DIW: Spanien gewinnt EM
08.06.2012 | Panorama von procontra
Aus ökonomischer Sicht wird Spanien Fußballeuropameister. Das errechneten Forscher des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Zusammenarbeit mit der Freien Universität Berlin. Für Deutschland besteht ein hohes Risiko, die Vorrunde nicht zu überstehen.
Spanien hat nach Ansicht der Forscher nicht nur den höchsten Marktwert, sondern sei als Mannschaft am homogensten. In einer Studie analysierten die Ökonomen die Markt- und Transferwerte aller Spieler. Für Spanien kamen sie so auf einen Marktwert von 459 Millionen Euro. Die deutsche Mannschaft habe dagegen nur einen Wert von 398 Millionen Euro.
Die Ökonomen sind sich sicher: Einzelne Ausnahmespieler reichen nicht, um zu gewinnen. Wie bei einem Aktienportfolio belegten sie Mannschaften mit zu hohen Marktwertunterschieden unter den Spielern mit Risikoabschlägen. Denn fällt ein Ausnahmespieler aus, sinken die Gewinnchancen der jeweiligen Mannschaft enorm. Für die Forscher ist die interne Ausgeglichenheit im Team ein entscheidender Faktor. „Spanien kann den Ausfall von ein oder zwei Spitzenspielern am besten von allen Mannschaften verkraften“, sagt Michael Mutz, Mitautor der Studie.
Deutschland kommt nach Ansicht der Ökonomen Spanien zwar am nächsten und hat damit Chancen, Vizemeister zu werden. Risikofaktor Zufall lässt sich aber nicht berechnen. Es fallen beim Fußball nur wenige Tore. Ein einziges Tor könne schon den Sieg bedeuten. „Dass die EM überwiegend im K.O.-Modus und kleinen Vorrundengruppen ausgetragen wird, erhöht die Bedeutung des Zufalls noch“, sagt Gert Wagner, DIW-Ökonom. In der Gruppe B treffe Deutschland auf Portugal und die Niederlande, zwei Mannschaften mit ebenfalls sehr hohen Marktwerten.
Spaniens Wirtschaftskraft fällt dagegen in der Gunst der Analysten. Die Rating-Agentur Fitch setzte Spaniens Rating in dieser Woche um drei Stufen herab. Dass der Ausgang der Europameisterschaft etwas an der spanischen Bankenmisere ändern könnte, ist zwar unwahrscheinlich. Dennoch gibt es Hinweise darauf, dass ein Sieg Spaniens sich günstig auf die Lage am Aktienmarkt auswirken kann. Unter dem Titel „Sportstimmung und Aktienerträge“ veröffentlichte 2006 ein Forschertrio im amerikanischen „Journal of Finance“ ein Studie, die belegt, dass der Erfolg eines Landes bei einem solchen Sportereignis relevante Kurseffekte hervorrufen können.
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