Neues aus den Schwellenländern
Höhere Rohstoffpreise und positive Wirtschaftsdaten führten zu einer Erholung der Aktienmärkte in den Schwellenländern. Mark Mobius, Managing Director der Templeton Emerging Markets Fund, gibt einen Überblick über die wichtigsten Regionen.
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Der MSCI Emerging Markets Index gewann in US-Dollar 8,4 Prozent. Die Märkte in Osteuropa und Lateinamerika lagen mit zweistelligen Erträgen an der Spitze. Grund dafür ist die Erholung der Regionalwährungen und der Rohstoffpreise. Der südafrikanische Markt profitierte von der erfolgreichen Ausrichtung der Fußball-WM 2010. Die asiatischen Märkte schnitten dagegen trotz rekordhoher Gewinne schwächer ab, da das regionale BIP und die Produktionssteigerungsraten nachließen. Im Regionalvergleich zeigten sich Südkorea, Pakistan, Taiwan und Singapur gegenüber dem indischen Markt überlegen. Angst vor einer Überhitzung und steigender Inflationsdruck sorgten auf diesem dafür, dass er den Monat praktisch unverändert beschloss.
China
Die chinesische Wirtschaft legte im 2.Quartal 2010 gegenüber dem Vorjahr um 10,3 Prozent zu. Im 1. Quartal 2010 hatte das BIP-Wachstum sogar fast 12 Prozent betragen. Wichtigster Wachstumstreiber war der Infrastruktursektor. Ein Aufleben der Nachfrage im Aus- und Inland stützte die Wirtschaft zusätzlich. Außerdem ließ der Inflationsdruck nach, weil die Transport- und Kommunikationskosten fielen. Die Verbraucherpreise erhöhten sich im Juni im Jahresvergleich um 3 Prozent. Eine Erholung der Exporte in den letzten Monaten brachte die Regierung dazu, die Exportrabatte zu streichen, die bei Einsetzen der globalen Krise 2008 eingeführt worden waren.
Südkorea
Das südkoreanische BIP wuchs im Juni 2010 mit 7,2 Prozent im Jahresvergleich unerwartet schnell. Die Markterwartungen wurden damit zwar übertroffen, doch die im 1. Quartal des Jahres erreichte Expansion von 8,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr verfehlt. Südkoreas kräftiger Wirtschaftsaufschwung veranlasste die Zentralbank im Berichtsmonat zur ersten Zinsanhebung seit Beginn der globalen Finanzkrise 2008. Der Leitzins wurde um 0,25 Prozent auf 2,25 Prozent heraufgesetzt.
Indien
Die indische Notenbank verschärfte ihre Politik weiter – mit zwei Zinsschritten im Juli, die aufgrund von Inflationssorgen erfolgten. Der umgekehrte Repo-Satz wurde insgesamt um 0,75 Prozent auf 4,5 Prozent erhöht, der Repo-Satz um 0,5 Prozent auf 5,75 Prozent. Rege Inlandsnachfrage heizte den Inflationsdruck weiter an. Die Großhandelspreise stiegen im Juni gegenüber dem Vorjahr um 10,6 Prozent. Der Handelssektor verzeichnete erneut kräftiges Wachstum. Die Exporte nahmen im Juni im Jahresvergleich um 30,4 Prozent auf 17,7 Mrd. US-Dollar zu. Auch die Importe verzeichneten mit einem Anstieg von 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr zweistelliges Wachstum. Daraus ergab sich mit 32,3 Mrd. US-Dollar ein größeres Handelsdefizit als im Juni 2009 mit 23,5 Mrd. US-Dollar.
Brasilien
Die brasilianische Regierung kündigte im Zuge der Vorbereitungen des Landes auf die Fußball-WM 2014 Pläne zur Investition von 18,7 Mrd. US-Dollar in die Entwicklung der Infrastruktur an. In Rio de Janeiro werden zudem die Olympischen Spiele 2016 stattfinden. Diese Ereignisse verbessern nicht nur Brasiliens Image und seinen Reiz für ausländische Investoren, sondern fördern auch die heimische Wirtschaft durch höhere Investitionen und mehr Konsum, Beschäftigung und Tourismus. Die Zentralbank straffte die währungspolitischen Zügel weiter, indem sie den Leitzins um 0,5 Prozent auf 10,75 Prozent heraufsetzte. Die Verbraucherpreise stiegen im Juni im Jahresvergleich um knapp 5 Prozent. Die rückläufige Inflation könnte zur Beruhigung von Überhitzungssorgen in der Wirtschaft beitragen.
Südafrika
In Südafrika wiesen die gemeldeten Daten im Juli auf eine Erholung der Inlandsnachfrage hin. Der private Konsum nahm infolge höherer Einkommen und niedrigerer Zinsen zu. Er erhöhte sich in den ersten drei Monaten 2010 gegenüber dem Vorquartal um 5,7 Prozent. Die Inflation hielt sich auf dem tiefsten Stand seit knapp vier Jahren. Aufgrund niedrigerer Transportkosten stiegen die Verbraucherpreise im Juni um 4,2 Prozent.
Russland
Die Industrieproduktion in Russland blieb im 2. Quartal 2010 mit 11 Prozent im Jahresvergleich hoch. Wichtige Wachstumstreiber waren unter anderem die Sektoren Produktion sowie Maschinen- und Anlagenbau. Aus der Teilprivatisierung von Staatsbetrieben sollte die Regierung zwischen 2011 und 2013 30 Mrd. US-Dollar erlösen. Auf der Russlandreise des vietnamesischen Parteigeneralsekretärs Nong Duc Manh vereinbarten die beiden Länder beschleunigte Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen sowie eine Intensivierung der Beziehungen in Bereichen wie Handel, Investitionen und Bildung.
Türkei
Das BIP-Wachstum in der Türkei beschleunigte sich dank eines Anstiegs von Konsum und Investitionen. Im 1. Quartal wuchs das BIP im Jahresvergleich um 11,7 Prozent. Der private Konsum nahm im 1. Quartal im Jahresvergleich um fast 10 Prozent zu und war damit doppelt so hoch wie noch im Vorquartal (4,8 Prozent). Die Verbraucherpreisinflation erreichte im Juli ein Siebenmonatstief von 7,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Juni hatte der Anstieg im Jahresvergleich noch 8,4 Prozent betragen.
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