Risikoleben: „Leistungsunterschiede sind entscheidend“

Risikolebensversicherung von Julia Thiem

Risikolebensversicherungen sind in Aufbau und Qualität nicht immer gleich. Darum lohnt es sich vor Abschluss, genau hinzuschauen und sich gegebenenfalls beraten zu lassen, erklärt Versicherungsmakler Oliver Mest.

procontra: Ist Risikolebensversicherung gleich Risikolebensversicherung?

Oliver Mest: Das scheint auf den ersten Blick so, denn bei der Absicherung des Todesfallrisikos gibt es vermeintlich keine Zwischentöne: Schwarz oder Weiß, tot oder nicht, versichert oder eben nicht. Tatsache ist aber: Es gibt zum einen deutliche Leistungsunterschiede. Gerade die sogenannten Premium-Policen bieten mit einer umfangreichen Nachversicherungsgarantie, mit vorgezogenen Todesfallleistungen bei einer wahrscheinlich zum Tode führenden Erkrankung oder einer Laufzeitverlängerung lange nach Vertragsschluss Leistungsmerkmale, die im Einzelfall wichtig und gewünscht sein können. Als Makler und Experte erstellen wir regelmäßig Tests zur Risikolebensversicherung – und die Ergebnisse zeigen, wie unterschiedlich die Tarife tatsächlich sind.

procontra: Auf welche Qualitätsmerkmale sollte man bei Abschluss besonders achten?

Mest: Neben den erwähnten Leistungsmerkmalen ist die Finanzkraft der Risikolebensversicherung ein wichtiges Kriterium für uns. Denn je stabiler das Unternehmen dasteht, desto stabiler sind langfristig auch die Beiträge. Wenn Lebensversicherer schlecht wirtschaften oder kalkulieren, werden mit allergrößter Wahrscheinlichkeit die Beiträge erhöht und der Kunde muss deutlich mehr zahlen – vielleicht sogar so sehr, dass er sich den wichtigen Schutz nicht mehr leisten kann. In diesem Zusammenhang achten wir auch auf das Verteuerungsrisiko, also die Spanne zwischen den Brutto- und den um Überschüsse reduzierten Nettobeiträgen. Die Spanne kann hier bei 30, 40, 50 Prozent liegen – oder bei über 200 Prozent. Im Klartext: Der Beitrag kann sich dann verdreifachen. Und je höher dieses Verteuerungsrisiko ist, desto größer das Risiko für den Kunden, dass seine Beiträge durch die Decke gehen. 

procontra: Wie kann man als ‚Laie’ die Spreu vom Weizen trennen?

Mest: Beratung ist das Zauberwort. Gerade die Risikolebensversicherung wird bei Direktversicherungen gerne im Internet abgeschlossen – Aspekte wie Verteuerungsrisiko und Rating sind da aber oft kein Thema. Nur ein guter Berater kann helfen, die Kennzahlen zu lesen und einzuschätzen. Und auch steuerliche Aspekte werden im Internet meist nicht berücksichtigt. So kann die falsche Vertragsgestaltung Steuerpflichten im hohen fünfstelligen Bereich auslösen, die durch eine gute Beratung ganz einfach zu vermeiden wären. Und auch die im Einzelfall wichtigen Leistungsunterschiede können dann ganz konkret auf ihre Relevanz geprüft werden. 

procontra: Welche Fragen muss ich zunächst als Versicherungsnehmer für mich selbst beantwortet haben?

Mest: Eine optimale Beratung setzt voraus, dass der Kunde weiß, was er eigentlich absichern will. Klassisch will der Hauptverdiener sein Einkommen absichern – dazu vielleicht noch Darlehensverpflichtungen. Aber was ist mit dem Partner? Kümmert der sich um die Kinder, muss auch das abgesichert werden. Denn bei einem Unglück müssen die Kinder versorgt werden, wenn nicht der Hauptverdiener zu Hause bleiben kann und will. Wenn der Kunde selbst weiß, was und wen er absichern will, dann kann ein guter Berater dabei helfen, die richtige Höhe der Absicherung zu ermitteln. 

procontra: Was empfehlen Sie Kunden bei der Auswahl außerdem?

Mest: Nicht zu vorschnell agieren – auch hier verleitet das Internet dazu, mal ‚schnell’ ein Angebot anzufordern oder den Vertragsschluss zu probieren. Das Problem: Gerade bei Vorerkrankungen ist online kaum Schutz zu bekommen, Anträge werden in der Regel abgelehnt. Und das heißt: Wird ein weiterer Antrag gestellt, muss diese Online-Ablehnung angegeben werden. Das erschwert die Suche nach der passenden Police immens. Lieber bei einem Berater eine Risikovoranfrage stellen – damit werden auf einen Schlag 25 bis 30 Gesellschaften angefragt, die dann ihr Votum zur Versicherbarkeit abgeben. Die Kunden wissen dann, wer sie versichert und was sie dort für Konditionen bekommen – und suchen sich den passenden Versicherer aus. 

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