„Lebensplanung und Finanzkompetenz sollten schon an Schulen gelehrt werden“

Themenseite Ratenkreditmarkt von Juliane Moghimi

procontra: Was raten Sie Menschen, denen es schwerfällt, den eigenen finanziellen Rahmen nicht zu überschreiten?  

Maus: Zunächst ist es wichtig, sich einen Überblick über die Einnahmen- und Ausgabensituation zu verschaffen. Dafür haben wir ein Haushaltsplan-formular, welches auch viertel-, halb- und ganzjährige Ausgaben berücksichtigt. Nachdem der Klient dann weiß, wie viel Geld nach Abzug der Fixkosten für den Lebensunterhalt bleibt, hat er einen Überblick, ob er gegebenenfalls seine Fixkosten senken sollte (Beispielsweise durch Kündigung von Zeitungs- oder Fitnesscenter-Abos, Verkauf des Autos etc.) und kann sein verbleibendes Geld in Zeiteinheiten einzuteilen: Wie viel Geld habe ich pro Woche zur Verfügung, wie viel im Monat und wie viel muss ich zur Seite legen?    

procontra: Wie kann man langfristig vorsorgen, bzw. sich gezielt gegen Überschuldung schützen?  

Maus: Lebensplanung und Finanzkompetenz sollten schon an Schulen gelehrt werden: Was brauche ich wirklich? Welche Lebenspläne kann ich mit einem bestimmten Einkommen machen? Wie kann ich mit wenig Geld ein gutes, selbstbestimmtes Leben führen? Ich würde sagen, dass Menschen mit einem höheren Bildungsstand bessere Möglichkeiten haben, ohne Selbstwertverlust mit weniger Geld auszukommen und dem gesellschaftlichen Konsumdruck standzuhalten. Hier wäre auch die Politik gefordert, um einerseits die Menschen vor zu leichten Krediten, trügerischen Verträgen (besonders Mobilfunkt) etc. zu schützen und andererseits die Finanzkompetenz in die allgemeine Bildung aufzunehmen und zu finanzieren.        

procontra: Wie können Partner oder Familienangehörige Menschen unterstützen, die dazu neigen, über ihre Verhältnisse zu leben?  

Maus: Es wäre möglich, einvernehmlich für einen gewissen Zeitraum die Verwaltung des Geldes durch eine nahestehende Person vornehmen zu lassen, zum Beispiel wenn eine Spielsucht vorliegt oder aus anderen Gründen ein Kontrollverlust des Schuldners zu befürchten ist. Die Zuteilung von rationierten Geldbeträgen senkt so das Risiko kurzfristig. Prinzipiell ist jedoch wichtig, die Person an eine eigenverantwortliche Lebensführung heranzuführen. Familienangehörige oder Partner können zum Beispiel beim Führen eines Haushaltsbuches, beim Sortieren von Unterlagen und somit bei der Schaffung von Klarheit und Überblick unterstützen, wenn dies von der betroffenen Person gewünscht wird. Bei weiterreichenden psychosozialen Problemen kann eine nahestehende Person ebenfalls zur Inanspruchnahme von professioneller Hilfe raten und die Person begleiten. Suchterkrankungen und psychische Erkrankungen führen nicht selten zur Verschuldung und müssen somit ebenfalls für die nachhaltige Problemlösung berücksichtigt werden. Eine professionelle Schuldnerberatung ist in jedem Fall der richtige Weg.

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare