Aigner: Provisionsoffenlegung dauert zu lang

09.07.2012 | Versicherungen von Gloria Ballhause

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner mäkelt am Entwurf ihres EU-Kollegen herum. Die neue Vermittlerrichtlinie geht ihr nicht weit genug.

Am vergangenen Dienstag legte EU-Kommissar Michel Barnier die überarbeitete Vermittlerrichtlinie (IMD2) vor, schon kommt Kritik von seiner deutschen Kollegin. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner stößt sich an den Übergangsfristen für die Offenlegung von Provisionen. „Überraschend sind die langen Übergangsfristen von fünf Jahren für die Provisionsoffenlegung aller Produkte, die keine Lebensversicherungen sind“, sagte sie in einem Interview der „Welt am Sonntag“.

Barniers Entwurf sieht vor, dass ab 2014 bei dem Verkauf von Lebensversicherungen die Provisionen ungefragt ausgewiesen werden müssen. Nach einer Übergangszeit von fünf Jahren soll dies auch für alle anderen Versicherungspolicen gelten. Aigner dauert das offenbar zu lang. Sie fordert stattdessen schneller Offenheit bei der Vergütung der Vermittler. Nach ihrer Rechnung würden transparente Provisionen die Kundenberatung verbessern. Diese sei immer noch zu sehr an den Provisionen ausgerichtet, bemängelt Aigner in dem Interview. Die Ministerin kritisiert zudem die Vorgaben, unter denen die Vermittler beraten würden. „Aus den Chefetagen gibt es weiterhin viel zu viel Vertriebsdruck“, sagte sie der Zeitung.

Michel Barniers Neuentwurf ersetzt die 2002 eingeführte Versicherungsvermittlerrichtlinie (Insurance Mediation Directive - IMD). Über den nun vorgelegten Gesetzentwurf müssen Europäischer Rat und Europäisches Parlament noch abstimmen.

Fotocredit: Ilse Aigner
 


Kommentare

Bernhard Fox , 12-07-12 18:24:
Tja, was Hänschen nicht lernt, lernt Aigner nimmermehr ! Frau Aigner, legen Sie Ihren Gehaltszettel mit sämtlichen Nebeneinkünften, Spesenabrechnungen etc. auf den Tisch. Dann erst haben Sie das Recht, zu fordern, was andere an Vergütung bekommen. Und ich bin überzeugt, wenn die Damen so weitermacht, wird sich schon einmal ein Skandälchen finden, über das man dann stolpert. Aber nicht einmal das hat abschreckende Wirkung. Siehe Gabriel SPD. Erst zurücktreten und nach 3 Jahren stärker denn je sogar noch als Parteivorsitzender gewählt werden. Da wird einem doch schlecht bei soviel Schmutz !
Jan Lanc , 10-07-12 21:08:
Frau Aigner hat keine objektive Meinung, wer verkauft denn eine Gesellschaft wegen der hohen Provision. Die Kunden sind doch mit dem Internet sich selbst ein Bild zu machen und zu entscheiden welches Unternehmen die besten Produkte hat. Ich kenne niemanden der nur mit Blick auf die Provision verkauft. Das war bis in die 90er möglich!
Andreas Niestolik , 10-07-12 15:38:
Meine Meinung
der Artikel von Herrn Hopp ist Klasse, wieviel Schwachsinn müssen Wir noch von sogenannten Möchtegern -Politkern ertragen , langsam wird es peinlich!!!!!!

Andreas Niestolik
Hanns-Peter Faber , 10-07-12 15:07:
wenn jeder Selbständige immer die Hosen runter lassen muss, dann aber auch der Politiker-insofern fehlt direkt unter der obigen Mitteilung der Hinweis, wieviel Frau Aigner verdient, damit sich der Otto Normalverbraucher anhand der Vergütung eine Meinung über die Qualität der Äusserung machen kann !!
Hirnrissig sowas!
Christian Sensmeier , 10-07-12 14:17:
Es wäre wirklich sehr hilfreich, wenn Frau Aigner sich im Bezug auf die verschiedenen Versicherungssparten etwas mehr mit den tatsächlichen Zusammenhängen zwischen Betreuung der Kunden und Bezahlung der Berater auseinandersetzen würde.
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Das Ziel der Vergütung für Berater sollte stets eine kontinuierliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit von Kunde und Berater sein. Und der Kunde sollte seinen persönlichen Bedarf durch Versicherungen mit einem angemessenen Preis-Leistungs-Verhältnis abgedeckt bekommen.
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Ideal dafür sind laufende Bestandsprovisionen, wie sie für Kompositversicherungen derzeit schon bezahlt werden. Diese motivieren den Berater, Kunden langfristig zu betreuen, die Verträge dabei regelmäßig an die Kundenbedürfnisse anzupassen und ggf. bei der Schadenabwicklung zu helfen. Man will den Vertrag "ja nicht verlieren"...
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Zusätzlich entstehen natürlich auch Kosten zu Beginn eines Vertrages für den erhöhten Aufwand der Bedarfsermittlung, der Beratung, der Beantragung und der Abwicklung des extremen (gesetzlich vorgeschriebenen) "Papierkrieges" vor der Policierung. Dafür wird derzeit bei den meisten Kompositversicherungen aber gar keine Provision bezahlt.
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Da sich Komposit - Verträge deshalb für Berater auf diese Art nur lohnen, wenn sie die Kunden tatsächlich langfristig gut betreuen, gibt es bei der großen Mehrzahl der Verträge in dieser Sparte schon lange meist gut laufende Kundenverbindungen. Das heißt, es wird nicht - wie in anderen Sparten mit Abschlussprovisionen (Kranken- oder Lebensversicherungen) -von windigen Vertrieben ständig zum "Umdecken" geraten.
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Es gibt also in dieser Sparte schon den Idealzustand, wie sich die Verbraucherschützer ihn laut eigenen Aussagen für alle Sparten wünschen. Das ist fast immer so, wo Bestandprovisionen überwiegen und Abschlussprovisionen niedrig oder nicht vorhanden sind.
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Gegenüber diesem an sich optimalen Zustand wird die von Frau Aigner favorisierte Honorarberatung keine Verbesserung bringen können. Denn die Mehrzahl der Kunden wird nicht bereit sein, den tatsächlichen, oft mehrstündigen Aufwand bis zum Abschluss einer Kompositversicherung bei einem Honorarberater zu bezahlen. Und auch der Berater wird nicht bereit sein, ohne Aussicht auf eine langfristige Bestandsprovision in dieser Sparte überhaupt noch zu beraten.
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Das Ganze wird dann mittelfristig (wie in den Ländern, wo das schon so gilt...) zu minderwertigen und unpersönlichen "Beratungen" in Callcentern oder in "Verbraucherbüros am Fließband" führen. Ohne das so notwendige Helfen bei allen Inkraftsetzungen, Klärungen, Abwicklungen etc.. Gute Beratungen werden sich nur noch Wohlhabende mit entsprechend großen Verträgen leisten können (wie es bereits bei Anwälten oder Steuerberatern auch in Deutschland der Fall ist). Und die paar übrig bleibenden Berater werden sich um diese wohl habende Klientel "schlagen" (auch wie bei Anwälten und Steuerberatern).
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Aber technisch ausgebildete Menschen wie Frau Aigner glauben ja auch oft, dass man als mündiger Bürger ja "vieles selbst machen kann". Es wird aber ohne Vermittler (oder Berater, der sich gegen Geld die Zeit nimmt) so sein, dass die meisten Kunden bei (auch nur geringfügig) von Standardprodukten abweichenden Risikogegebenheiten nicht mehr in der Lage sein werden, ein angemessenes Produkt selbst zu finden.
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Frau Aigners Bemühungen, Ruhe in die Märkte zu bringen, mögen z.B. bei Krankenversicherungen durch die Begrenzung der Abschlussprovisionen funktioniert haben. Es wäre dort allerdings auch besser gewesen, zusätzlich zur Begrenzung der Abschlussprovisionen die Bestandprovisionen verpflichtend zu machen (vor allem auch für Großvertriebe, die Ihren "Beratern" ja die Bestandprovisionen meist vorenthalten und sie so zu "ewigen Neuabschlüssen" zwingen...). ----------------------------------------------------------------------------------------Dann hätte man die gewüschten Effekte erreicht.
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Mit Offenlegung des Umsatzes von Vermittlern kann man so etwas nicht erreichen. Das ist völlig abwegig und zeugt von tiefem betriebswirtschaftlichen Unverständnis.
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Denn Provisionen sind nicht der Gewinn des Vermittlers, den der Kunde da erfahren soll, sondern lediglich der Umsatz. Ohne Kenntnis der zugehörigen Kosten ist diese Information damit völlig wertlos. Eine Beratung zu einem neuen Auto wird auch nicht dadurch besser, dass man den Umsatz des Autoverkäufers erfährt. Und das Auto selbst bleibt auch das Gleiche. Genauso ist es bei Versicherungen, keine Versicherung wird durch Kenntnis des Beraterumsatzes besser.
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Man kann Frau Aigner nur raten, sich neben Ihrem möglichst öffentlichkeitswirksamem "Selbst-Verkaufen" auch mal ernsthaft mit den tatsächlichen Motivationen von Kunden und vor allem von Beratern auseinander zu setzen. Ein populistisch herausgeschleudertes "Aufdecken! Aufdecken! Aufdecken!" nützt da genauso wenig wie das bei ihr vorhandene, einseitige Weltbild "Honorarberatung ist gut, Provision ist schlecht!".
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Menschliche Motive sind nicht so simpel wie Schlagworte.
Rainer Smieskol , 10-07-12 07:32:
hallo,

ich kann herrn stopp nur recht geben - frau aigner, die csu bekommt meine stimme nicht - diese hetzjagd, anders kann man das nicht bezeichnen ist widerlich - rainer smieskol
Moritz Schmidt , 09-07-12 22:12:
Nein es ist viel schlimmer Kollege Stopp; zu der parlamentarischen Demokratie in diesem Lande fehlen mir sowieso schon lange die Worte. Dieses System wird (fast nur mit Ausnahme von Herrn Gauck) regiert von weltfremden Politikern, die in Ihrem Leben selten mal richtig gearbeitet haben und häufig keine Ahnung vom realen Leben haben. Wenn nun auch noch z.B. unsere Daten vom Staat legal verkauft werden dürfen, solche Abstimmungen mit ein paar überbezahlten, bornierten Parlamenatierer-Bonzen in 1 Minute beschlossen werden können, möchte ich bald sagen: Die DDR lässt schön grüßen..nur daß man sich dort keine Sorgen um den Arbeitsplatz machen mußte! Wenn es hier ein demokratisches System wie in der Schweiz gäbe, könnten diese wirklichkeitsfremden Minister und Kanzler labern, was sie wollen, das Volk würde real bestimmen, wo es lang geht.

Wenn nun auch noch bei uns die Courtagen für den Kompositbereich ausgewiesen werden sollen, werden die Kunden natürlich versuchen diese durch Honorarverträge zu drücken. Kleine Verträge, die sich über Courtage vom Aufwand nicht rechnen können dann immer weniger von mittleren und großen Verträgen kompensiert werden. Im Kompositbereich wird es dann zu Abstrichen in der Betreuungsqalität und zu einem noch stärkeren Verdrängungswettbewerb unter den Vermittlungswegen und Vermittlern führen. Den Versicherern kann dieses neue System egal sein, denn diese erhalten dann eben weiterhin nettoisierte Prämien und müssen ihre Kosten und Gewinne in den einzelnen Angeboten nicht auswiesen.

Warum liebe, kluge Ministerin Aigner von der glorreichen CSU weisen dann nicht gleich alle Unternehmen, wie Supermärkte, Stromkonzerne, Autohändler etc bei Ihren Produkten ihren eigenen Bruttoumsatzanteil Ihrer Produkte aus oder Sie führen z.B. Einzelhandelverkaufspreise, wie in der DDR ein..das wäre doch mal was, gelle!!!!

Aber Hauptsache in der EU sind alle Gurken schön gerade, wir verschmutzen unsere Umwelt mit Energiesparlampen und dämmen unsere Häuser mit Erdölprodukten und lassen im Wohnzimmer dadurch den Schimmelpilz sprießen, schließen unsere Kraftwerke und die Polen bauen neue usw. usw.!!

Macht nur so weiter liebe Politiker und Minister, irgendwann kommt wieder der Tag der regelmässigen Montagsdemos, so hoffe ich!
Eberhard Stopp , 09-07-12 14:14:
Was soll man zu diesem Statement einer Ministerin sagen? Mir fehlen echt die Worte!
Soll ich zukünftig den Beitrag für meine PKV einsparen, weil ich keine Provision(Courtage) mehr erhalte? Sollen alle Makler vom Markt verschwinden? Dem Makler laufend Pflichten aufbürden, nun ihm das Recht der Vergütung auch noch zu nehmen? Hat Frau Aigner überhaupt eine Vorstellung von der Arbeitsweise der Makler und Vermittler? Soll ich an der Tankstelle dem Kassierer Frau Aigners Kontonummer nennen, um zukünftig noch Diesel bezahlen zu können. Solln wir alle Ergänzungsleistungen nach Hartz IV beantragen?
Hat auch Frau Aigner die von der EU eingeschleppte Politiker-Krankheit?
Die Radfahrerkrankheit: : Nach unten treten, nach oben katzbuckeln.
Möchte man unbedingt abgewählt werden?
Von anderen fordern, wozu man selbst nicht bereit ist! Transparenz und Einkommensverzicht.
Es ist wirklich schwer, bei den wirren Aussagen und Vorstellungen von EU – Kommissaren und Bundespolitikern noch sachlich zu bleiben. Diese Leute müssen in einer völlig anderen Welt leben. Man kann nur hoffen, das EU Parlament lehnt diesen Unsinn ab und diese Gesetzentwürf landen in die runden Ablage.
Aber vielleicht denke ich, sowie manche Kollegen auch ganz falsch und wir unterschätzen unsere Kunden?
Ob die Kundenberatung bei Nennung der Provision/ Courtage bei privater Haftpflicht von zum Beispiel 9- 12 € jährlich dem Kunden dann ein müdes ( Mitleids) Lächeln abringt und er vielleicht sogar eine Spende in eine vorbereitet Büchse wirft?
Frau Aigner wollten Sie das erreichen? Dann sag ich aber brav Danke.
Übrigens wirft das aber ein nächstes Problem auf: Man könnte vergessen, es bei der Einkommenssteuer anzugeben.
Frau Aigner, ein Bitte zum Schluß: Bitte nur darüber sprechen, dazu Vorschläge machen, wenn ein ausreichender Sachverstand vorhanden ist.
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