PKV, GKV oder Bürgerversicherung – wie wird es im Ausland praktiziert?

Private Kranken Themenseite von Beatrix Altmann

Die Debatte im Gesundheitswesen über die Wahl der Versicherung beschränkt sich nicht nur auf Deutschland. Doch wie lösen unsere Nachbarländer die „Systemfrage“? Procontra stellt im Ländercheck einige Modelle vor.

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Debatte um das richtige Gesundheitssystem: procontra schaut über den Nachbarzaun. (Symbolbild) pixabay / 858265

Umfangreicher Leistungskatalog, freie Arztwahl, geringe Wartezeiten, Innovationen und moderate Eigenbeteiligungen: Trotz nachweislicher Schwächen braucht sich das deutsche Gesundheitssystem im europäischen Vergleich nicht zu verstecken. Als einen der Hauptgründe für das hohe Versorgungsniveau sieht das Wissenschaftliche Institut der privaten Krankenversicherer (WIP) das duale Krankenversicherungssystem. Einen der großen Vorteile des hiesigen Gesundheitssystems sieht das WIP vor allen Dingen darin, dass gesetzlich und privat versicherte Patienten in einem gemeinsamen Versorgungssystem behandelt werden.


Doch wie sieht es bei unseren europäischen Nachbarn aus? Wir haben einmal über den Zaun geschaut.

Beispiel Niederlande

In den Niederlanden wurde im Jahr 2006 das vormals duale System aus einer gesetzlichen und privaten Krankenversicherung in ein einheitliches Krankenversicherungssystem überführt – quasi die viel zitierte Bürgerversicherung. Mit der Reform sollte das Gesundheitssystem durch mehr Wettbewerb zum einen effizienter gemacht werden, zum anderen wollte man die Selbstverantwortung der Versicherten durch Selbstbehalte fördern und die Kostenentwicklung mindern. Unabhängig vom Einkommen zahlt jeder Niederländer 110 Euro für den Basistarif, der Arbeitgeber gibt 6,65 Prozent des Bruttolohns dazu. Zudem gibt es eine Selbstbeteiligung von 385 Euro pro Jahr. Das Ergebnis fällt eher nüchtern aus: Von Kostendämpfung durch eine Einheitsversicherung kann keine Rede sein, ebenso findet nicht wirklich ein Wettbewerb statt. Die Basisversicherung deckt nur ein Grundangebot ab, daher haben rund 95 Prozent der Niederländer eine Zusatzversicherung.


Fazit: Als Vorbild für Deutschland taugt das niederländische Krankenversicherungssystem nicht. Ohne Zusatzversicherung ist keine ausreichende Versorgung möglich.

Beispiel Großbritannien

Eine klassische Krankenversicherung gibt es in England nicht. Das englische Gesundheitssystem (National Health Services, NHS) ist steuerfinanziert und gewährt jedem Bürger freien Zugang zu medizinischer Versorgung. Sie umfasst unter anderem Krankenhäuser, Allgemeinärzte, Fachärzte, Zahnärzte, Augenärzte und Ambulanzdienste. Einige Dienste, wie Krankenhausaufenthalte sind kostenlos, für andere wie Arzneimittel, Zahnarztbehandlungen und Brillen wird eine Gebühr festgelegt. Doch der Brexit ging auch nicht spurlos am britischen Gesundheitssystem vorbei. Dem englischen Gesundheitssystem droht der Kollaps. Die Wahlfreiheit der Ärzte ist stark eingeschränkt – die Postleitzahl bestimmt, zu welchem Hausarzt der Patient gehen muss. Laut einer Untersuchung des OECD sind die Wartezeiten in britischen Krankenhäusern im Vergleich zu anderen europäischen Ländern am längsten. Besonders hart treffe es Patienten, die auf Operationen warten, die nicht lebensnotwendig sind – die Anmeldung auf ein künstliches Hüftgelenk kann unter Umständen mehrere Monate dauern. Im aktuellen Ranking der europäischen Gesundheitssysteme belegte Großbritannien Platz 16, noch hinter Ungarn.


Fazit:
Auch hier sind Zusatzversicherungen auf dem Vormarsch – rund jeder Fünfte besitzt bereits eine zusätzliche Police. Auch eine private Vollversicherung ist möglich. Allerdings gibt es für diese Patienten keine Steuererleichterung.

Beispiel Dänemark

In Dänemark gibt es nur eine gesetzliche Krankenkasse, bei der Mitglieder zwischen zwei Versicherungsvarianten wählen können. Dabei entscheiden sich knapp 98 Prozent für das Hausarztmodell. Dabei werden die Versicherten bei einem Hausarzt im Umkreis von zehn Kilometern eingetragen – allerdings kann ein Arztwechsel nicht ohne weiteres erfolgen. Die zweite Variante ermöglicht die freie Arztwahl. Hier sind die Ärzte allerdings nicht an eine Tarifordnung gebunden, so können deutlich höhere Aufwendungen abgerechnet werden und diese Differenz muss vom Patienten selbst getragen werden. Die medizinische Versorgung von Haus- und Fachärzten wird voll übernommen, ebenso die Notfallbehandlung im Krankenhaus. Die häusliche Pflege fällt in Dänemark ebenfalls in den Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung. Diese wird in voller Höhe übernommen. Allerdings müssen die Patienten in Dänemark sehr lange Wartezeiten im Krankenhaus in Kauf nehmen.


Fazit: Eine private Krankenversicherung wie in Deutschland gibt es in Dänemark nicht. Daher besitzen viele Dänen eine Zusatzversicherung.

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