Ergo-Skandal: Details zur Sex-Party
15.08.2012 | Panorama von Oranus Mahmoodi
Über die Skandalreisen der 100 Vertriebler der Hamburg Mannheimer hat das Handelsblatt am Dienstag Einzelheiten veröffentlicht. Der Tageszeitung lag der Revisionsbericht der Ergo-Versicherung vor. Die besten Vertriebsmitarbeiter der Versicherung haben mit Prostituierten im Gellert-Heilbad in Budapest Sex-Parties gefeiert. In einem internen Ergo-Revisionsbericht sind die Vorgänge in Budapest untersucht worden. Mit von der Partie: 20 Prostituierte und 50 Hostessen.
Der Versicherungskonzern Ergo hat seine Lustreisen-Affäre aufgearbeitet. Die 27 Prüfer der Ergo sichteten zig E-Mails, etwa 100 Personen wurden befragt, Handy- und Spesenrechnungen wurden geprüft. Im Juni 2007 hat die Ergo-Tochter Hamburg-Mannheimer die besten Vertreter als Belohnung nach Budapest eingeladen, 20 Prostituierte und 50 Hostessen inklusive. Die leichten Damen bekamen nach jeder Aktion einen Stempel auf den Unterarm - damit das später mit der Abrechnung funktioniert.
Maßgebliche Personen haben bereits einen neuen Arbeitgeber. Ludger Griese, der die Orgie verantwortete, konnte jahrelang Stillschweigen üben und wurde auch nicht belangt. Die Vorgeschichte: Im November 2006 war die Generalskonferenz der Hamburg Mannheimer begeistert von der Idee einer Incentive-Reise für die fleißigsten Vertriebsmitarbeiter. Anfang 2007 nahm die „Party Total“ - wie die Skandalfeier intern genannt wurde - Konturen an. Drei höhere Angestellte nahmen Kontakt zum Budapester Rotlichtmilieu auf. Bei einer Testreise sollten „ausreichend Mädels“ besorgt werden.
Die Reise wurde zweimal getestet. Die Musikgruppe „Soul Kitchen“ und der Fernsehkoch Stefan Marquard wurden engagiert. Die Anwesenheit von Prostituierten wurde nicht direkt kommuniziert, war im Vorfeld aber in den Fluren des Unternehmens zu vernehmen. 300.000 Euro ließ der Ergo-Konzern für die Party springen. Das Fest begann etwa um 18:00 Uhr mit einem Empfang auf einem Schiff auf der Donau. Sieben Teilnehmer bestätigten, dass an dem Schiff eine Barkasse mit barbusigen Hostessen vorbeigefahren sind, die ein Schild mit der Aufschrift „We love HMI“ hochgehalten haben.
Der HMI-Vertriebsdirektor hatte in seiner Ansprache schon den Verlauf des weiteren Abends angedeutet: Im Gellert-Bad seien Damen anwesend, „mit denen man reden müsse“ (Hostessen) und andere, „mit denen man nicht reden bräuchte“ (Prostituierte). Der Unterschied zwischen den zwei Arten von Frauen seien anhand von farblichen Armgelenk-Bändchen zu erkennen. Bei dieser Ansprache habe der Vertriebsdirektor die Kennzeichnung der Prostituierten und Hostessen verwechselt, was später für Verwirrung sorgte.
Die Party-Teilnehmer konnten den gesamten Abend über Stretch-Limousinen für den Transfer in ihr Hotel nutzen. Sex sei auch im Hotel möglich gewesen. Nach der Lustreise stand folgender Bericht in der Mitarbeiterzeitung „HMI Profil“. „Sachen gibt's, die gibt's gar nicht. Oder aber, sie sind so abgefahren, so sagenhaft und unbeschreiblich, dass es sie beinahe gar nicht geben dürfte. Aber seien Sie sicher - es gibt sie eben doch. Und zwar nur hier! Hier in der HMI! ... Nass sollte es werden. In allen erdenklichen Lebens- und Lachlagen! Ob im Pool, im Bad, innerlich mit jeder Menge Drinks oder nur in den schönsten Träumen - wer diesmal seine Badehose vergessen hatte, der hatte selbst Schuld. Es gab wohl nur zwei Möglichkeiten, diese Scharte wieder auszuwetzen: eine neue kaufen oder einfach drauf verzichten! ...
Aus welchem Blickwinkel auch immer man diese Mega-Fete betrachtete, ein Mordsspaß war es auf alle Fälle. Jedenfalls haben wir bis zu diesem Zeitpunkt noch niemanden gefunden, der dabei war und nicht sofort wieder loslegen möchte“.
Diese Vorgänge, die später von der Konzernrevision 2011 als „schwerwiegend“, als „eklatante Verstöße“ und „krasser Gegensatz zu den Wertvorstellungen des Ergo-Konzerns“ bezeichnet wurden, führten zu keinerlei disziplinarischen Maßnahmen. Die Konzernrevision urteilte bloß: „Dass diesen Hinweisen nicht unmittelbar und konsequent nachgegangen wurde, insbesondere durch Beauftragung der Konzernrevision, ist rückblickend als Fehler zu bewerten.“.
Auf der Hauptversammlung des Ergo-Mutterkonzerns Munich Re in 2011 fragte der Aktionärsvertreter Leonhard Knoll: „Ist es richtig, dass Top-Vertriebsleute der Hamburg-Mannheimer auf einer Veranstaltung in Budapest 2007 wie Aufsichtsräte von VW versorgt wurden, und zwar mit ,fringe benefits' im rosaroten Bereich?“ Der Aufsichtsratchef der HMI antwortete: „Es ist richtig, dass es vor einigen Jahren eine Incentive-Wettbewerbsreise von Versicherungsvertretern nach Budapest gegeben hat. Nach unseren Recherchen konnte nicht ausgeschlossen werden, dass es hier auch gewisse Exzesse gegeben hat. Die verantwortlichen Führungskräfte sind nicht mehr in der Ergo tätig.“
Fotocredit: Igor Mojzes - Fotolia.com













Kommentare