Die große Mobilmachung

 

Die große MobilmachungDer Kapitalbedarf für Infrastrukturprojekte ist immens. Das Marktpotenzial auch. Über Fonds können sich Anleger an Brücken, Straßen, Häfen und Funkmasten beteiligen.

Die USA ein Entwicklungsland? Wer als Deutscher die führende Wirtschaftsnation der Welt bereist, kann sich dieses Eindrucks zuweilen nicht erwehren. Viele Brücken befinden sich in einem maroden Zustand. Ebenso ein Großteil der Elektrizitätsversorgung. Und jetzt gibt es auch noch Ärger mit der Übertragung mobiler Daten. Der Grund: Die bestehenden Mobilfunknetze sind den Zukunftstechnologien von iPhone und Blackberry nicht gewachsen. Die Nachfrage nach Bandbreite ist drastisch gestiegen, die Netze sind permanent überlastet, mit der Folge erheblicher Qualitätsmängel in der mobilen Kommunikation. Die Kunden zeigen sich genervt.
Dass die USA im Mobilfunk als „Entwicklungsland“ gelten, wird vom Branchenverband Cellular Telephone Industries Association (CTIA) bestätigt. Auch die Marktdurchdringung ist mit 83 Prozent (zum Vergleich: Deutschland kommt auf 118 Prozent) noch ausbaufähig. Gleichzeitig wächst die Bevölkerung in den USA. Nicht nur Goldman Sachs erwartet daher einen kräftigen Anstieg der Erlöse aus mobilen Zusatzdiensten. Um dieses Wachstum zu bewältigen, muss massiv in mobile Infrastruktur investiert werden, glauben Experten.

Mehr Mobilfunkmasten. Investoren können aufgrund der Besonderheiten des US-Marktes in einer Weise profitieren, die in Europa in diesem Zusammenhang weitgehend unbekannt ist, nämlich mit Fokus auf die Mobilfunkmasten. Denn der Ausbau der Infrastruktur erfordert nach Angaben der CTIA eine deutliche Erhöhung der Zahl von Mobilfunkmasten. Diese Immobilien, die die entsprechende Infrastruktur tragen, sind in Europa in der Regel im Besitz der Mobilfunknetzbetreiber. In den USA aber werden diese Einrichtungen von den Unternehmen gemietet. Bekannte Eigentümer der Masten sind American Tower, Crown Castle und SBA – alle an der Börse notiert.
Um von der Expansion dieses Marktes zu profitieren, bietet die auf Investitionen in den USA spezialisierte Berlin Atlantic Capital (BAC) Anlegern die Möglichkeit, in geschlossene Fonds zu investieren, die Mobilfunkmasten in den USA erwerben. In Emission befindet sich gerade der BAC InfraTrust 8. Der Fonds strebt ein Eigenkapitalvolumen von 7,25 Millionen Euro an. Fremdkapital ist nicht vorgesehen. Mit dem Kapital erwirbt der Fonds 14 Masten mit insgesamt 56 Antennenplätzen. „20 davon sind bereits vermietet“, sagt Wilm-Peter Post, Director Strategic Marketing bei BAC. Als defensives Investment sei der Fonds „zur breiten Risikostreuung als Beimischung geeignet“.
Über die Gesamtlaufzeit von acht Jahren prognostiziert BAC Gesamtrückflüsse von 196 Prozent der Einlagen vor Steuern. Das entspräche einer Rendite von 9,7 Prozent p. a. nach der Interner-Zinsfuß-Methode (IRR) vor Steuern. Ob diese Rendite tatsächlich erzielt wird, hängt wesentlich vom erzielten Erlös aus dem Verkauf der Masten am Ende der Laufzeit ab. Welche Preise sich in einigen Jahren auf dem Markt für Mobilfunkmasten erzielen lassen, kann man heute nicht mit Sicherheit sagen. Positiv fällt ins Gewicht, dass in den Mietverträgen mit Mobilfunkunternehmen eine jährliche Mietsteigerung von rund 3 Prozent festgeschrieben ist. „Das bietet Anlegern zudem Inflationsschutz“, betont Post.

Unterversorgt. Einen riesigen Nachholbedarf gibt es in den USA auch in anderen Infrastrukturbereichen. „Der Investitionsbedarf in die Transport-, Energie- und Ver-/Entsorgungsinfrastruktur wird allein für die nächsten fünf Jahre auf 2,2 Billionen Dollar geschätzt“, führt Andreas Ahlmann, Geschäftsführer der Hannover Leasing, aus.
Hier lägen auch die Investitionsschwerpunkte des Fonds Infrastruktur Invest 2, der das Vermögen ausschließlich in Anteile des institutionellen Infrastrukturfonds Highstar Capital IV anlegt. Laut Plan soll der Feederfonds 75 Millionen Dollar Eigenkapital einsammeln. Der Zielfonds wiederum peilt ein Gesamtvolumen von 3,5 Milliarden US-Dollar an. Das First Closing fand Ende Juni 2010 statt, hieß es bei Hannover Leasing. Nun beginnt die maximal fünf Jahre dauernde Investitionsphase, in der auch unter Einsatz von Fremdkapital Beteiligungen an Infrastrukturunternehmen erfolgen. Bedeutende Beteiligungen an Zielunternehmen stünden noch nicht fest; Anleger investieren also quasi „blind“. Die Beteiligungen sollen später mit Gewinn verkauft werden, so der Plan. Da es sich bei dem Angebot um einen wertsteigerungsorientierten Investmentansatz handelt, ist eine Rendite nicht prognostizierbar. „Wir streben auf Anlegerebene eine Zielrendite von 12 bis 14 Prozent p. a. nach Interner-Zinsfuß-Methode an“, sagt Ahlmann. Wegen des Blind Pools besteht das Risiko von Fehlinvestitionen. Laut Hannover Leasing eignet sich der Infrastruktur Invest 2 für Anleger, „die bereits über ein solides, breit gestreutes Portfolio verschiedener Anlagen verfügen“.

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