Länder schielen auf den Kapitalmarkt

31.07.2012 | Panorama von Gloria Ballhause

Die Bundesländer finanzieren sich zunehmend über Anleihen. Damit nehmen sie zur eigenen Finanzierung immer mehr den Kapitalmarkt ins Visier. Die geplanten Deutschlandbonds werden diesen Trend verstärken.

Der klassische Bankkredit hat ausgedient. Die Bundesländer setzen verstärkt auf die Ausgabe von Anleihen. Wie das Beratungsunternehmen Steria Mummert Consulting in Zusammenarbeit mit dem F.A.Z.-Institut in einer Umfrage herausfand, suchen sich die Länder Finanzierungsalternativen auf dem Kapitalmarkt, um ihre steigenden Ausgaben zu schultern. Laut Studie sind die Länder derzeit mit 300 Milliarden Euro am Kapitalmarkt verschuldet. Durchschnittlich 50 Prozent des Schuldenbestands der Länder entfallen demnach auf Anleihen. Spitzenreiter ist Hessen: Nur noch 30 Prozent der hessischen Landesschulden basieren auf Bankkrediten. Und das nicht immer freiwillig.

Banken halten Länder an der kurzen Leine

Denn aktuell sind die Banken äußerst vorsichtig, was die Vergabe von Krediten an klamme Bundesländer betrifft. Die Eurokrise hat ihren Anteil daran wie auch die verschärften Anforderungen an das Eigenkapital, das Banken für ihre Geschäfte vorhalten müssen. So habe etwa die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ein Limit eingeführt, bis zu dem sich die Länder Geld leihen können. Mehr als 750 Euro pro Kopf der Bevölkerung sind laut Studie nicht drin.
Zudem schielen die Länder nach den deutlich günstigeren Zinskonditionen auf dem Anleihemarkt. „Bundesländer konkurrieren mit Unternehmen und Privatpersonen, die oftmals mehr Zinsen zahlen“, erklärt Peter Krolle, Finanzexperte bei Steria Mummert Consulting, diese Entwicklung. Einzelne Ländern müssen zwar Risikoaufschläge für ihre Anleihen in Kauf nehmen. So zahle das hochverschuldete Berlin 0,8 Prozentpunkte höhere Zinsen als der Bund. Andere Bündesländer zahlten dagegen weniger Aufschlag und könnten so ihre Haushalte günstig finanzieren.  

Deutschlandbonds sollen kommen


Mit den geplanten Deutschlandbonds wird sich dieser Trend zur Finanzierung auf den Kapitalmärkten noch verstärken. Denn was auf europäischer Ebene von der deutschen Regierung abgelehnt wird, ist bald innerhalb Deutschlands möglich: Angela Merkel hatte im Zuge der Abstimmung zum Fiskalpakt ihre ablehnende Haltung gegenüber Deutschlandbonds fallen gelassen. Ab 2013 plant der Bund, gemeinsame Anleihen mit den Bundesländer aufzunehmen. Geteiltes Risiko führt zu niedrigeren Zinsen für alle Bundesländer, nicht nur für die hoch verschuldeten. „Die Länder sollten sich nicht auf niedrige Zinsen verlassen, sondern aktiv ihre Neuverschuldung eindämmen“, betont Finanzexperte Krolle jedoch.

Fotocredit: © Dan Race - Fotolia.com

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