EM-Euphorie und wirtschaftlicher Aufschwung
15.06.2012 | Investmentfonds von Peter Reichel
Die Osteuropäer haben ihre Hausaufgaben gemacht, meint Peter Reichel, Leiter Private Vermögensverwaltung der Berenberg Bank. Die UEFA habe mit ihrer Entscheidung über den Austragungsort einmal mehr den positiven Trend in der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung bestätigt, der sich über die vergangenen Jahre mehr und mehr verfestigt hat.
Im Jahr 2012 wird Geschichte geschrieben. Zum ersten Mal in der Historie der Fußball-Europameisterschaft wird das Turnier in Osteuropa ausgetragen. Seit Anfang Juni blicken Fußballbegeisterte und Investoren rund um den Globus gespannt auf die Gastgeberländer Polen und Ukraine sowie die Region Osteuropa im Ganzen. Die UEFA hat mit ihrer Entscheidung über den Austragungsort einmal mehr den positiven Trend in der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung bestätigt, der sich über die vergangenen Jahre mehr und mehr verfestigt hat.
Die Osteuropäer haben ihre Hausaufgaben gemacht. Ein Musterbeispiel hierfür ist das EM-Gastgeberland Polen. Die liberal-konservative Regierung hat die Wirtschaft über die vergangenen Jahre spürbar unternehmerisch geprägt, so dass viele kleine und mittelständische Unternehmen entstehen konnten. Die starke industrielle Basis in Verbindung mit solider Binnennachfrage stellt die polnische Wirtschaft auf ein ausgewogenes Fundament und macht das Land weniger anfällig gegen externe Einflüsse. So konnte die polnische Wirtschaft selbst im Krisenjahr 2009 noch mit 1,6 Prozent wachsen, während das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone um 4,4 Prozent schrumpfte.
Ein Trend, der sich weiter fortsetzen dürfte: Auf Basis aktueller Konsensschätzungen wird die polnische Volkswirtschaft über die kommenden zwei Jahre stärker wachsen als der europäische Wachstumsmotor Deutschland. Fast sinnbildlich hierfür erscheint die Tatsache, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) das Land weiterhin als Emerging Market klassifiziert. Mit dem Wachstum der Wirtschaft wird auch der Wohlstand der Bevölkerung steigen. Das Pro-Kopf-Einkommen liegt bei erst 59 Prozent desjenigen der Eurozone – ein Indiz dafür, wie viel Potenzial über die kommenden Jahre in diesem Land und in der Region im Ganzen liegt. Bereits heute entspricht die Wirtschaftsleistung von Polen und der Türkei zusammen rund 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der gesamten Eurozone.
Osteuropa ist gut positioniert. Die relative Stärke Osteuropas ist auch den führenden Ratingagenturen nicht entgangen. Während sich große westeuropäische Volkswirtschaften wie Frankreich, Italien und Spanien in den vergangenen Monaten mehrere Ratingherabstufungen gefallen lassen mussten, wurde die Kreditwürdigkeit vieler osteuropäischer Staaten aufgewertet. Mit einem geschätzten Budget-Defizit von 2,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im kommenden Jahr wird Tschechien beispielsweise das Maastricht-Stabilitätskriterium von 3,0 Prozent erreichen. Auch die Türkei beginnt sich mit einem konsolidierenden Haushalt und einer sehr stabilen Währung mehr und mehr einer Integration in die Euro-Währungsunion anzunähern. Und sogar der Frontier Market Rumänien besitzt schon jetzt ein Investmentgrade Rating von zwei der drei großen Agenturen.
Erhöhte Chancen bedingen in der Regel ein erhöhtes Risiko. Während sich osteuropäische Bluechips im Zeitraum 2003 bis 2007 nahezu verdreifachen konnten, haben die darauffolgenden Kursverluste einen großen Teil der Gewinne wieder aufgezehrt. Für einen global investierenden Anleger sollte das Risiko einer Aktienanlage jedoch stets im Hinblick auf das Gesamtportfolio betrachtet und bewertet werden. So weisen osteuropäische Aktien beispielsweise eine niedrige Korrelation mit dem MSCI World auf, sodass die Beimischung dieser Anlageklasse sogar zu einer Reduzierung des Gesamtportfoliorisikos führen kann.
Investieren in Osteuropa
Bei der Investition in osteuropäische Aktien gilt es zu beachten, dass der zukünftige Konjunkturverlauf und die Entwicklung an den nationalen Aktienmärkten unterschiedliche Verläufe und Dynamiken annehmen können. Osteuropa ist und bleibt eine heterogene Region. Eine erfolgversprechende Investmentstrategie muss diese Unterschiede berücksichtigen und auf sich ändernde Trends reagieren. Der Berenberg East European Equity Selection Fonds setzt auf einen streng fundamental orientierten Stockpicking-Ansatz, um Unternehmen zu identifizieren, die an diesen Trends partizipieren können. Der Fokus liegt dabei auf Unternehmen mit attraktiven Kapitalrenditen, stabilen Cashflows sowie hohen Wachstumschancen, um die Wettbewerbsfähigkeit auszubauen.













Kommentare