Libor-Skandal zieht um die Welt

18.07.2012 | Investmentfonds von Oranus Mahmoodi

Weltweit laufen Ermittlungen gegen Großbanken. Den Instituten drohen milliardenschwere Strafen und Schadenersatz-Forderungen. Nach der Skandal-Bank Barclays stehen nun die US-Banken unter Generalverdacht. Derweil leidet das Ansehen der Finanzbranche mehr als zuvor.

Die Manipulationen des Interbankenzins Libor durch die Großbanken lässt das Vertrauen in die Branche zusammenbrechen. Die Schwindelei beim Libor hat weitreichende Folgen, zumal der Leitzins bestimmt, zu welchen Konditionen sich Banken untereinander Geld leihen. Er basiert auf Daten der Großbanken. Der Libor dient als Referenz für Kredite und weitere Finanztransaktionen in einem Volumen von 360 Billionen Dollar. Der Interbankensatz wird jeden Morgen um elf Uhr in London festgelegt. Die Großbanken schätzen, wie viel es sie kostet, sich Geld von anderen Instituten zu leihen. Der Branchenverband British Bankers' Association errechnet einen Durchschnitt. Das Ergebnis ist die Basis für Zinsen auf Kredite und Derivate.

Nach den europäischen Banken weitet sich der Skandal auf US-Banken aus. Manipulationen auf Befehl, Verstrickungen der britischen Zentralbank und der Regierung - selten wurde so viel Dreckwäsche in die Öffentlichkeit gebracht. Zunächst versuchte die britische Bank Barclays, die Beteiligung ihrer Manager am Betrugsskandal zu verschleiern. Barclays-Unterhändler wollten verheimlichen, dass Chief Executive Robert Diamond und Chief Operating Officer Jerry del Missier in den Betrug verstrickt sind.

Nachdem ihre Beteiligung an den Betrug offengelegt waren, traten zuerst Chairman Marcus Agius und dann Diamond und del Missier zurück. Barclays ist aber nur ein von mindestens 16 Banken, gegen die global wegen versuchter Zinsmanipulationen ermittelt wird. Die Zinsmanipulationen wurden auf mehrere Arten vorgenommen: die Banken haben die Höhe der schießenden Kreditkosten getürkt. Zudem profitierten Händler bei Barclays und anderswo vom Auf und Ab des Libors. Die Ermittlungen zum Libor wurden schon 2008 eingeleitet.

Inzwischen braut sich auch in den USA ein Schlechtwetter zusammen. Die Strafrechtsabteilung im US-Justizministerium bereitet bis September Klagen gegen mehrere Banken und deren Beschäftigte vor. Am Freitag will die New Yorker Federal Reserve neue Dokumente veröffentlichen. Der Zinsskandal schadet dem angeschlagenen Image der Branche.

Von der Normalbevölkerung abgesehen, halten selbst ein Viertel der Banker unmoralische oder illegale Praktiken für notwendig, um erfolgreich zu sein. Das ergab eine Umfrage der Kanzlei Labaton Sucharow. 16 Prozent der Banker würden eine Straftat begehen, wenn sie ungeschoren davon kommen können. Zudem wusste jeder Vierte von Regelverstößen in der eigenen Bank.

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