Nothegger: „Umsatzzahlen um 200 Prozent gestiegen“
10.05.2012 | Beteiligungen & Sachwerte von Oranus Mahmoodi
Schiffsfonds sind in schwere See geraten. Container-, Bulker- und Tankermärkte scheinen zusammenzubrechen. Der Flusskreuzfahrten-Markt weist dagegen zweistellige Wachstumsraten auf. Alexander Nothegger, Vorstand des Finanzdienstleisters Premicon, spricht exklusiv mit procontra online über dieses Wachstumssegment auf dem stürmischen Markt der Schiffsfonds.
procontra online: Herr Nothegger, Sie verfügen noch über Beteiligungen an Frachtschiffen, haben aber in den letzten Jahren keinen neuen Fonds etwa zu Containerschiffen aufgelegt – war es so offensichtlich, dass es auf dem Markt mit Schiffen, die logistisch genutzt werden, zu einen Einbruch kommen wird? Wenn ja, woran konnte man das schon sehen?
Alexander Nothegger: Ganz offensichtlich war es eben nicht, sonst hätte es nicht die zahlreichen Verluste in diesem Bereich gegeben. Über viele Jahre haben sowohl die Banken als auch die Anleger sehr gut in diesem Segment verdient. Die ersten Anzeichen einer Verschlechterung der Weltwirtschaft waren sicherlich da – gerade auch im Zusammenhang mit der hohen Kapazität an Schiffen, die noch geordert wurden zu diesem Zeitpunkt –, aber hinterher ist man bekanntlich immer schlauer.
Unseren Ausflug in die Containerschifffahrt haben wir 2001 unter einem von üblichen Konzepten abweichenden Ansatz gestartet – unserer Reedereibeteiligung. Dieser Fonds ist natürlich durch die Krise auch in Mitleidenschaft gezogen, erwies sich aber bisher als weitaus resistenter als konservative Modelle. Weitere Beteiligungen in dieser Art hat es bisher nicht gegeben, da sich uns diese Konstellation nicht wieder geboten hat. Letztendlich haben wir uns bereits vor vielen Jahren verstärkt dem Kreuzfahrtsegment zugewandt und diesen Weg konsequent weiterverfolgt, um unseren Anlegern gute Perspektiven bieten zu können.
procontra online: Was genau war ihre Motivation in Kreuzfahrtschiffe zu investieren?
Nothegger: Die Premicon hat früh erkannt, dass der Kreuzschifffahrtmarkt ein enormes Wachstumspotenzial aufweist. Diese Annahme hat sich dann auch in den letzten zehn Jahren eindeutig bestätigt – sowohl Passagier- als auch Umsatzzahlen sind in diesem Zeitraum kontinuierlich und insgesamt um über 200 Prozent gestiegen. Dieser Grundlage für gute Renditen haben wir die höhere Priorität eingeräumt als möglichen Steuervorteilen in anderen Assetklassen.
Hinzu kam, dass diese Nische bis dato kaum besetzt war, so dass wir durch entsprechende Beteiligungsangebote ein Alleinstellungsmerkmal vorzuweisen hatten. Genau das war allerdings auch eine große Herausforderung – um im Flussbereich unsere Angebote entsprechend zu gestalten, mussten wir quasi eine eigene Infrastruktur und bestimmte Kompetenzen auf- und ausbauen. Ein wichtiger Schritt war im Jahre 2000 die Übernahme der Köln Düsseldorfer Rheinschiffahrt AG. Durch dieses Traditionsunternehmen haben wir das nötige Know-how in den Bereichen Nautik und Technik in die Unternehmensgruppe eingegliedert. Für die Bereiche Hotelmanagement und Catering haben wir ebenfalls langjährig erfahrene und erfolgreiche Partner wie G&P aus der Schweiz hinzugezogen. Auf diese Weise haben wir die Premicon nach und nach zu einem Komplettdienstleister für Reiseveranstalter ausgebaut. Dadurch haben wir eine große Bandbreite an Möglichkeiten, Beteiligungsangebote zu konzipieren – angefangen beim Barebeoatchartervertrag bis hin zu Beförderungsverträgen, die den Anleger dann auch am Erfolg des Reiseveranstalters partizipieren lassen. Heute sind wir Marktführer im Segment der geschlossenen Kreuzfahrtfonds.
procontra online: Sind es Flusskreuzfahrtschiffe oder große Kreuzer? Sehen Sie hier ein boomendes Segment im Boommarkt Tourismus?
Nothegger: Die Premicon besitzt mit derzeit 25 Flussschiffen die größte Flotte auf dem Fahrtgebiet Rhein/Main, Mosel, Donau. Hinzu kommt mit der Astor, ein Hochseeschiff – der Fokus liegt also eindeutig auf dem Flussbereich.
Vom weiteren Wachstum des Marktes sind wir fest überzeugt. Kaum ein anderer Markt hat sich über eine so lange Zeitspanne – wir sprechen von mehr als zehn Jahren – als so stabil erwiesen und solch ein Wachstumspotenzial aufgezeigt. Selbst im Krisenjahr 2009 ist die Flusskreuzfahrt nicht eingebrochen, sondern weiter gewachsen. Letztendlich sind auch wir auf Ergebnisse der Marktforschung angewiesen. Aber auch hier zeigt sich eine ungewöhnliche Einigkeit. Sie finden ausschließlich Studien, die ein weiteres, nicht unerhebliches Wachstum vorhersagen. Dabei sprechen wir von renommierten Institutionen wie emnid, Dumont oder auch dem ADAC.
Ein weiteres Indiz ist der Einstieg diverser großer Reiseveranstalter in diesen Markt – neben TUI engagieren sich hierunter anderem auch Thomas Cook und Dertour.
Last but not least arbeitet der demographische Wandel hier für uns. Die Zielgruppe der Kreuzfahrten wird größer und ist zudem konjunkturell relativ unabhängig.
Besonders wichtig ist uns in diesem Zusammenhang, dass wir mit unserem Segment nicht immer „in einen Topf geworfen werden“ mit der Schifffahrt allgemein. Es handelt sich eben, genau wie Sie es in Ihrer Frage auch richtigerweise benannt haben, um einen Teilbereich des Tourismusmarktes – und dieser boomt bereits seit langem. Auch hier besagen Umfragen ja immer wieder, dass gerade in Deutschland die Menschen eher auf andere Konsumgüter verzichten würden als auf ihren Urlaub.
procontra online: Denken Sie, dass der Frachtschiffmarkt künftig wieder an Relevanz gewinnt – werden Sie dann wieder in diese Branche einsteigen?
Nothegger: Wir gehen davon aus, dass sich auch dieser Markt wieder erholen wird, können aber selbstverständlich keinerlei gesicherte Aussagen machen, in welchem Zeitraum. Selbstverständlich werden wir auch diesen Markt genau beobachten, nicht zuletzt wegen der oben angesprochenen Beteiligung in diesem Segment, um diese für unsere Anleger über die Laufzeit bestmöglich zu managen.
Ob die Premicon in diesen Bereich in Zukunft erneut investieren wird, hängt ganz von der Entwicklung des Marktes, aber auch von der firmeneigenen ab. Kurzfristig ist diesbezüglich kein Projekt in der Planung.
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