Chung: „Mittelfristig gute Chance auf Kursgewinne“

17.07.2012 | Investmentfonds von Francis Chung

Aufgrund des Schuldenabbaus in Europa und den USA verlangsamt sich das Wirtschaftswachstum in Asien weiter. Francis Chung, Produktspezialist bei HSBC Global Asset Management, bewertet in seinem aktuellen Marktkommentar die Entwicklungen auf dem asiatischen Markt.

Die Regierungen der Region greifen erwartungsgemäß ein und kurbeln die Konjunktur durch eine lockerere Geldpolitik und höhere Ausgaben an. China treibt neben der Leitzinssenkung seine Infrastrukturprojekte voran und legt neue Subventionsprogramme auf, damit die Verbraucherausgaben steigen. Diese Maßnahmen sollten in den kommenden Monaten Früchte tragen und dürften zu einer moderaten Konjunkturerholung führen - mit vorteilhaften Wirkungen für die Berichtsregion. Zusammengenommen bleiben die Bewertungen in der Region Asien ohne Japan deutlich unter ihren langfristigen Durchschnittswerten. Nimmt man die politischen Unterstützungsmaßnahmen hinzu, ergibt sich mittelfristig eine gute Chance auf Kursgewinne.
Auf kurze Sicht dürfte allerdings die Investorenstimmung weiter schwanken und die Volatilität an den asiatischen Aktienmärkten fortbestehen. Die Gründe dafür liegen in der Schuldensaga der Eurozone sowie in den Wirtschaftsdaten, die ein gemischtes Bild ergeben. Wir schätzen weiterhin jene Sektoren, die durch die überzogen negative Investorenstimmung Kursverluste erlitten haben und in dieser Hinsicht das größte Potenzial bieten. Das führt zu einer Übergewichtung in den Bereichen Nichtbasiskonsum, Energie und Grundstoffe. Diese drei Sektoren sollten von jeglicher Konjunkturerholung in der Region profitieren. Wir bleiben untergewichtet bei Versorger- und Basiskonsumtiteln, die relativ überbewertet sind, weil sich die Anleger in sichere Werte geflüchtet haben. Auf Länderebene übergewichten wir China, Südkorea und Thailand. Taiwan bildet unsere größte untergewichtete Position.

Ausblick China
Einige Investoren werten die Maßnahmen der Notenbank sicherlich als demonstrative Geste dafür, dass die Regierung entschlossen ist, das Wirtschaftswachstum zu stimulieren. Im Ergebnis wird sich dies positiv auf zinssensible Sektoren wie Immobilien und Baustoffe auswirken. Die zunehmenden Anzeichen für gelockerte Kreditkontrollen dürften der Wirtschaft zudem kurzfristig weiteren Schub geben. Die Struktur der neu vergebenen Kredite zeigt jedoch, dass der Anteil an langfristigen Darlehen im historischen Vergleich immer noch relativ niedrig ist. Wir erwarten für das zweite Halbjahr 2012 eine schrittweise Erholung der Investitionstätigkeit. Die Unternehmensgewinne, vor allem in zyklischen Sektoren und im Energiebereich, könnten weiterhin mit negativen Überraschungen aufwarten.

Ausblick Indien
Wir erwarten, dass sich die Inflationsrate weiter in der Spanne von sechs bis acht Prozent hält, nachdem sie 2011 meist bei rund zehn Prozent gelegen hatte. Die Ölpreise fallen weltweit – so auch in Indien, trotz der schwachen Rupie. Da auch die Goldimporte deutlich gesunken sind, nimmt der Druck auf die Rupie ab. Beide Entwicklungen werden unserer Einschätzung nach auch die Leistungsbilanz entlasten und das Defizit von 4,2 Prozent im Haushaltsjahr 2012 auf rund drei Prozent senken. Unserer Meinung nach könnte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Q2 insgesamt schwach ausfallen – sich aber in der zweiten Hälfte des Haushaltsjahres durch Zuwachsraten von sieben Prozent erholen. Der deutliche Konjunkturrückgang und der teilweise abnehmende  Inflationsdruck dürften den Weg für weitere Leitzinssenkungen in diesem Quartal bereiten. Die Entwicklung der Monsunregen spielt eine wichtige Rolle für die ländliche Nachfrage. Dies dürfte einen größeren Einfluss auf Basiskonsumtitel haben, deren Bewertung hoch ist. In ihren Kursen sind sowohl Wachstumserwartungen als auch der defensiven Charakter der Aktien eingepreist. Wirtschaft und Märkte sind abhängig von der Klarheit über die Investitionstätigkeit und die künftigen Maßnahmen der Regierung. Eine stärkere Transparenz von Infrastrukturprojekten wie dem Industriekorridor Delhi-Mumbai würde die wirtschaftliche Stimmung verbessern – ebenso wie die Wachstumsaussichten.

Ausblick Südkorea

Trotz der anhaltenden Probleme in der Eurozone und der Ungewissheit im Markt hat der KOSPI Index in der ersten Jahreshälfte eine positive Kursentwicklung geschafft. Mit dem Ausblick auf die zweite Jahreshälfte betrachten wir einige Faktoren näher: Intern dürfte die koreanische Notenbank
angesichts einer günstigeren Inflationsentwicklung im dritten Quartal 2012 die Leitzinsen senken. Dies sollte den heimischen Nichtbasiskonsumwerten Auftrieb geben, die sich im bisherigen Jahresverlauf schwach entwickelt hatten. Extern wird der Investmentfokus mehr auf Exportwerten mit Chinabezug liegen. Denn die chinesische Wirtschaft dürfte dank Kreditlockerung und moderater
Konjunkturprogramme im dritten Quartal die Talsohle wieder verlassen. Im gesamten Jahr 2012 dürften die Unternehmen im KOSPI Index wahrscheinlich die Unternehmensgewinne im unteren und die Eigenkapitalrendite im mittleren Zehnerbereich steigern. Für eine deutliche Neubewertung des Marktes ist allerdings kein treibender Faktor in Sicht.

Ausblick Thailand

Die thailändische Aktienstory verzeichnet eine anhaltend gute Erholung. Und diese Story bleibt trotz jüngster Schwächephasen stark. Ungeachtet der weltweiten Risiken erwarten wir, dass sich der Markt in nächster Zeit weiterhin positiv entwickelt. Die nachlassende Inflation dürfte zu günstigen geldpolitischen Rahmenbedingungen führen. Die Pheu-Thai-Partei hat höhere Löhne und Unterstützung für die Landwirtschaft versprochen. Dies wird den Konsum antreiben und dazu beitragen, dass der Aufwärtstrend des Aktienmarktes in den nächsten Monaten anhält. Daneben besteht allerdings die Frage, ob die Reformen auch umgesetzt werden. Wir werden diesen Aspekt weiterhin genau verfolgen. Wir ziehen heimische Titel, die von der staatlich angefachten Binnennachfrage profitieren, konjunkturanfälligen Exportwerten vor. Wir bevorzugen kleinere Immobilienentwickler, die von der anhaltenden Nachfrage auf dem Immobilienmarkt profitieren. Die Liquidität bleibt hoch, da die thailändischen Fonds im Inland investieren und den Kleinanlegern Anlagealternativen fehlen.

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