Weltwirtschaft schwächelt
18.07.2012 | Investmentfonds von procontra online
Die Weltwirtschaft begibt sich weiter auf Talfahrt, zu diesem Schluss kommt Léon Cornelissen, Chefvolkswirt der Robeco Gruppe. In seinem aktuellen Halbjahresausblick für den Finanzmarkt geht er jedoch nicht von einer globalen Rezession aus. Im vierten Quartal könnte es wieder aufwärts gehen.
Gute Perspektiven sieht Robeco für Schwellenländeranleihen in lokalen Währungen. „Wir erwarten, dass die Weltwirtschaft erst im vierten Quartal 2012 wieder stärker wächst. Zuvor dürfte sich das globale Wachstum im dritten Quartal 2012 jedoch weiter abschwächen“, so Léon Cornelissen. Der sinkende Ölpreis verringere seiner Ansicht nach den Inflationsdruck und ebne den Weg für weitere geldpolitische Stimulierungsmaßnahmen. In diesem Szenario bestehe Grund zu der Annahme, dass das inflationsbereinigte, reale Einkommen in den Industrienationen steigen könnte.
„Was die europäische Schuldenkrise betrifft, spielen Europas Politiker weiter auf Zeit. Das verringert – wenigstens vorübergehend – die Spannungen in der Eurozone“, so Cornelissen. Auch in den Schwellenländern sieht der Robeco-Experte Anzeichen für eine weitere Abkühlung des Wachstums. „Die chinesische Wirtschaft leidet unter sinkenden Exporten als Folge der eskalierenden europäischen Schuldenkrise“, sagt Cornelissen. „Aber auch die chinesische Wirtschaftspolitik hat dazu beigetragen, dass sich der Export abgeschwächt hat. China ist bestrebt den Wohnungsmarkt in den Griff zu bekommen und will Überkapazitäten in bestimmten Sektoren abbauen, wie zum Beispiel in der Stahlindustrie.“ Auch Indien habe im ersten Quartal 2012 einen deutlichen Rückgang des Wirtschaftswachstums auf 5,6 Prozent hinnehmen müssen, was für indische Verhältnisse ein sehr niedriges Niveau isei. Die brasilianische Regierung werde weiterhin gemeinsam mit der brasilianischen Notenbank eine sehr aktive Rolle in der Wirtschaftspolitik spielen. „Für die russische Wirtschaft ist der sinkende Ölpreis eine schlechte Nachricht, die zuvor durch die Erhöhung der Staatsausgaben vor den Wahlen im März einen Schub erfahren hatte. Jetzt ist das Wachstum rückläufig“, meint Cornelissen.
Schwellenländeranleihen in lokalen Währungen attraktiv
„Im Hinblick auf Anleihen sind wir für Schwellenländeranleihen optimistischer als für Staatsanleihen aus den Industrienationen“, resümiert Cornelissen. Schwellenländer zeichneten sich – im Vergleich zu Industrienationen – durch eine weiterhin wesentlich geringere Staatsverschuldung und durch niedrigere
Haushaltsdefizite aus. „Unser langfristiger Ausblick für Schwellenländerwährungen ist positiv. Derzeit bieten Schwellenländeranleihen, die in Lokalwährungen notiert sind, durchschnittlich 6,1 Prozent Rendite, was im Vergleich zu Staatsanleihen aus den Industrieländern attraktiv ist. Allerdings bevorzugen wir jedoch weiterhin Investment-Grade-Credits vor Schwellenländer-Anleihen, da diese ein besseres Risiko-Rendite-Verhältnis aufweisen.“Bei Aktien zögert Cornelissen jeodch, seine negative Einschätzung in Bezug auf Finanz-Titel anzupassen. „Außerhalb des Finanzsektors präferieren wir weiterhin ausgewählte zyklische Sektoren, IT-Aktien und Verbrauchsgüter. Bis vor kurzem haben sich diese Sektoren besser entwickelt als der Gesamtmarkt und die Revision der Gewinnerwartungen liegt immer noch über dem Marktdurchschnitt. Allerdings erfordern die aktuellen wirtschaftlichen Bedingungen einen zurückhaltenderen Ansatz“, so der Volkswirt.













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