Große Probleme in Indien und Spanien

27.07.2012 | Investmentfonds von procontra online

Die Kreditrisiken von Staaten steigen. Im anhaltenden Finanzchaos sind laut dem BlackRock Sovereign Risk Index (BSRI) Malaysia und Südafrika die größten Gewinner. Indonesien, China, Mexiko und Österreich verlieren im Ranking ihre Stellung. Am stärksten verschlechterten sich jedoch die Profile von Indien und Spanien.

Die Schuldenprofile von Indien und Spanien haben sich aufgrund der erhöhten Staatsverschuldung und schwächer ausgefallenen Wirtschaftsprognosen markant verschlechtert. Die Länder behielten ihre Ränge 39 und 40 im hinteren Fünftel des BSRI-Rankings, rückten aber näher an Argentinien heran. Indien wird konfrontiert mit nachlassendem Wachstum, klaffenden Haushaltsdefiziten und Kapitalflucht. Die Kombination dieser Faktoren wirkte sich negativ auf Indiens BSRI-Profil aus: Besonders die Hauptkategorie „Fiskalischer Spielraum“ litt unter gestiegenen Staatsschulden, eingeschränktem Zugang zu den Kapitalmärkten und niedrigen Wachstumsprognosen. Damit setzt Indien seine stetige Verschlechterung seit dem vierten Quartal 2011 fort.
Auch Spaniens Schuldenprofil hat Schlagseite bekommen. Gestiegene Schulden und niedrige Wachstumsprognosen beeinträchtigten Spaniens Wertung bei der Hauptkategorie „Fiskalischer Spielraum“. Stark gefallen ist auch die Hauptkategorie Gesundheit des Finanzsektors nach der Bekanntgabe, dass zahlreiche spanische Banken weitere Kapitalspritzen benötigen im Kampf gegen faule Immobilienkredite. Spaniens schwacher Bankensektor ist die Achillesferse der Eurozone. Das haben die europäischen Regierungen beim EU-Gipfel im Juni erkannt und ihre Zustimmung zu einer Rekapitalisierung spanischer Banken erteilt.

Zwei Länder legen um jeweils drei Ränge zu

Malaysia ist um drei Ränge auf Rang 16 vorgerückt. Dies ist die größte Bewegung im BSRI nach oben in diesem Quartal. Der asiatische Tigerstaat konnte den Schwung über den Jahreswechsel mitnehmen, als das Bruttoinlandsprodukt überraschend stark anstieg. Zwar entwickelten sich die Nettoexporte nur mäßig, aber Malaysia profitierte vom starken Privatkonsum und dem Anstieg der Investitionen. Eine niedrigere kurzfristige Verschuldung und eine komfortablere Lage, seine Schulden zu bedienen, verbesserten zudem Malaysias finanzpolitischen Spielraum. Ebenfalls um drei Ränge aufgestiegen ist Südafrika. Rang 32 verdankt das Land stärker gestiegenen Wachstumsprognosen und dem erfolgreichen Abbau externer Schulden. Frankreich kletterte um zwei Ränge nach oben auf Rang 25. Eine stärker wahrgenommene Regierungsstabilität nach der Wahl des Präsidenten Fran?ois Hollande und eine strengere Haushaltsdisziplin sorgten für die Aufwertung.

Indonesien verliert die meisten Ränge


Indonesien war mit dem Abstieg um fünf Ränge auf Rang 33 der größte Verlierer. Indonesiens Abstieg ist mehreren Faktoren geschuldet: Gestiegene kurzfristige Schulden, eine wahrgenommene Verschlechterung des Investitionsklimas und ein gesunkenes Verhältnis von Eigenkapital zu Vermögenswerten. Indonesiens Exportwirtschaft brummt, aber um das hartnäckige Leistungsbilanzdefizit auszugleichen, sind Kapitalzuflüsse erforderlich. Obergrenzen für ausländische Investitionen und Rohstoffexporte könnten dies erschweren. Weitere Absteiger waren Österreich (minus zwei Ränge auf Rang 18) und China, das ebenfalls zwei Ränge verlor und nun auf Rang 20 notiert. Obwohl sich Mexikos Gesamtschuldenstand leicht verbesserte, verlor das Land im BSRI-Ranking dennoch zwei Ränge. Rang 35 ist vor allem durch die Bewegungen anderer Länder zustande gekommen.

Der BSRI verwendet mehr als 30 quantitative Kennzahlen und ergänzt sie um qualitative Erkenntnisse dritter Parteien. Der Index analysiert die Daten entlang von vier Hauptkategorien, die alle in die Berechnung der BSRI-Punktezahl und des BSRI-Ranges eines Landes einfließen: Fiskalischer Spielraum (40%), Zahlungsbereitschaft (30%), externe Finanzierung (20%) und Gesundheit des Finanzsektors (10%). Fiskalischer Spielraum beinhaltet Kennzahlen wie das Verhältnis des Schuldenstands zum BIP, die Fälligkeitsstruktur der Schulden, Steuereinnahmen und Abhängigkeitsquotienten. Zahlungsbereitschaft misst die wahrgenommene Effektivität und Stabilität einer Regierung sowie Faktoren wie Korruption. Externe Finanzierung beinhaltet die Belastung durch Schulden in ausländischen Währungen und den gegenwärtigen Kontostand. Gesundheit des Finanzsektors schätzt die Stärke des Bankensystems.

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