zwar günstiger als ein Einzelvertrag, dafür aber mitunter nicht exakt auf die Bedürfnisse des Vermittlers zugeschnitten. Für die Pools spricht freilich, dass sie unter ihrem Haftungsdach oft weitere Dienstleistungen wie Software-Tools und Dokumente (Beratungsprotokoll, KIIDs und so weiter) zur Verfügung stellen. Vernachlässigen sollten Vermittler das Thema VSH jedenfalls nicht. Auch wer bereits über eine VSH-Police verfügt, sollte von Profis prüfen lassen, ob die Deckung den Anforderungen genügt. Wie die Hans John Versicherungsmakler GmbH auf ihrer Homepage formuliert, ist die VSH „in der Regel der letzte Schutzschild vor dem Zugriff auf das Privatvermögen“.

Eine Million Euro ausreichend?!
Generell gilt: Die Versicherungssumme für Finanzanlagenvermittler entspricht derjenigen für Versicherungsvermittler, also mindes­tens 1,13 Millionen Euro, ebenfalls mit der identischen Anpassungsklausel an den europäischen Verbraucherpreisindex. Letzteres führt zu der Situation, dass die Summe von 1,13 Millionen Euro gerade einmal 15 Tage gültig ist, denn die Anpassung an die allgemeine Preisentwicklung erfolgt am 15. Januar 2013, wie Wirth erklärt. Für eine Deckung in dieser Größenordnung zahlt ein Vermittler etwa 600 Euro Jahresprämie (siehe Tabelle). Die Absicherung der Vermittlung von Finanzdienstleistungen kommt hinzu.
Nach Angaben von Wirth ist für die meisten Finanzanlagenvermittler eine Deckung in Höhe von gut einer Million Euro ausreichend. Nur wenige hätten Fälle, in denen es um die Anlage eines Millionenbetrages geht. Ein Versicherungsvermittler aber sei angesichts der vorgeschriebenen Mindestversicherungssumme schnell unterversichert. Beispielhaft nennt Wirth die Berufsunfähigkeitsversicherung. Verlangt ein Kunde hier wegen Falschberatung Schadensersatz, geht es schnell um sechs- oder siebenstellige Beträge.
Auch im Bereich der Privathaftpflichtversicherung sind Schadensersatzforderungen von Kunden gegenüber ihrem Vermittler in Millionenhöhe realistisch, man denke nur an einen Großbrand. Ein Klagegrund wäre zum Beispiel, dass der Vermittler im Rahmen seiner Betreuungspflicht den Versicherungsnehmer nicht auf einen unzureichenden Versicherungsschutz hingewiesen hat. Angesichts zunehmender Regulierung und immer mehr Schadensersatzklagen wegen Falschberatung sehen heute die meisten Vermittler den Bedarf für eine VSH. Die Frage „Wer braucht das denn?“ hört Barth jedenfalls nicht mehr.

Foto: © Nneirda - Fotolia.com

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare