Immobilienmarkt Deutschland: Hot or not?

Baufinanzierung

Viele Experten warnen bereits vor einer Blase am deutschen Immobilienmarkt. Ein Blick auf zahlreiche Fakten zeigt jedoch: Von Hitze ist vielerorts nur wenig zu spüren.

Viele Experten warnen vor einer Blase am deutschen Immobilienmarkt. Bild: shutterstock.com/Irina Kozorog

Es ist eine Debatte, die bereits seit langem schwelt: Ist der deutsche Immobilienmarkt überhitzt, ja oder nein? Fakt ist, dass die Kaufpreise für Immobilien seit etwa 2009 kontinuierlich steigen – vor allem in den Metropolen. Dort werden allerdings auch die Mieten immer teurer. Die Bundesbank hat bereits im Februar dieses Jahres davor gewarnt, dass die Preise für Wohneigentum in den Städten deutlich über dem gerechtfertigten Niveau lägen. Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung sieht laut einer aktuellen Studie zwar Anzeichen für eine Spekulationsblase in einigen OECD-Länder, darunter Deutschland, dort allerdings vor allem bei mehrstöckigen Wohnungsneubauten in den sieben großen Städten Berlin, München, Düsseldorf, Frankfurt, Stuttgart, Hamburg und Köln.

Von einzelnen Städten und Regionen kann man jedoch nicht auf die gesamte Republik schließen. Das bestätigt auch DIW-Immobilienexperte Claus Michelsen: „Insbesondere die vergleichsweise geringe private Verschuldung hierzulande und die solide Finanzierung von Immobilienkäufen sprechen unter dem Strich gegen eine spekulativ getriebene Fehlentwicklung im gesamten Land.“

Weitere Argumente, die gegen eine Überhitzung des deutschen Immobilienmarktes sprechen, liefert Thomas Hein, Leiter Partnervertrieb bei der ING-DiBa: „Natürlich sorgen die niedrigen Zinsen dafür, dass sich mehr Deutsche den Traum vom Eigenheim erfüllen. Wir sehen jedoch auch, dass in diesem attraktiven Zinsumfeld die durchschnittliche Tilgungsrate steigt. Aktuell liegt sie bei rund 3,5 Prozent, was auf eine solide Finanzierungsstruktur deutet.“

Den Grund für die kontinuierlich steigenden Immobilienpreise sieht Experte Hein eher in der hohen Nachfrage begründet, die seiner Ansicht nach auch in absehbarer Zeit nicht nachlassen werde, weil das Angebot in vielen Regionen knapp sei. Wobei man auch nicht vergessen dürfe, dass die Preise in vielen Regionen seit längerem stabil oder sogar leicht rückläufig sind.

Zudem betont Hein wie auch DIW-Experte Michelsen, dass die Beratung bei der Baufinanzierung in Deutschland vorbildlich sei: „Neben der hohen Tilgung sind Immobilienkredite in Deutschland langfristig orientiert. Zinsen werden im Schnitt mindestens für zehn Jahre gesichert, sehr häufig sogar für 15 oder 20 Jahre. Das spricht für eine nachhaltige Beratung der Immobilienkäufer und auch Banken machen ihre Hausaufgaben. Vor Abschluss eines Darlehens werden Annuitäten zwischen fünf und sechs Prozent geprüft, obwohl die derzeit deutlich unter fünf Prozent liegen. Damit sind die Kredite in Deutschland insgesamt sehr solide kalkuliert.“

Und auch wenn das Niedrigzinsumfeld über kurz oder lang wohl zu einem Ende kommen wird, ist selbst dann nicht mit einem sprunghaften Anstieg der Zinsen zu rechnen, wie die EZB immer wieder betont. Vermutlich wird sich die Immobiliennachfrage in Deutschland dann moderat abschwächen, der langfristige positive Trend aber sollte ungebrochen bleiben.

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