Guter Herbst für Aktien
Helmut Knestel ist Fondsmanager des unabhängigen Finanzdienstleisters GECAM AG. In seiner aktuellen Markteinschätzung äußert er sich über die Entwicklung deutscher Aktien und erklärt, warum Renteninvestments derzeit besser gemieden werden sollten.
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Seit April oszilliert der DAX zwischen 5.800 und 6.300 Punkten. Die teilweise enormen Schwankungen spiegeln die hohe Nervosität der Marktteilnehmer wieder. Ein sicheres Indiz dafür, dass die Märkte in hohem Maße technisch geprägt, also vorwiegend von kurzfristig orientierten Marktteilnehmern bestimmt sind. Die Auslöser der Nervosität sind vielfältig: Mal kommt der Impuls vom Devisenmarkt, wo vermeintliche Krisenwährungen, wie der japanische Yen und auch der US-Dollar, trotz schlechter Konjunkturdaten massiv anzogen. Ein anderes Mal sind wieder aufflammende Sorgen über die weitere Entwicklung der Konjunktur die Ursache. Hierfür sind vor allem die schlechten Entwicklungen in den USA verantwortlich. Sie geben Anlass für neue Rezessionsängste, die im so genannten Double Dip gipfeln.
Asymmetrische Risikowahrnehmung bei Investoren
Die hohen Schwankungen an der Börse bescherten vielen Marktteilnehmern in diesem Jahr enorme Verluste. Weder fundamentale Modelle noch Trendfolgemodelle lieferten bisher positive Ergebnisse. Darüber hinaus treibt diese Entwicklung immer mehr private und institutionelle Anleger aus den Märkten. Die extreme Risikoaversion der Anleger gegenüber Aktien führte zuletzt zu einem Run in lange Rentenlaufzeiten, wodurch die zehnjährigen Renditen hierzulande auf historische Tiefs zusammenschmolzen – von 3,4 Prozent auf 2,1 Prozent. Das Rentenbarometer Bund-Future legte allein in den letzten vier Wochen 600 Basispunkte zu, nahm also einen fast blasenähnlichen Verlauf an.
Deutscher Aktienmarkt könnte sich von USA und Japan abkoppeln
Deutschland als Exportnation wird wohl weiterhin vom niedrigen Euro profitieren. Die Bewertung deutscher Aktien ist nach wie vor attraktiv und das Zinsumfeld sehr vorteilhaft. Es ermöglicht den Unternehmen, neben einer günstigen Refinanzierung des operativen Geschäfts, auch Aktienrückkäufe und Übernahmen zu finanzieren. Gerade amerikanische und japanische Unternehmen, deren Cash-Reserven in US-Dollar und Yen gegenüber dem Euro stark aufgewertet haben, gehen vermehrt in Europa auf Schnäppchenjagd. Eine gewisse Abkopplung des deutschen Aktienmarktes von den Aktienmärkten in den USA und Japan ist durchaus möglich. Darüber hinaus sind Aktien der wachstumsstarken Volkswirtschaften aus den Emerging Marktes attraktiv. Im Rentenmarkt scheint ein Anstieg der deutschen Zehnjahresrenditen in Richtung drei Prozent sehr wahrscheinlich.
Anleiheinvestments vorerst meiden
Portfolios im Bereich eines DAX-Niveaus um 5.800 Punkte stellen attraktive Einstiegsgelegenheiten dar. Renteninvestments in Staatsanleihen und Unternehmensanleihen sollten dagegen gemieden werden. Dem Euro ist nach der erfolgten 50-Prozent-Korrektur des vorangegangenen Anstiegs von 1,18 auf 1,31 eine weitere positive Entwicklung in Richtung 1,35 bis 1,38 zuzutrauen. Von einem schwächeren US-Dollar werden auch Rohstoffe indirekt profitieren.
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