Vermögensverwaltende Fonds im Trend

| Investmentfonds von Stefan Terliesner

Mischfonds investieren in mindestens drei Anlageklassen, streben Kapitalerhalt an und begrenzen den maximalen Verlust.

Wer heute als Fondsmanager für seine Anleger Erfolg haben will, muss flexibel reagieren, aktiv handeln und Verluste unbedingt vermeiden. Vermögensverwaltende Fonds schreiben sich das auf die Fahnen und werden auch im volatilen 2012 mehrfach schalten müssen.

Mal angenommen, Ihr Mandant will in ein Taxi steigen. Vor ihm liegt eine extrem kurvenreiche Strecke, die italienische Adriaküste bei Amalfi zum Beispiel. Würden Sie den Mandanten in das Taxi einsteigen lassen, wenn Sie wüssten, dass es keine Bremsen hat? Sicher nicht! Was beim Auto eine Selbstverständlichkeit ist, sollte auch bei der Geldanlage gelten: In volatilen Zeiten gehören Gas und Bremse zusammen. Läuft es an den Börsen gut, gibt man Gas und investiert in Aktien. In – besser noch vor – einer scharfen Abwärtskurve aber geht man runter vom Gas und tritt auf die Bremse. Auf die Geldanlage übertragen bedeutet dies, raus aus Aktien und rein in sichere Wertpapiere. Klingt selbstverständlich. Ist es aber nicht. Der Grund: Viele Fonds dürfen nur in Aktien investieren, nicht aber in Anleihen. Das sind Fonds, die quasi nur Gas geben können. Sie sind gut in stabilen Aufschwungphasen. Andere Fonds legen nur in Anleihen an. Das ist in der Regel relativ sicher, aber diese Fonds fahren stets mit angezogener Handbremse durch die Gegend, selbst wenn es immer nur geradeaus geht. Auf der Strecke bleibt die Rendite, die mit Blick auf die Altersvorsorge aber ein Muss ist.

Verkaufsrenner Mischfonds. Aus diesem Grund sind seit zwei Jahren flexible Mischfonds der Renner. Bereits 2010 führten sie die Absatzstatistik des Fondsverbands BVI an. Und in diesem Jahr dürften sie wieder weit vorne liegen. Mischfonds haben quasi eine eingebaute Vermögensverwaltung. In der Finanzbranche werden sie daher auch „vermögensverwaltende Fonds“ genannt, kurz VV-Fonds. Dazu Sasa Perovic, Analyst beim Analysehaus Scope: „VV-Fonds erlauben es dem Manager, weitgehend frei zu entscheiden, wo er die Kundengelder am besten anlegt.“ Besondere Kennzeichen dieser Fonds sind, dass sie in mindestens drei Anlageklassen investieren, den Kapitalerhalt innerhalb eines klar definierten Zeitraums anstreben, vor allem aber den maximalen Verlust begrenzen. Und darum geht es in dieser volatilen Zeit – Verluste begrenzen. Aufs Auto übertragen: VV-Fonds können einen Unfall nicht vermeiden, ihn mit vielen Airbags aber abfedern. Tatsächlich hat die jüngste Vergangenheit gezeigt: Solche Fonds sind die Gewinner der Finanzkrise. Denn Mischfonds haben einen entscheidenden Vorteil: Sie verfügen über Gas- und Bremspedal. Daher können sie sich dem kurvenreichen Marktgeschehen anpassen. Je nach Marktlage wird von Aktien in Anleihen oder auch Immobilien umgeschichtet und umgekehrt; oder das Vermögen am Geldmarkt geparkt. Das klappt aber nur, wenn der Fondsmanager gut arbeitet oder dem richtigen Handelssystem vertraut. Denn in der Vermeidung von Verlusten liegt das Erfolgsgeheimnis guter Fonds. Die größte Gefahr für einen Fondsmanager liegt darin, eine Baisse nicht rechtzeitig zu erkennen. In einer jahrelang anhaltenden Hausse findet man immer hinein. Verlustphasen hingegen sind oft relativ kurz, dafür aber umso schmerzhafter. Diese Verlustphasen gilt es möglichst zu vermeiden. Denn Verluste sind an der Börse nur schwer wieder aufzuholen (siehe Grafik). Gelingt es dem Fondsmanager aber, Verluste von Anfang an zu begrenzen, können Zins und Zinseszins auf eine höhere Kapitalbasis wirken. Das verbessert die langfristige Wertentwicklung eines Fonds ungemein.


Finanzkrise ist nur eine Delle. Einer der renommiertesten Fonds der Kategorie ist der Carmignac Patrimoine, der mittlerweile ein Volumen von rund 20 Milliarden Euro verwaltet. Der eher ausgewogene globale Fonds weist für die vergangenen fünf Jahre eine beeindruckende Performance von plus 35 Prozent auf (Stand: 24.10.11). Selbst das Krisenjahr 2008 hat im Kurs-Chart dieses Mischfonds nur eine Delle hinterlassen. Der Grund: Wenn Aktien nicht gut laufen, investiert das Fondsmanagement eben in Anleihen oder andere aussichtsreiche Wertpapiere. Eric Le Coz, Deputy General Manager bei Carmignac Gestion, betont: „Angesichts des aktuellen Umfelds konzentrieren wir uns eher auf den Kapitalerhalt als auf die Bewertungen.“ Mit der Gas-Bremse-Strategie jedenfalls hat der Carmignac Patrimoine in den vergangenen Jahren Indizes wie Dax, EuroStoxx50 oder MSCI World deklassiert. Ein eher aggressives Produkt ist der Pioneer Substanzwerte. Aktien sind in einer Spanne von 21 bis 75 Prozent erlaubt. Daneben sind Immobilien, Rohstoffe, Geldmarkt-Papiere sowie Anleihen  möglich. Die Zielregion ist aber auf Europa begrenzt.
Zuletzt ebenfalls sehr erfolgreich ist der Ethna Aktiv, ein Mischfonds, der in europäische Aktien und Anleihen investiert. Der VV-Fonds will das investierte Kapital der Anleger erhalten und zusätzlich eine positive Rendite erzielen. Dazu Fondsmanager Luca Pesarini: „Ich will Geld verdienen. Aber so, dass sich die Anleger zurücklehnen können.“ Schwankungsarmes Wachstum nennt er das. 5 Prozent Kursplus pro Jahr will Pesarini schaffen, wobei der Fondspreis nicht stärker als 6 Prozent schwanken soll. Die Bilanz des gebürtigen Italieners ist beachtlich. Seit der Fonds im Februar 2001 aufgelegt wurde, ging es bergauf mit ihm. Einzig in den Baisse-Jahren 2002 und 2008 und in den vergangenen turbulenten Wochen verlor der Mischfonds an Wert, allerdings nie mehr als 6 Prozent. Seit 2002 kann Pesarini mehr als 114 Prozent Wertzuwachs beim Ethna Aktiv verbuchen. Ein attraktiver Neuling unter den Mischfonds ist der Bantleon Opportunities. Das Fondsmanagement investiert in Staatsanleihen der Eurozone, Anleihen der öffentlichen Hand und Pfandbriefe. Zieht die Konjunktur an, wird eine Aktienquote von bis zu 40 Prozent des Fondsvermögens aufgebaut.

Große Qualitätsunterschiede. Die genannten VV-Fonds waren bisher durchaus sehr erfolgreich. Allerdings gibt es bei VV-Fonds große Qualitätsunterschiede. Dies hat jetzt Scope bestätigt. Die Berliner haben die Volatilität und Performance von offensiven und defensiven Varianten untersucht. 142 defensive prüfte das Analysehaus hinsichtlich Kapitalerhalt auf Sicht der letzten drei Jahre. Dabei kam man zu dem Ergebnis, dass mehr als ein Fünftel der Fonds den Kapitalerhalt nach drei Jahren nicht erreicht haben. Ein Viertel der Fonds verloren 10 Prozent oder mehr (Maximum Drawdown). Allerdings schafften auch 36 Prozent der Fonds den Kapitalerhalt oder eine positive Performance – trotz Finanz- und Wirtschaftskrise. Im Schnitt betrug der Maximum Drawdown aller 142 Fonds laut Scope 7,3 Prozent.


Neben den defensiven Fonds wurden auch 186 offensiv aufgestellte Fonds untersucht. Die Analysten stellten dabei fest, dass diese der Erholung der Aktienmärkte in den vergangenen Jahren nicht folgen konnten. „Dies ist darauf zurückzuführen, dass offensive Fonds selten zu 100 Prozent in Aktien investiert sind und darüber hinaus häufig erst ihre Aktienquote erhöhen, wenn der Aufschwung bereits läuft“, so Scope-Analyst Perovic. Die durchschnittliche Performance der untersuchten offensiven Fonds lag rund 33 Prozentpunkte unter dem DAX sowie rund 24 Prozentpunkte unter dem MSCI World Index. Über die vergangenen fünf Jahre war nach dem Report die Performance von offensiven Fonds und dem MSCI World nahezu identisch. Gleichzeitig ist der Maximum Drawdown bei den Fonds geringer. Er lag mit rund 35 Prozent unter den fast 50 Prozent des MSCI World. Außerdem wurde über den Untersuchungszeitraum der Kapitalerhalt geschafft.
Fazit: In unsicheren Zeiten haben flexible Mischfonds beziehungsweise VV-Fonds Vorteile. Hohe Verluste lassen sich vermeiden. Zudem besteht die Chance auf langfristige zweistellige Renditen. Analysen zeigen, dass VV-Fonds Übertreibungsphasen an den Aktienbörsen im Schnitt glätten. Und diese Phasen werden uns auch 2012 weiter begleiten. Vermögensverwaltende Fonds sind daher für Anleger geeignet, die auf die Chancen der Aktienmärkte nicht verzichten und gleichzeitig volatile Ausschläge der Performance reduzieren möchten. 

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