„Emerging-Markets-Währungen bergen deutlich höhere Risiken“
12.12.2011 | Investmentfonds von Matthias Hundt
Maria Heiden, Investmentspezialistin für Währungen im Asset Management der Berenberg Bank, blickt im Gespräch mit procontra auf eines der schwierigsten Währungsjahre überhaupt zurück und antizipiert, was Anleger 2012 erwartet.
procontra: Wie lautet Ihr Fazit zum Währungsjahr 2011?
Maria Heiden: Das Anlagejahr 2011 dürfte für Währungsmanager das schwierigste seit 1991 werden. Wir haben außergewöhnliche Bewegungen gesehen: tendenziell sehr trendige Währungspaare wie Euro-Dollar und Pfund-Dollar handelten viele Monate in einer Seitwärtsbewegung, so dass Währungsmanager durch Ausbleiben der Wechselkursbewegung keine Renditequelle hatten.
procontra: Mit Währungen kann also nur in volatilen Zeiten Geld verdient werden?
Heiden: Im Prinzip schon. Denn im Währungsbereich gibt es keine klassische Risikoprämie wie bei Aktien die Dividende oder bei Renten den Zins-Coupon. Im Währungsmarkt ist die Preisbewegung das einzige Medium der Renditegenerierung.
procontra: Das Paar Euro-Dollar bewegte sich zwischen 1,50 und unter 1,30 Euro. Ist das nicht volatil genug?
Heiden: Diese Breite vollzog sich zwischen Januar und April und entspricht einer für das Währungspaar „normalen“ Bewegung. Diese kann von Währungsmanagern sehr renditestark genutzt werden. Kritisch war dann allerdings die Zeit bis September, als sich das Währungspaar seitwärts bewegte. Viele Investoren hatten wenig Vertrauen, weder in den Euro noch in den Dollar. Im Oktober gab es dann kurzfristige Gewinnmitnahmen, die einen starken Trendwechsel auslösten, der aufgrund der aktuellen Sorgen um Griechenland im November wieder drehte.
procontra: Ein „Höhepunkt“ war sicherlich die Kopplung des Franken an den Euro. Wie bewerten Sie dies?
Heiden: Dieser Eingriff kann als epochales Ereignis beschrieben werden. Für uns bedeutete dies zunächst, dass wir den Handel des Währungspaares eingestellt haben. Beruhigt sich das politische Umfeld zum Thema Staatsverschuldung in Europa und den USA, kann erwartet werden, dass sich die internationalen Investoren wieder Anlagen suchen werden, die eine höhere Rendite erwarten lassen, was dann wiederum zum Abfluss von Geldern aus dem Schweizer Franken und einer Abwertung der Währung führen wird. Spannend ist dann die Reaktion der Schweizer Zentralbank, die sich allerdings nicht prognostizieren lässt.
procontra: Was erwarten Sie für den Euro-Dollar-Kurs 2012?
Heiden: Allgemein erwarten wir weiter hohe Schwankungsbreiten an den Märkten. Das teilen auch über 40 Großbanken, die bis Ende 2012 Kurse in Euro-Dollar zwischen über 1,50 und unter 1,20 prognostizieren. Unser Währungsmanagement versucht diese Trends, unabhängig von der Richtung, über verschiedene Zeithorizonte zu identifizieren und zu nutzen.
procontra: Wie bewerten Sie die Emerging-Markets-Währungen, die als attraktiver gelten als die Leitwährungen?
Heiden: Aus Diversifizierungsgründen gehört ein Teil des Portfolios auch in Emerging-Markets-Währungen. Allerdings bergen diese noch immer deutlich höhere Risiken als die G10-Staaten, was sich in den höheren Renditeerwartungen und Zinsen ausdrückt. Viele Emerging-Markets-Währungen haben 2011 tendenziell abgewertet, weil viele institutionelle Investoren risikobehaftet investierte Gelder ins Heimatland zurückholen, was sich tendenziell negativ auf Emerging-Markets-Währungen auswirkt. Die zukünftige Entwicklung wird von der eigenen Wirtschaftsentwicklung und dem Zufluss internationaler Investorengelder abhängen, was wiederum durch die politische Stabilität im eigenen Land bedingt wird.
procontra: Wie können Privatanleger ein Wechselkursrisiko vermeiden?
Heiden: Der private Anleger sollte in in Euro notierte Fondsanteile investieren, wie sie von vielen Anbietern bereits aufgelegt wurden. Dadurch hat er kein Wechselkursrisiko und muss kein eigenes Management desselben – das sehr aufwendig ist – betreiben. Anlegern, die von den Wechselkursen und Währungsmärkten profitieren wollen, empfehlen wir ein breit diversifiziertes Fondsprodukt.













Kommentare