Flieg nicht so hoch, mein großer Vogel

10.07.2012 | Beteiligungen & Sachwerte von Robert Krüger-Kassissa

Neue technische Mängelmeldungen beim Prestigeobjekt Airbus A380 verunsichern einige Anleger, wie Internetforen zeigen. Für die laufenden Fonds gibt es keine negativen Auswirkungen. Aber die Stunde der Wahrheit kommt noch – abgerechnet wird bekanntlich am Schluss.

Immer wenn irgendwo auf der Welt irgendetwas mit dem Airbus A380 passiert, ist das mediale Interesse groß. So auch, als kürzlich die Fluggesellschaften Emirates und Quantas Haarrisse in den Tragflächen des Riesenvogels gemeldet haben. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit ordnete als Konsequenz an, alle bisher 73 ausgelieferten Flugzeuge einem außerplan-
mäßigen Sicherheitscheck zu unterziehen. Emirates hat wegen der Ausfallzeiten (Umsatzausfälle bis zu 90 Millionen Euro) bereits mit Schadensersatzforderungen gegen Airbus gedroht. Airbus hat prompt reagiert und angekündigt, die Produktion der Flügel umzustellen, so dass Ende 2013 die überarbeiteten Modelle auf den Markt kommen. Doch es könnte für die Airbus-Muttergesellschaft EADS teuer werden. Wie teuer, ist noch ungewiss; fest steht, dass in der EADS-Bilanz 105 Millionen Euro für Leistungen aus der Herstellergarantie zurückgestellt sind. Neben den Haarrissen in den Klammern der Tragflächen, verursacht durch Materialfehler, waren es vorrangig die Triebwerke, die Airbus zuvor zu schaffen machten.

Im November 2010 musste beispielsweise ein Airbus der Quantas wegen eines in der Luft explodierten Triebwerks in Singapur notlanden. Im vergangenen März musste Singapore Airlines einen Flug nach Frankfurt ebenfalls wegen Triebwerksproblemen (Hersteller: Rolls-Royce) abbrechen und nach Singapur zurückkehren. Solche Meldungen verunsichern einige Anleger. „Die aktuellen Probleme sind nichts Untypisches für neue Flugzeuge. Das mediale Interesse basiert ja gerade auf der Kundenbeliebtheit des A380“, relativiert Matthias Böhm, Geschäftsleiter Vertrieb von Doric Asset Finance. „Nüchtern betrachtet sind technische Probleme normale Routine in der Luftfahrt, weshalb die Europäische Agentur für Flugsicherheit beispielsweise beim A320 rund 300 sogenannte Lufttüchtigkeitsanweisungen ausgegeben hat, während es bei dem A380 bisher gerade mal 34 gewesen sind“, erläutert Michael Arndt, Generalbevollmächtigter Vertrieb bei Lloyd Fonds.

Eine Lufttüchtigkeitsanweisung enthält eine Liste mit durchzuführenden Maßnahmen, wenn sich nach Zulassung eines Luftfahrtgeräts dessen Mangelhaftigkeit herausstellt. Für Anleger in laufenden A380-Fonds gibt es jedoch, Stand heute, keine negativen Auswirkungen. „Die Thematik hat weder Einfluss auf die Flugsicherheit der A380-Flugzeuge noch auf die wirtschaftliche Entwicklung der Fonds. Instandsetzungs- oder Modifikationskosten beziehungsweise entstehende Ausfallzeiten werden entweder von der Airline – durch die Leasingverträge – oder von Airbus – durch die Hersteller-Garantie – getragen“, sagt Jürgen Salamon, Geschäftsführender Gesellschafter der  Dr. Peters Group. Ebenso ist eine vorzeitige Beendigung des Leasingvertrags durch den Leasingnehmer nicht möglich.

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