Ein wenig mehr Kaufkraft
27.07.2012 | Panorama
Für eine Stunde Arbeit bekommen Bundesbürger netto 45 Prozent mehr Lohn als im Jahr 1991. Das hört sich gut an. Durch den Preisanstieg im gleichen Zeitraum halten sich die Nettolohnzuwächse jedoch in Grenzen.
Vom Nettolohnzuwachs für eine Arbeitsstunde bleibt den Arbeitnehmern nicht viel übrig. Die Ökonomen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) errechneten die Kaufkraftentwicklung der vergangenen 20 Jahre. Demnach verdienten die Deutschen im Jahr 2011 durchschnittlich 15,20 Euro netto in der Stunde. Zwanzig Jahre zuvor waren es 10,50 Euro. Allerdings ging die Preisentwicklung ebenso kräftig nach oben. Laut IW stiegen die Preise um 43 Prozent. Immerhin könnten sich die Bundesbürger mit ihrem Verdienst vergleichbar viele Waren leisten als noch vor 20 Jahren, heißt es aus dem Institut. „In den Jahrzehnten vor 1991 gab es einen kräftigeren Anstieg der Kaufkraft. In den fünfziger, sechziger Jahren lag die Kaufkraft aber auch bei einem sehr niedrigen Niveau“, erklärt Christoph Schröder, Leiter der Studie.
Das deckt sich mit den Empfindungen vieler Bürger. Die gefühlte Inflation liege meist über der tatsächlichen, sagt IW-Ökonom Schröder. „Das liegt daran, dass Preiserhöhungen stärker wahrgenommen werden als Preissenkungen“, erklärt der Ökonom. Immerhin stellte sich bei den Berechnungen des Instituts heraus, dass die Preisanstiege nicht gleich verteilt sind. Wer sich von Bier ernährt, muss heute wie damals insgesamt drei Minuten arbeiten. Das Schweinekotelett ist günstiger geworden. Statt 36 Minuten genügen jetzt 30 Minuten Arbeit für ein Kotelette. Auch die Preise für Textilien und Schuhe sind weniger gestiegen als der Rest des täglichen Bedarfs. Mit dem Benzinpreis konnten die Löhne jedoch nicht Schritt halten. Laut Studie muss für eine einzelne Tankfüllung fast zwei Stunden länger gearbeitet werden als noch Anfang der 1990er Jahre. Die Ökonomen sehen aber eine postive Entwicklung für die Zukunft. „Die Arbeitslosigkeit hat sich deutlich reduziert. Auch in Hinblick auf den Fachkräftemangel gehen wir davon aus, dass die Einkommen mittelfristig stärker steigen werden“, meint Schröder.
Die Kaufkraftentwicklung ist jedoch nicht nur davon abhängig, wie viel die Menschen in ihren Warenkorb legen können. Auch das Was spielt eine Rolle: „Produkte verändern sich. Heute ist in einem Mittelklassewagen mehr enthalten als noch vor zwei Jahrzehnten“, sagt IW-Ökonom Schröder. Leistungsfähigere Geräte führten auch zu einem Wohlstandszuwachs.
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