Lebensversicherer: Kosten & Verträge

16.08.2012 | Versicherungen von Matthias Hundt

Solvency II stellt neue Anforderungen an die Branche. procontra analysierte die Bilanzen der Lebensversicherer. Lesen Sie im zweiten Teil der procontra-Serie: Wie rentabel sind die Vertriebe?

Nach der Frage, was es bringt, will der Kunde wissen, was es kostet. Bei der Berechnung der Abschlusskosten- und der Verwaltungskostenquote sieht der GDV folgende Standards vor: Die Abschlusskostenquote setzt die Abschlussaufwendungen ins Verhältnis zur Beitragssumme des Neugeschäfts. Also jener Summe, die der Versicherer über die gesamte Laufzeit der neu abgeschlossenen Verträge erhalten wird. Vereinfacht sagt die Quote aus, wie rentabel der Vertrieb war. Denn die Abschlussaufwendungen bestehen überwiegend aus Provisionen. Den teuersten Vertrieb leisten sich die myLife (vormals Ageas und Fortis) und die Direkte Leben mit 12,3 und 9,7 Prozent.

„Seit April 2011 legen wir unseren Fokus auf Nettotarife. Diese Umstellung ist jedoch nur sukzessive möglich. Die hohe Quote resultiert daher noch aus Geschäftsfeldern, die wir nicht mehr aktiv ausbauen“, gibt Björn Kniza von der myLife einen Erklärungsversuch. Richtig ist, dass die Quote trotz hohem Niveau seit 2009 (23,6 Prozent) stetig sinkt. Fokussiert man sich jedoch auf Nettotarife, so bedeutet dies, dass die Berater mit dem Kunden ein individuelles Honorar aushandeln, was sich nicht in den Abschlussaufwendungen des Versicherers widerspiegelt. Demnach müssten die absoluten Aufwendungen sinken. Das taten sie bei der myLife jedoch nicht, sondern steigerten sich um 15 Prozent. Hier werden die Folgejahren zeigen, wie sehr die Fokussierung gelungen ist.
Der Branchenschnitt der Abschlusskosten lag 2011 bei etwas über 5 Prozent. Einfacher Umkehrschluss: 1 Euro gezahlte Provision brachte den Lebensversicherern im Schnitt 20 Euro an neuer Beitragssumme.

Berechnungsstandards wünschenswert
Die andere Kostenkomponente bildet die Verwaltungskostenquote. Hier sieht der GDV vor, die Verwaltungsaufwendungen ins Verhältnis zu den gebuchten Bruttobeiträgen zu setzen. Folgt man dieser Empfehlung des Verbands, so liegt der Branchenschnitt bei 2,9 Prozent und sank damit im dritten Jahr in Folge. Der Drei-Jahres-Schnitt liegt nun bei 3 Prozent. Bei der Kostenquote sticht das Ergebnis der TARGO Leben ins Auge. 12,4 Prozent wurden nach GDV-Standard ermittelt.

„Die ausgewiesenen Verwaltungskosten werden um die Bestandspflegeprovisionen und Gewinnbeteiligungen bereinigt. Verfährt man so, ergibt sich eine Kostenquote von 1,3 Prozent “, erklärt das Unternehmen. Eine deutliche Abweichung vom Ergebnis nach Verbandsformel. Doch auch anderen Anbietern gelingt eine Kostenquote von unter 2 Prozent, obwohl sie die Bestandspflegeprovisionen nicht herausrechnen. Hier wäre ein einheitliches und verpflichtendes Vorgehen im Sinne der Transparenz wünschenswert. procontra hielt sich bei der Berechnung an die Empfehlung des GDV.

procontra-Bewertung
Wer intern wie extern kosteneffizient agiert, der gelangt schneller in die Gewinnzone und erreicht beim Kunden mehr Relevanz. Das ist in jedem Wirtschaftszweig der Fall. Geringe Stornoquoten beflügeln den Versicherungsbestand. Keinem Versicherer ist es gelungen, sich vom Marktschnitt so weit positiv abzusetzen, dass die Höchstnote 1++ vergeben werden konnte. Cosmos, Hannoversche, HUK-COBURG, WGV, EUROPA sowie die Debeka erzielten bezüglich Kosten- und Stornoquoten die besten Ergebnisse.

Lesen Sie ab dem 21. 8. Teil 3: Die Geschäftsentwicklung der Versicherer: Wie bewegen sich die Bestände?

procontra-Serie:

Teil 1: Erträge der Lebensversicherer - „Netto-4“ fällt.

Teil 3: Geschäftsentwicklung der Versicherer - Wie bewegen sich die Bestände?

Teil 4: Wie finanzstark sind die Versicherer?

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