Ergo versichert Terroristen

Versicherungen von Tina Gilic

Keine Pause für die Ergo: Eine schlechte Schlagzeile jagt die nächste (procontra berichtete). Jetzt kam heraus, dass der Versicherungskonzern einem El-Kaida-Terroristen trotz Warnungen des Verfassungsschutzes Policen verkauft hat.

Wie das Handelsblatt am Freitag berichtete, hat die Ergo-Tochter Victoria einem zur Fahndung ausgeschriebenen islamistischen Terroristen in ihrer Kundenkartei geführt. Dem Bericht zufolge, ließ die Victoria auch dann nicht vom Kunden ab, als sich der Verfassungsschutz einschaltete.

Im September 2004 schloss Yassar Abu Shaweesh eine Lebensversicherung bei dem Victoria-Vertreter Marcus Jansen ab. Für seine 21-jährige Frau wählte der staatenlose Palästinenser eine Risiko-Lebensversicherung mit einer Laufzeit über 10 Jahre und einer Auszahlung nur im Todesfall. Am selben Tag unterschrieb er außerdem den Antrag für eine Haftpflichtversicherung. Dadurch waren Shaweesh und seine Frau weltweit gegen von ihnen verursachte Personen- und Sachschäden von jeweils bis zu zwei Millionen Euro versichert.

Zurück in seinem Büro erstellte Jansen die drei Policen und schickte sie elektronisch an die Zentrale der Victoria Versicherungs AG in Düsseldorf. Die Risiko-Lebensversicherung kam ihm damals schon verdächtig vor. Zwei Monate später bekam der Victoria-Vertreter dann Besuch vom Verfassungsschutz. Ein Staatsbeamter erklärte ihm, dass sein Kunde den eigenen Tod vortäuschen und mit der ausgezahlten Versicherungssumme die El-Kaida unterstützen wolle. Eine Leiche in Ägypten sei bereits organisiert.
Jansen wandte sich an die Hauptverwaltung der Victoria. Man war sich einig, die Verträge aufzulösen. Tatsächlich wurde jedoch nur die Lebensversicherung gekündigt. Risiko-Lebensversicherung und Haftpflichtversicherung liefen weiter.

Wie sich später herausstellte, war die Victoria nicht die einzige betroffene Gesellschaft. Eine ganze Reihe von Lebensversicherern sollten betrogen werden. Die Beute sollte zwischen der Familie Shaweeshs und dem Terror-Netzwerk El-Kaida aufgeteilt werden. Shaweesh selbst plante nach den Betrugsfällen sein eigenes Selbstmordattentat. 2005, kurz vor seinem geplanten Aufbruch nach Ägypten, nahm ihn die Polizei in Bonn fest. 2007 wurde der  Palästinenser wegen der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt.

Der Bund der Versicherten verurteilt das Verhalten der Ergo: „Auf die konkrete Gefahr eines Versicherungsbetrugs wurde die Victoria im Falle eines international gesuchten Terroristen durch den Verfassungsschutz hingewiesen. Auch der Vermittler wies die Victoria auf Ungereimtheiten hin. Dennoch reagierte das Unternehmen nicht konsequent und verschleppte die Beendigung der Verträge.“

Die Ergo indes verteidigt sich in einer Stellungnahme: „Wir weisen die im Artikel erhobene Unterstellung, Ergo sei ein Terror-Versicherer und mache Geschäfte mit Terroristen, strikt zurück. Wir prüfen derzeit, ob juristische Schritte einzuleiten sind.“ Zwar bestätigte der Konzern den Abschluss der drei Policen, die Lebensversicherung sei aber bereits kurz nach Vertragsabschluss im Oktober 2004 vom Versicherten selbst widerrufen worden. Die anderen beiden Verträge seien aufgrund von fehlenden Beitragszahlungen im Februar 2005 erloschen.

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Foto: © Oleg_Zabielin – Fotolia.com

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