Nachholbedarf
Die Schwellenländer entwickeln sich zunehmend zu einem Kerninvestment in vielen Depots. Die deutschen Fondsgesellschaften spielen renditemäßig allerdings noch in Liga zwei. Woran das liegt und welchen Vorsprung die ausländischen Fondshäuser haben.
Allianz, DWS & Co. hinken in den Emerging Markets hinterher. Zu diesem Resultat kam zumindest eine Untersuchung aus dem Hause Feri EuroRating Services. Anhand verschiedener Performance- und Risiko-Kennziffern wurden 900 Fonds von insgesamt 152 Fondsgesellschaften mit dem Anlageschwerpunkt Emerging Markets untersucht. Das ernüchternde Ergebnis aus deutscher Sicht: Unter den ersten 20 Fondsgesellschaften befindet sich keine einzige deutsche. Stattdessen bilden die britische First State, die französische Comgest, die schottische Aberdeen und die österreichische Raiffeisen KAG das Spitzenquartett.
Faktor Russland. Von den vier besten deutschen Gesellschaften – gemessen am verwalteten Fondsvermögen – DWS (51. Platz), Deka (43.), Allianz Global Investors (22.) und Union Investment (52.) schaffte es keine unter die besten 20 der Feri-Rangliste. „Groß und bekannt heißt nicht gleichzeitig, dass die Fondsgesellschaften auch eine erfolgreiche Produktpalette haben“, heißt es dazu in der Studie. Andreas Gummich, Produktspezialist für Emerging Markets bei der DWS, relativiert: „Andere Fondsgesellschaften sind in der Anlageregion der Schwellenländer besser aufgestellt. Doch rückblickend sollte man die Sonderentwicklungen 2008 beachten.“ Gummich bezieht sich auf den Faktor Russland, der aus seiner Sicht den entscheidenden Performance-Unterschied im Sommer 2008 ausmachte. Während die amerikanischen und angelsächsischen Gesellschaften auf Russlands Konflikt mit Georgien mit Empörung und entsprechendem Mittelabzug reagierten, „registrierte man zwar den Konflikt, hielt russische Titel jedoch weiter für werthaltig“. Fundamental zu Recht. Doch als sechs Wochen später der Lehman-Knall die Marktverwerfungen ins Rollen brachte, wurde das starke Russlandgewicht den Emerging-Markets-Fonds zum Verhängnis. Während die Schwellenländer im Durchschnitt 45 Prozent verloren, verzeichnete man in Russland 70 Prozent. Und diese Positionen waren in Emerging-Markets-Fonds ausländischer Fondsgesellschaften, aufgrund des vorherigen Mittelabzugs, bereits deutlich geringer als in denen deutscher Fondsgesellschaften, meint Gummich.
Christopher Wolter, Feri-Fondsanalyst, bezeichnet diese unterschiedliche Bewertung relevanter Ereignisse auch als ein „Vor-Ort-Problem“: „Um Unternehmen und Wertpapiere in den wesentlich intransparenteren Schwellenländern exakt und zeitnah bewerten zu können, sind Research-Kapazitäten vor Ort von großer Bedeutung. Und hier haben die ausländischen Fondsgesellschaften noch immer einen Vorsprung.“ Für Stefanie Waldeck, Pressesprecherin der Allianz Global Investors, hat das globale Research der zum Konzern gehörenden RCM und PIMCO vor allem in den Teilmärkten wie BRIC oder der Asien-Pazifik-Region bereits seine Qualität nachgewiesen. Zudem sei es eine gute Voraussetzung, um auch mit den breiter aufgestellten Emerging-Markets-Produkten weiter aufzuholen. Auch Gummich stellt ein Vor-Ort-Problem vehement in Abrede: „Das ist definitiv nicht so. Wir haben allein in China, über ein Joint Venture, Zugriff auf über 100 Analysten, die zum Teil direkt an die Fondsmanager berichten.“
Performance-Vergleich. Natürlich wollen sich die großen deutschen Fondsgesellschaften nicht nachsagen lassen, dass ihr Research – unabhängig davon, welchen Markt es betrifft – unzureichend aufgestellt sei. Und in puncto Quantität haben sich die Gesellschaften sicherlich nichts vorzuwerfen. Stellt man jedoch die Performancezahlen der vier großen deutschen denen der vier besten Fondsgesellschaften aus der Feri-Studie gegenüber, fällt das objektive Ergebnis eindeutig aus (siehe Grafik). So halten sich im laufenden Jahr die führenden Emerging-Markets-Fonds aller Gesellschaften noch in etwa die Waage. Doch mit zunehmender Laufzeit geht die Schere immer weiter auseinander. Besonders die Drei-Jahres-Sicht bescheinigt den ausländischen Fondsgesellschaften ein besseres Management während der allgemein schwachen Marktphase. Sie konnten allesamt Verluste vermeiden. Die Profis nennen das Downside Protection Management. Gummich räumt ein, dass da noch Aufholpotenzial für die deutschen Gesellschaften existiere. „Hier haben einige ausländische Fondsgesellschaften in den vergangenen drei Jahren nach Krisenausbruch einfach einen guten Job gemacht.“
Jan-Peter Dolff, Geschäftsführer der zweitplatzierten französischen Comgest, beziffert zudem den Stellenwert, den Emerging Markets in seinem Haus genießen: „Von unseren elf Milliarden Euro, die wir in Aktien verwalten, entfallen allein zwei Drittel auf Schwellenländer. Hier müssen wir ganz einfach erfolgreich sein, da andernfalls die Anleger ihre Mittel wieder abziehen. Bei den großen Fondsgesellschaften bilden die Emerging Markets hingegen nur einen kleinen Teil des Gesamtportfolios. Da wiegt ein Misserfolg nicht so schwer.“
Fokus Teilmärkte. Allianz Global Investors und auch die DWS verweisen auf ihre bereits nachgewiesene Stärke in einzelnen Teilbereichen der Schwellenländer. Der Asien-Pazifik-Raum und die bewährten BRIC-Länder zählen dazu. Der Allianz RCM China, der DWS Top50 Asien und der DWS Invest BRIC gehören hier – auch wenn die Fünf-Jahres-Listen wiederum von ausländischen Gesellschaften angeführt werden – zu den Top-Performern.
Aufgrund der Wachstumskraft der Schwellenländer und derer zukünftigen Vorteile gegenüber den entwickelten Märkten (siehe auch Interview) rücken Emerging-Markets-Fonds in den Mittelpunkt vieler Depots. Beim Kampf um den Kuchen sollten sich die deutschen Fondsgesellschaften nicht allein auf ihre Vertriebsstärke verlassen, sondern den starken Vermarktungs- auch starke Performanceleistungen folgen lassen.
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