Diamanten und Ackerland statt Immobilien

Sachwerte von Oranus Mahmoodi

Privatinvestoren halten sich in der Krise lieber an reale Werte. Auch jenseits von Immobilien haben Sachwerte einen hohen Stellenwert. In ihrer Studie „Strategie 2030 – Sachwerte“ untersuchten die Experten der Berenberg Bank und dem Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) Investments wie etwa Ackerland und Forstwirtschaft, Diamanten und Kunst hinsichtlich ihrer Potenziale und Risiken.

„Ein spürbarer Sachwertanteil gehört im aktuellen Marktumfeld in jedes gut gemischte Vermögensportfolio. Da Investitionen in Sachwerte neben Chancen aber auch Risiken in sich bergen, ist eine sorgfältige Auswahl des Investments unerlässlich“, sagt Mitautor Jürgen Raeke, Geschäftsführer der Berenberg Private Capital. Angesichts der aktuellen weltwirtschaftlichen Entwicklungen stellen sich viele Anleger die Frage, wie das eigene Vermögen vor den Risiken geschützt werden kann. „Die Furcht vor Inflation fördert das Interesse an Sachwerten, denen eine Schutzfunktion vor Anstiegen des allgemeinen Preisniveaus zugeschrieben wird“, sagt Jörn Quitzau, Volkswirt bei der Berenberg Bank.

In der strategischen Asset Allocation sollte durch eine möglichst breite Streuung der Anlagen in der Substanz geschützt werden. „Sachwerte bieten hier eine interessante Ergänzung zur Diversifizierung des Gesamtvermögens“, sagt Raeke. Jedes Sachwertsegment weise allerdings spezifische Besonderheiten auf, über die Investoren informiert werden sollten. „Langfristig werden Vermögenspreise durch positiv wirkende fundamentale Faktoren bestimmt. So reflektieren etwa die Immobilienpreise den demografischen Wandel und die allgemeine Einkommensentwicklung. Beide zeigen neue Potenziale auf. Kurzfristig jedoch können Märkte durch Herdenverhalten und durch sich selbst erfüllende Prophezeiungen übertreiben, es können also Preisblasen entstehen“, warnt etwa Thomas Straubhaar, Direktor des HWWI.


Rohstoffe Ein Charakteristikum von Rohstoff-Zyklen liegt in deren extremer Länge - bis 40 Jahren. Industriell genutzte Rohstoffe sind nicht wirklich knapp - es sei lediglich eine Frage des absoluten Preisniveaus, wann und wie die vorhandenen reichhaltigen Ressourcen erschlossen und verfügbar gemacht werden. Ein steigendes Angebot wird zu fallenden Notierungen führen. Rohstoff-Anleger könnten jedoch mit gutem Grund davon ausgehen, dass dieser Zeitpunkt möglicherweise nicht vor dem Ende der laufenden Dekade erreicht werde, vermuten die Experten.

Infrastruktur Der weltweite Bedarf an Infrastrukturinvestitionen ist enorm. „Bereits heute beläuft sich die weltweite Finanzierungslücke auf mindestens eine Billion, eher sogar zwei Billionen US-Dollar pro Jahr. Sie dürfte sich künftig noch weiter ausdehnen. Privat finanzierte und betriebene Infrastruktur gewinnt vor diesem Hintergrund immer stärker an Bedeutung“, sagt Quitzau. Für den langfristig orientierten Privatanleger biete sich Infrastrukturinvestments als Portfoliobeimischung an.

Immobilien Nach einer langen Durststrecke haben die Preise für Immobilien in Deutschland in vielen Regionen zugelegt. Die privaten Anleger investieren in unsicheren Zeiten in „Beton-Gold“. Andere Studien kommen zum Ergebnis, dass die gestiegenen Preise noch kein Anzeichen für eine Blase sind. Neben Direktinvestitionen können Anleger in offene oder geschlossene Immobilienfonds investieren, Immobilien-AGs und REITs sind weitere Investitionsmöglichkeiten. Nach extremen Kursverlusten von 70 – 90 Prozent sind Immobilienaktien in Deutschland kaum noch im Blick der Anleger.

Ackerland und Forstwirtschaft
Die Nachfrage nach Agrarrohstoffen ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Agrarprodukte werden zudem nicht mehr nur als Lebensmittel, sondern auch als Biokraftstoff genutzt. „Waldinvestments haben aufgrund ihres biologischen Wachstums eine andere Ertragsstruktur als Immobilieninvestments“, sagt Raeke. „Bäume wachsen bei Inflation und Deflation. Geschlagen wird dann, wenn die Preise attraktiv sind. Der größte Teil des Ertrages fließt am Ende, wenn die Flächen verkauft werden.“ Zusätzliche Erträge können aus der Verpachtung der Waldflächen entstehen. Einschlägige Indizes belegen, dass die Preise für Ackerland und für Wälder stärker gestiegen sind als Aktienkurse.

Diamanten Auf kleinstem Raum bieten die edelsten aller Steine die größte Komprimierung von Vermögen. Die Geldanlage in Diamanten ist attraktiv. Für die kommenden Jahre gehen Prognosen von einer über das Angebot hinaus steigenden Nachfrage aus. Die Preise sollen demnach steigen.

Kunst Noch ist Kunst ist ein untypischer Sachwert. Ein Kunstwerk ist dann wertvoll, wenn es einzigartig ist. Der Wert wird primär durch den Namen des Künstlers bestimmt. Der Gedanke „Flucht in die Sachwerte“ ist für den modernen Kunsthandel wichtig. Kunst bietet die Möglichkeit, auf wenig Raum viel „Wert“ zu transportieren.

 

Foto: © apttone - Fotolia.com

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