Deutsche fürchten Klimawandel nicht

Versicherungen von Oranus Mahmoodi

Die Deutschen fühlen sich sicher. Nur jeder Zehnte glaubt, dass sein Zuhause durch Naturgefahren beschädigt werden könnte. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat den zehnjährigen Jahrestag des Elbhochwassers zum Anlass genommen, um die Bevölkerung zu ihrem Risikobewußtsein zu befragen. Zudem haben die Bundesländer Bayern, Niedersachsen und Sachsen eine Informationskampagne gestartet, in Kooperation mit den Verbraucherschützern und der Versicherungswirtschaft.

Knapp 90 Prozent der Deutschen sehen kein Risiko, dass ihr eigenes Zuhause durch Naturgefahren beschädigt wird. Etwa 50 Prozent der Menschen glaubt zudem, dass sie im Schadenfall mit finanzieller Unterstützung durch Bund, Land oder Kommune rechnen könnten. Das ergab eine Umfrage von forsa, die im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) durchgeführt wurde.

Klimaforscher sind sich darüber einig, dass extreme Wetterereignisse zunehmen werden. Zu diesem Ergebnis kommt auch die Klimastudie, die der GDV gemeinsam mit führenden Klimaexperten veröffentlicht hat. „Auch in Deutschland macht sich der weltweite Klimawandel bemerkbar. Immer häufiger werden Häuser überschwemmt, die abseits großer Flüsse liegen“, erklärt Jörg von Fürstenwerth, Vorsitzender der GDV-Hauptgeschäftsführung. „Die Klimastudie zeigt, dass extreme Wetterlagen mit sehr starken Niederschlägen in Zukunft vermehrt auftreten, und zwar in jeder Region Deutschlands.“

Das Elbhochwasser war in seinen Schadenausmaßen ein Jahrhundertereignis. Allein mit versicherten Schäden in Höhe von 1,8 Milliarden Euro führt es 2012 noch immer die Schadenstatistik der deutschen Sachversicherer an. Künftig könnten solche extremen Hochwasser wie das Elbhochwasser alle 25 Jahre wiederkehren. „Vor den finanziellen Folgen von Naturgefahren schützt die Elementarschadenversicherung, in Deutschland sind nur 30 Prozent der Hausbesitzer damit versichert“, sagt Kathrin Jarosch, eine Sprecherin des GDV, gegenüber procontra online.

Die Mehrheit der Bürger (63 Prozent) glaube, dass die meisten Häuser nicht gegen Naturgefahren versicherbar seien. Fast die Hälfte der Befragten sei überzeugt, bei Schäden durch Naturgefahren in jedem Fall mit finanzieller Unterstützung durch Bund, Land oder Kommune rechnen zu können, heißt es bei der GDV. In Bayern, Sachsen oder Niedersachsen, gibt es finanzielle Hilfen seitens des Staates nur noch im Ausnahmefall. Mit einer Informationskampagne möchte der GDV, gemeinsam mit Politik und Verbraucherschutz individuelle Präventionsmaßnahmen aufzeigen.

Unter www.zuers-public.de können sich Verbraucher das lokale Naturgefahrenrisiko anzeigen lassen (siehe Bild). Zuers Public ist ein Pilotprojekt der Versicherungswirtschaft und dem Freistaat Sachsen. Es soll den Menschen das Naturgefahrenrisiko bewusst machen und sie dazu motivieren, ihr individuelles Risiko zu minimieren und abzusichern.

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