UN-Organisation warnt vor sozialen Unruhen

30.04.2012 | Panorama von Gloria Ballhause

Die UN-Organisation für Arbeit legt ihren Weltarbeitsbericht vor. Demnach belaste der Sparkurs der EU-Regierungen die Arbeitsmärkte. Die Organisation warnt vor weiteren sozialen Unruhen.

Dem Export sei Dank: Deutschland wird von der UN Organisation für Arbeit (ILO) im World Work Report 2012 lobend erwähnt. Zugleich zählt die ILO altbekannte Mängel auf dem hiesigen Arbeitsmarkt auf. Kritisiert werden etwa die Bedingungen bei sogenannten Minijobs oder die kaum steigenden Reallöhne.

Die Bundesregierung bereite schon eine Wachstumsagenda für den kommenden EU-Gipfel vor, teilte Bundeskanzlerin Angela Merkel der Leipziger Volkszeitung mit. Die geringen Wachstumsraten bremsen die europäischen Volkswirtschaften aus. Dabei kritisiert die ILO die strenge Sparpolitik der Kanzlerin und anderer EU-Staaten. „Die einseitige Betonung von Sparmaßnahmen zumal in den Euroländern vertieft die Beschäftigungskrise und könnte Europa erneut in die Rezension bringen“, sagt Raymond Torres, Direktor des ILO-Forschungsinstituts und Autor des Berichts.

In Spanien ist die Beschäftigungskrise offensichtlich. Mit einer Arbeitslosenrate von 24,4 Prozent ist das Land Spitzenreiter in Europa. Besonders betroffen sind junge Menschen: Rund 46 Prozent der unter 25-Jährigen finden trotz Ausbildung in Spanien keine Arbeit. In Deutschland, Polen, Österreich und Brasilien sind die Zahlen laut ILO-Bericht zwar rückläufig. Wenn es aber Spanien und Griechenland auf Dauer schlecht ginge, werde das auf dem deutschen Arbeitsmarkt spürbar sein.

„Länder, die sich für eine beschäftigungsorientierte Wirtschaftspolitik entschieden haben, haben sowohl wirtschaftlich als auch sozial bessere Ergebnisse erzielt. Wir müssen diese Länder genau ansehen und Lehren daraus ziehen“, schreibt Torres in seinem Bericht. Denn mit der Arbeitslosigkeit steigt das Risiko für soziale Unruhen.

2012 werden nach Schätzungen des ILO-Berichts weltweit 202 Millionen Menschen ohne Arbeit sein, ein Anstieg um sechs Millionen gegenüber dem Vorjahr. Parallel dazu ist der Index, der das Risiko für soziale Unruhen misst, in 57 von  den 106 untersuchten Ländern gestiegen. 

Fotocredit: satori - Fotolia.com

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