„Er hat sich wie ein Rapstar benommen“

16.03.2012 | Berater von Oranus Mahmoodi

Regisseur Klaus Stern dreht den Film "Versicherungsvertreter – Die erstaunliche Karriere des Mehmet Göker". procontra spricht mit ihm über Größenwahn und Mehmet Gökers sektenähnlichem Imperium.

Seit knapp einer Woche läuft der Dokumentarfilm über Mehmet Gökers Aufstieg und Fall in den deutschen Kinos. "Der Film ist sehr hart aber fair", sagt Göker selbst. Der Deutschtürke fängt in seine "erstaunliche Karriere" mit dem Verkauf von Policen in Kassel an. Als 25-Jähriger macht er mit seiner Firma MEG seine erste Millionen. Er wirbt die ersten Mitarbeiter an. Mit seinen treuesten Buddies verjubelt er auf Incentive-Reisen die horenden Vorschüsse, die er von den Versicherungskonzernen bekommt. In Cash zahlt er Ferraris für die Firma, die bisweilen auch von den Azubis gefahren werden.

Göker lebt auf großem Fuss. "Er hat  sich wie ein Rapstar benommen", sagt Regisseur Stern. Auf Firmenveranstaltungen lässt sich der Egozentriker wie einen Guru feiern. "Wer will, der kann - sei ein Gewinner", schreit er seine Anhänger an. Stern wolle den Karrieristen nicht demaskieren. "Man kann auch nicht sagen, Göker ist verrückt - er konnte nur so agieren, weil er das Geld von den Versicherungskonzernen bekommen hat", sagt Stern. Der Regisseur bezeichnet sich als einen "Spezialisten für nordhessischen Größenwahnsinn". "Das scheint hier verbreitet zu sein - nur wenn man größenwahnsinnig ist, kann man so etwas schaffen", sagt Stern. Richard Branson, Gökers Vorbild, sei auch größenwahnsinnig gewesen. 

Totalitäres System mit Luxus

Stern hat Göker 2006 getroffen. "Ich sagte zu ihm: Ich mache den Film mit oder auch ohne ihn", erinnert sich der Regisseur, der das Verhalten seines Protagonisten durchaus fragwürdig fand. Aber er sei nur ein Chronist, auch wenn er über das totalitäre System gestaunt hat, das Göker aufgebaut hatte. "Über die Anhängerschaft war ich nicht so erstaunt gewesen, er hat einigen von denen große Möglichkeiten gegeben, sehr viel Geld zu verdienen."

Gökers Gefolgschaft bestand aus vielen Migrantenstämmigen, die er aktiv umworben hat. Für Regisseur Stern war es unerheblich, dass Göker türkischer Abstammung ist. Göker selbst hat ganz bewußt Menschen mit Migrationshintergrund eingestellt. Der Job war eine Eintrittskarte in eine neue Welt. Die Versicherungskonzerne zahlen Göker astronomische Honorare und finanzieren seinen protzigen Lebensstil. Mit den Vorschüssen von Axa, Allianz und Co. kauft er seinen Treuen luxeriöse Spielzeuge.

Er kommt wieder nach oben

"Die Firma ist mein Herz, meine Religion - ich liebe diese Firma", sagt Göker zu seiner Anhängerschaft. Zuletzt war er mit MEG der zweitgrößte Vermittler von privaten Krankenversicherungen in Deutschland. Erstaunlicher ist der Personenkult um Göker. Seine Gefolgsmänner lassen sich sogar das Firmenlogo aufs Handgelenk tätowieren. Seine Diktatur beginnt zu bröckeln, Ende 2009 ist Göker pleite. Gegen ihn wird wegen Untreue ermittelt.

Mit 21 Millionen Euro Schulden ist der Deutschtürke an die Ägäisküste gefahren. "Am Freitag habe ich noch mit ihm telefoniert und er war guter Dinge", erzählt Stern. Göker ist wieder im Geschäft. Die "Göker Consulting Group" sei die Firma seiner Mutter, er ist nur angestellt, beteuert er. 50 Angestellte gibt es schon. Nach Aufstieg und Fall könnte es eine Wiederauferstehung des Propheten des Geldes geben: "Ich glaube, dass er wieder hoch kommt", ist sich Stern sicher.

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