Umjubelte Ausschüttungen
05.12.2011 | Investmentfonds von Matthias Hundt
Kontinuierliche Dividendenzahlungen gehören bei den meisten Firmen zum guten Ton. Über Dividendenfonds profitieren Anleger von den konstanten Erträgen und können so ihr Depot stabilisieren.
Der Großteil der Aktienanleger blickt auf ein Jahr zurück, das vor allem von Schwankungen und Verlusten geprägt war. Der DAX etwa startete bei 7.000 Punkten, um dann im März von 7.500 um 1.000 Punkte abzustürzen. Mühsam holte er diesen Rückschlag wieder auf, verlor im August und September dann aber über 30 Prozent. Am Ende notierte er um die 6.000-Punkte-Marke, ein Minus von 14 Prozent. Aufgrund der fehlenden Lösungen für die Staaten- und Schuldenkrise werden Unsicherheit und Nervosität die Märkte auch 2012 weiter begleiten. Entsprechend hoch wird erneut die Volatilität sein und die Nerven der Anleger fordern.
Folglich sucht die Masse der Anleger nach Anlagen, in denen Schwankung und Rendite in einem tragbaren Verhältnis stehen. Das ruft Dividendenfonds auf den Plan. Jene Investments, die auf eine überdurchschnittliche Dividendenrendite im Portfolio achten. Man könnte meinen, dass den Ansatz dividendenstarker Titel jeder Fondsmanager verfolgen sollte. Doch Dr. Thomas Schüssler, Manager des DWS Top Dividende Fonds, erklärt: „Dividendenstarke Aktien haben typischerweise ein geringeres Wachstum. Das passt nicht in jeden Fonds. Oft finden Sie in Dividendenfonds stabile Titel großer Pharma-, Telekommunikations- oder Konsumfirmen.“ Der Fokus der Dividendenfondsmanager liegt also auf den sogenannten Value-Titeln. Das bestätigt auch Dr. Jan Ehrhardt, Fondsmanager des DJE Dividende & Substanz: „In der Regel befinden sich defensivere, konjunkturunabhängigere Aktien im Fonds, mit einem stabilen Cashflow, der die Ausschüttungen gewährleistet. Zudem legen wir einen Schwerpunkt auf Titel, die wenige bis keine Schulden haben und entsprechend nah am Buchwert bewertet sind.“
Ausschüttungen als Sicherheitsschirm. Die Betrachtung der absoluten Höhe der Dividendenrendite (Berechnung: Dividende geteilt durch Kurs der Aktie mal 100) hat aber einen Haken. Angenommen, die Dividende einer Aktie bleibt zwischen zwei Ausschüttungen unverändert. Halbiert sich der Aktienkurs in diesem Zeitraum, so ist die Dividendenrendite zwar doppelt so groß, doch der Wert des Depots hat sich durch die Kursverluste deutlich verringert. „Titel nur aufgrund ihrer Dividendenrendite auszuwählen ist der falsche Ansatz. Vielmehr sollte die Dividendenzahlung nachhaltig sein“, erklärt daher auch Dr. Ehrhardt. Dennoch bildet die Dividendenrendite ein wichtiges Kriterium. Denn in Zeiten, in denen die Märkte zwar sehr volatil laufen, sich am Ende des Jahres in der Summe dann aber doch nur seitwärts bewegen, liefert sie einen konstanten Ertrag.
Kontinuität stellt bei der Höhe der Dividende ein Schlüsselthema dar. Bei vielen Gesellschaften wird eher das Tafelsilber verscherbelt als die Dividende gekürzt. „Die Firmen wissen, dass für ihre Investoren die Dividende ein ganz wesentliches Investitionsargument ist. Bevor sie die also kürzen, gibt es noch ganz andere interne Stellschrauben, wie etwa Kosten- oder Investitionssenkungen, an denen gedreht wird. Dividendenkürzungen sind für viele Firmen nur die Ultima Ratio und kommen entsprechend selten vor“, meint Dr. Schüssler. Diese Nachhaltigkeit konnte aber nicht jede Branche während der Krise leisten. So musste der Bankensektor die Dividenden seit 2008 drastisch senken. Die Deutsche Bank beispielsweise von 4,50 Euro (2007) auf 0,50 Euro (2008), die Commerzbank und Postbank zahlen seit 2008 gar keine Dividende mehr. „Wir bewerten den Bankensektor, vor allem auf europäischer Ebene, weiterhin negativ. Hier ist auch in naher Zukunft kaum bis keine Dividende zu erwarten. Entsprechend halten wir keine europäischen Bankaktien im Portfolio“, blickt Dr. Ehrhardt voraus.
Gute Voraussetzungen für Dividendenanstieg. Andere Bereiche, wie etwa die Pharmazie, sind aufgrund ihrer Konjunkturunabhängigkeit schadloser durch die Krise gekommen. Die Dividenden bleiben konstant. Viele Unternehmen haben zudem ihre Bilanzen entschuldet und verfügen über hohe Barreserven. Das stärkt die Stabilität der Ausschüttungen und lässt auf Steigerungen hoffen. Weiterhin existiert bei Ausschüttungsquoten von 35 bis 40 Prozent immer wieder Spielraum, die Dividende konstant zu halten oder zu erhöhen, auch wenn die Gewinne geringer ausfallen.
Auf der Renditeseite kamen die zehn größten Dividendenfonds in diesem Jahr zwar auch nicht in die Gewinnzone (siehe Tabelle). Doch aktuell gilt es Verluste zu begrenzen. So verloren die Fonds zwischen 1,1 und 17,9 Prozent. Andere Milliardenfonds wie der DWS Deutschland (–16 Prozent), der Fidelity European Growth (–16,7) oder der weltweit agierende Carmignac Investissement (–8,5) waren kaum bessere Alternativen. Erst recht, wenn man die Volatilität hinzuzieht. So schwankten die zehn Dividendenfonds im Mittel um 13,4 (ein Jahr) und 16,9 Prozent (drei Jahre). Die drei genannten Alternativen hingegen um 17,5 beziehungsweise 21 Prozent. Auf der anderen Seite muss man aber auch erwähnen, dass Dividendenfonds in Zeiten des Aufschwungs die Renditelisten unter den Fonds selten anführen.
Für Fondsmanager wie Dr. Schüssler und Dr. Ehrhardt bilden Dividendenfonds dennoch ein Basisinvestment und nicht nur eine Beimischung im Depot. Anleger, die in der Krise Verluste begrenzen und eine defensivere Strategie verfolgen wollen, sollten für die Depotaufstellung 2012 Dividendenfonds mit in die Auswahl aufnehmen.













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