Schwieriger Weg aus der Krise
Im Trümmerfeld der geschlossenen Fonds lassen sich derzeit nur wenige Konzepte mit großem Marktpotenzial erkennen. Welche Nischen es ins Rampenlicht schaffen können
Die Zeiten für geschlossene Fonds sind hart. Allein im vergangenen Jahr halbierte sich das platzierte Eigenkapital auf gut fünf Milliarden Euro. Auch 2010 hält der Sinkflug an. Anleger, Initiatoren und Vertrieb sind verunsichert. Über die Zukunft gibt es geteilte Meinungen. Ein Blick zurück verschafft Orientierung. „Denn wer sich die Vergangenheit im Detail ansieht, stellt fest, dass es keineswegs eine homogene Abwärtsbewegung des gesamten Marktes gibt“, sagt Dr. Helmut Knepel, Vorstand der Feri EuroRating Services AG. So gab es Segmente, die einen regelrechten Absturz erlebten, während andere ihre Platzierungsvolumina deutlich steigern konnten. Zu den Gewinnern zählen Energie-, Portfolio- und Infrastrukturfonds. Viele Schiffsfonds dagegen wurden versenkt. Abgestürzt sind auch Flugzeugfonds. Medien- und LV-Sekundärfonds, die Mitte der 2000er-Jahre viel Eigenkapital bei den Anlegern einwarben, fristen nur noch ein Nischendasein. „Aktuell kommen nur sehr vereinzelte Produkte dieser Segmente an den Markt“, bestätigt Yasmin Hammerschmidt von Scope. Ein Wechselbad der Gefühle erlebte Private Equity. Kurzfristig drehten die Initiatoren hier ein großes Rad. Seit Ausbruch der Finanzkrise im Herbst 2008 verlor dieses Segment aber deutlich an Bedeutung.
Deutschlandfonds ragen heraus. Wenn man sich aber die einzelnen Segmente genau anschaut, wird ersichtlich: Es gibt noch einen Gewinner, nämlich Immobilienfonds, die in Deutschland investieren. Ihr Marktanteil erhöhte sich bereits 2009. Im ersten Quartal 2010 setzte sich der Trend fort: Feri berichtet für den Gesamtmarkt von einem Rückgang des prospektierten Eigenkapitals um 16 Prozent auf 1,26 Milliarden Euro. Dem Trend trotzen konnten geschlossene Immobilienfonds, deren ausgewiesenes Eigenkapital um 40 Prozent auf 535 Millionen Euro wuchs. Das Plus ist Deutschlandfonds zu verdanken. Von 18 aufgelegten Immobilienfonds investieren 13 in Deutschland. Hier macht sich die im Vergleich zu anderen Ländern stabilere Entwicklung des deutschen
Immobilienmarktes bemerkbar. Immer stärker in den Vordergrund drängen Neue-Energien-Fonds. In den vergangenen zehn Jahren legte diese Vermögensklasse als einzige stetig zu. Dies belegen aktuelle Daten von Scope. „Energiefonds sind die Produkte, die sich in den vergangenen Jahren von einer Nische zum Mainstream entwickelt haben“, führt Hammerschmidt aus. Der Grund für dieses Wachstum ist die feste Einspeisevergütung für Ökostrom in vielen Ländern. Die staatliche Förderung sorgt bei den Betreibern der Anlagen für einen stabilen Mittelzufluss (Cashflow).
Stabile Cashflows im Trend. „Sicherheitsorientierte und klar strukturierte Produkte mit gut prognostizierbaren, stabilen Cashflows werden bei Anlegern auf die beste Akzeptanz treffen“, sagt Knepel. Gerade bei grüner Energie sehen Beobachter noch Potenzial. Bis 2020 sollen in Deutschland Erneuerbare Energien für mindestens 30 Prozent der Stromerzeugung stehen. Studien zufolge kann allein Biomasse weltweit 10 Prozent des Energiebedarfs decken. Am Aufbau der notwendigen Infrastruktur sind Bioenergiefonds beteiligt. Mit dem Geld der Anleger finanzieren sie Biogasanlagen, in denen Mais, Raps, Lebensmittelreste und Gartenabfälle vergären. Dadurch entsteht Biogas, das in einem Blockheizkraftwerk zur Stromerzeugung verbrannt wird.
Derzeit befinden sich gleich mehrere Bioenergiefonds in Emission, zum Beispiel Biocon Invest Biogasanlage Rogäsen, Biocon Invest Biogasanlage Glienick, MPC Capital Bioenergie oder C4 Energie Biogasanlage Rügen 2. Die Mindestanlagesumme beträgt jeweils 10.000 Euro, beim C4-Fonds 5.000 Euro. Die Anbieter stellen Renditen von mehr als 10 Prozent in Aussicht. Höhere Renditen verhindern bei vielen Produkten die relativ hohen Weichkosten, in denen sich etwa die Ausgaben für Planung und Vertrieb summieren.
Auch Wald- und Forstinvestments konnten sich der Krise entziehen. Die Preisentwicklung von Holz korreliert nicht oder kaum mit Aktien. Wald- und Forstbetriebe gelten zudem als Schutz vor Inflation. Aktuell sammelt zum Beispiel Nordcapital Gelder für den Waldfonds 2 ein. Ziel des Fonds ist es, in rumänische Wälder zu investieren und diese nachhaltig zu bewirtschaften. Angestrebt werden ab 2012 Auszahlungen von 4 Prozent p. a. nach Steuern in Rumänien. Ein Zusatzerlös ist möglich, wenn die Wälder nach zwölf Jahren verkauft werden.
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